FeedKlinik (vom grch. „Niyn, Bett)
HeilkundeBrockhaus 1882

Klinik (vom grch. „Niyn, Bett), zunächst der Unterricht in der praktischen Medizin am Krankenbett, dann auch eine Anstalt, in welcher die angehenden Arzte in der Erkennung und Behandlung der Krankheiten unterwiesen werden. Es gibt drei Arten von K.: 1) die stehende oder stationäre Klinik, d. h. der Unterricht im klinischen Hospital, in welchem Kranke unentgeltlich oder gegen geringe Vergütung behandelt werden, aber bei ihrer Aufnahme sich stillschweigend verpflichten, sich zum Unterricht der jüngern Arzte gebrauchen 10 lassen; 2) die städtische oder Poliklinik, welche darin besteht, daß die Kranken in ihren Wohnungen von den jüngern Arzten unter Aufsicht des Lehrers besucht und behandelt werden; 3) die ambulatorische Klinik, eine Unterrichtsanstalt, zu welcher die Kranken selbst kommen, um sich Rat und nach Umständen (meist unentgeltliche) Arznei zu holen. Hinsichtlich der verschiedenen Fächer, welche die K. behandelt, hat man wieder eine medizinische (sog. innere), eine chirurgische (sog. äußere), eine geburtsbilfliche, eine augenärztliche, eine Ohrenklinik u. s. w. Diese Art des mediz. Unterrichts ist in ihrer größern Verbreitung noch nicht sehr alt. Zwar läßt sich annehmen, daß in der Asklepiadenfamilie, welcher Hippokrates angehörte, die mediz. Kenntnisse durch Unterricht an Kranken selbst fortgepflanzt wurden; auch finden sich Spuren und Andeutungen dieser Lehrmethode in den Nachrichten von den verschiedenen Schulen zu Alexandria und Rom, wogegen im Mittelalter trotz der aufblühenden Universitäten die klinischen Studien vernachlässigt wurden, und erst im 17. Jahrh. gründete man einzelne klinische Institute, die sich seitdem immer weiter verbreiteten, sodaß jetzt keine wohleingerichtete Lehranstalt einer K. entbehrt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 345Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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