Kleisthenes (Klisthenes), Reformator der athenischen Verfassung, Sohn des Megakles und der Agariste, Enkel des vorigen. Als bei der Gründung der Tyrannis der Pisistratiden in Athen (538 v. Chr.) die Alkmäoniden und viele andere Edelleute Attika auf die Dauer verließen, wurde allmählich K. der Führer dieser Flüchtlinge. Durch Freigebigkeit bei dem Neubau des Tempels zu Delphi (seit 535) hatte er die Gunst der delphischen Priesterschaft gewonnen, sodaß diese endlich die Spartaner bestimmte, im J. 510 v. Chr. die Pisistratiden aus Athen zu vertreiben. In dem nun in Attika entbrannten Parteikampfe zwischen der Masse des alten Landesadels unter Isagoras und der Partei des K. ergriff der letztere endlich, auch hierbei noch von Delphi aus gefördert, die Sache des Demos und schuf 508—507 v. Chr. die neue Phylen-und Gemeindeordnung, durch welche die soziale übermacht des Adels erschüttert und die Weiterbildung der Demokratie wesentlich gefördert wurde. Nachdem der Versuch des spartiatischen Königs Kleomenes I., zu Gunsten des Isagoras im J. 507 die neuen Schöpfungen gänzlich zu beseitigen, gescheitert war, mußte K. noch im J. 506 Athen gegen die bewaffnete Koalition der Spartiaten, Thebaner und Chalkidier verteidigen, was ihm auch siegreich gelang. Unter den weiter durch K. geschaffenen demokratischen Einrichtungen ist namentlich der Ostrazismus bemerkenswert.