FeedKlee
TierreichBrockhaus 1882

Klee ist in der Volkssprache im weitern Sinne die Bezeichnung für alle krautartigen Schmetterlingsblütler, welche gedreite Blätter und kopf⸗ oder ährenförmig angeordnete Blüten haben, im engern Sinne jedoch den Kopfklee (Trifolium L.), welche Gattung sich durch die wegen Verwachsung ihrer Blätter in eine Röhre auch nach dem Verblühen stehen bleibende, trocken werdende Schmetterlingsblume, die mehr oder minder an die Blumenkrone angewachsenen Staubgefäße und durch die kleinen und wenigsamigen, unter der verwelkten Blumenkrone versteckten Hülsen von den nächstverwandten Kleegattungen, Schneckenklee und Steinklee (Medicago und Melilotus), unterscheidet. Die für die Landwirtschaft wichtigste unter den Kleearten ist der Wiesenklee (T. pratense L.), auch spanischer, brabanter, türkischer oder gemeiner roter K. genannt, welcher in ganz Europa auf Wiesen und Grasplätzen wild wächst und auf Feldern im großen angebaut wird. Er ist nur zweijährig, hat purpurrote, seltener fleischrote oder weiße Blütenköpfe, eine flaumige Kelchröhre, und die Nebenblätter laufen plötzlich in eine grannige Spitze aus. Der Kleebau wurde zuerst aus den Niederlanden durch Auswanderer zu Herzog Albas Zeiten an die Ufer des Rheins gebracht, wo er jedoch sehr bald wieder einging. Erst in den Kriegen Osterreichs gegen Frankreich wurde er wieder nach Ssterreich und Schlesien verpflanzt, aber nur hier und da betrieben, bis ihm Schubart von Kleefeld (s. d.) eine allgemeine Verbreitung verschaffte, wodurch die Landwirtschaft eine ganz neue Gestalt, eine Stütze und sichere Haltung erhielt, welche ihr vorher fehlte. Durch den Kleebau wurde die reine Brache und der Weidegang des Rindviehes verdrängt und statt des letztern Sommerstallfütterung eingeführt, was zur Veredlung des Viehes sehr viel beitrug. Es ward ferner durch die Erzeugung vielen und guten Futters und durch Vermehrung des Nutzviehes der Dünger vermehrt und verbessert und der Landwirt in den Stand gesetzt, mehr Getreide und andere Feldewächse zu erbauen, abgesehen davon, daß der K. schan durch Beschattung und Reinhaltung des Bodens, sowie durch seine vielen Rückstände an Wurzeln und Stoppeln dem Acker wesentliche Dienste leistet. Es ward außerdem durch den Kleebau ermöglicht, schlechte Wiesen in Feld oder Wald umzuwandeln und auch da einen vollkommenen Ackerbau zu treiben, wo natürliche Wiesen fehlten. Am häufigsten wird dazu der Wiesen⸗ oder brabanter K. angebaut, weil er den Feldbau am meisten belebt und im raschen Umschwunge erhält. Der Samen des K., dessen Züchtung häufig sehr rentabel ist, bildet einen bedeutenden Handelsartikel. Der Rotklee, welcher auf Sand⸗ und dürrem Lande nicht gedeiht, verlangt einen in guter Kultur befindlichen tiefgründigen Boden. Die Saat (10 —20, im Mittel 15 kg pro Hektar) erfolgt in rauhern Lagen unter eine Winterhalmfrucht im Herbst, sonst zugleich mit dem Sommergetreide im Frühjahr. Die Hauptnutzung des Rotklees, welcher nach Aberntung des Getreides im ersten —— meistens abgeweidet wird, erfolgt im zweiten jahre, um im dritten wieder zurückzugehen. Der Rotklee wird entweder in grünem Zustande verfüttert oder zu Heu gemacht; als mittlern Ertrag an Heu rechnet man für die ganze Nutzungszeit 50 Metercentner pro Hektar. Die «Kleemüdigkeite, d. h. das mangelhafte Wachstum auf geeignetem Boden, wird meistens durch zu häufige Wiederkehr (höchstens alle sechs Jahre) und dadurch bewirkten Mangel an assimilierbaren Nährstoffen in der Krume oder im Untergrunde hervorgerufen. Feinde des Rotklees sind: der Kleekrebs (Peziza ciborioides Fries.), die Schwärze des K. (Sphaeria Arifolii Pers.), das Stockälchen (Tylenchus devastatrix Euhn und T. Havensteinii K.), sowie die Kleeseide (Cuscuta Arifolii Bab.). Der mittlere Klee (T. medium JL.), welcher in England sehr geschätzt ist, gedeiht auch in trockenem, selbst sandigem Boden, ist dabei ausdauernd, hat tiefgehende Wurzeln und leidet deshalb auch durch trockene Witterung nicht Schaden. Außerdem wird der kriechende Klee (T. repens L.), gewöhnlich weißer oder Weideklee genannt, im großen als gutes Schaffutter angebaut. Dieser besitzt einen kriechenden Stengel und weiße Blütenköpfe mit gestielten Blüten, welche angenehm, schwach honigartig riechen; er liefert ein vortreffliches Weidefutter und bildet als solches gewöhnlich die Grundlage der Koppelwirtschaft. Desgleichen wird der nur einjährige schönrote oder Inkarnatklee (E. incarnatum JL.) besonders in Frankreich und Nordspanien, neuerdings auch in Deutschland als willkommenes Zwischenfutter in vielen Gegenden angebaut. Für sehr nasse, sumpfige Wiesen ist der Anbau des Bastardklees (T. hybridum J.) wichtig, der ausdauernd ist und größere Feuchtigkeit gut aushält. Der auf Feldern gemeine Ackerklee oder das Hasenpfötchen (T. arvense L.), mit sehr zottigen, kurzen Ahren und äußerst kleinen Blumen, wird als Hausmittel gegen Diarrhöe gebraucht. Auch der Goldklee oder Hopfenklee (T. agrarium L.), mit schönen gelben Blütenköpfen, aufrechtem Stengel und länglich-lanzettigen Nebenblättern, gibt ein gutes Futterkraut ab und wird auf sandigem Boden zuweilen als Nebensagt gebaut. Der 30—60 em hohe rote K. oder rote Ahrenklee [T. rubens L., mißt, sind unter C aufzusuchen. Bergklee (T. montanum L.), Erdbeerklee (T. fragi-f ferum L.), brauner K. (T. spadiceum L.) u. a. werden nicht im großen kultiviert. Vgl. Krafft, Lehrbuch der Landwirtschafty (Bd. 26 „(Die Pflanzenbaulehrer, 3. Aufl., Berl. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 326Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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