FeedKrankenhaus
HeilkundeBau-Lexikon 1881
Krankenhaus

Krankenhaus, Siechenhaus, Hospital, frz. hotel Dieu, Im., infirmerie, f., engl. infirmary, hospital. Das K. hat in Anlage und Bau zwei ganz verschiedenen Bedürfnissen Rechnung zu tragen: den Bedürfnissen der in demselben BVerpflegten (Kranke, Sieche, Alte, Gebärende, Augenkranke, von ansteckenden Krankheiten Befallene)/ theils dem zur Ausführung der Verpflegung nothwendigen Verwaltungs personal, sowie endlich drittens an Universitäten den Bedürfnissen des klinischen Unterrichts. Den Platz wähle man möglichst hoch gelegen außerhalb der Stadt auf Fels⸗ oder Sandboden und versichere sich, daß der Zug des Grundwassers nicht vom K. gegen die Stadt hin geht, damit nicht gewisse ansteckende Krankheiten (3. B. Cholera) durch die Brunnen übertragen werden. Der Platz sei so geräumig, daß er nicht nur für Kranken- und Verwaltungsgebäude genügt, sondern daß diese auch reichlich Luftzutritt haben (weshalb jedes Gebäude von dem andern um mehr als eine doppelte Höhe entfernt sein muß); daß eine breite Fläche (wenigstens die sechsfache Höhe der an der Grenze stehenden Gebäude betragend) unjothek Heidelberg und der nächsten Straße oder dem nüchsten Hause liegen bleibt, u. daß außerdem eine geräumige Parkanlage zum Spazierengehen u. Aufenthalt im Freien für die Kranken vorhanden ist. Die Krankensäle lege man womöglich nach Süden u. vor Nordwind geschützt, doch so, daß wenigstens der Säl für die erste Aufnahme der Kranken dem Straßeneingang möglichst nahe sich befinde, um den Transport aus dem Wagen zu erleichtern, während von dem Aufnahmesal nach dem Krankensäl durch Rollstühle und Siechkörbe die Weiterschaffung ausgeführt werden kann. Die Verbindung zwischen Straße und Leichenhaus muß so sein, daß die Kranken weder Ankunft noch Abfahren der Be-l gräbniswagen sehen oder bemerken können; ebenso muß der Transport der Leichen aus den Kranksälen nach dem Leichenhaus den Blicken der Kranken nach Möglichkeit entzogen werden. Die Verwaltungsgebäude können entfernt von der Verkehrsstraße sein, wenn sie nur durch einen guten, gepflasterten Fahrweg mit derselben verbunden sind. Der Bau des Kees ist erst in der Neuzeit ausgebildet worden, obschon bereits um 600 in Verbindung mit Klöstern u. schon seit ea. 800 auch getrennt von denfelben Krankenhäuser etablirt wurden; s. d. Art. Hospital und Kloster. Im Mittelalter, als die Krankenpflege geordneter wurde, pflegte man, besonders in kleinen Städten, wohl ein gewöhnliches Wohnhaus mit seinen kleinen Zimmern zu benutzen. Aber schon 1155 wurde das Hospital St. Joh. Evang. in Hildesheim auf freiem, rings von Wasser umspültem Platz errichtet. Die 1198 von Innocenz III. bestätigten Brüder vom Heiligen Geist sowie die Ritterorden bauten ihre Krankenhäuser meist in Gestalt langer Säle, an deren einer Schmalseite sich eine Kapelle, zugleich Eintrittshalle, anlegt, während alle anderen Seiten freistehen, o das jedenfalls vor 1280 erbaute H. G.⸗Spital in Lübeck, Frankfurt u. s. w. Das Nikolaushospital zu Cues a. d. Mosel umgiebt einen Kreuzgang, wie sehr viele in Klöstern od. nach deren Muster erbaute Krankenhäuser. Fig. 2385 u. 2386 stellen das Hospital zu Beaune dar, erbaut 1442. In dem Grundriß bedeutet 6 der große Krankensal,7 Kapelle, 9—10, 12 kleine Säle, 18 Waschtrog, 17 Brunnen, HEIDELBERG O Universitatst 8 u. 11 Zimmer für Aerzte und Wärter, 14 Wohnung des Verwalters od. Direktors, 3 Eingang für die Wirthschaft und für neu aufzunehmende Kranke, 2 Aufnahmshalle, 4 Zimmer des Arztes, 5 Expedition, 1 Eingang für Diejenigen, welche Kranke besuchen. Die Ansicht ist im Hofe genommen. Von 1450—1600 erbaute man meist möglichst große Krankenfäle bis zu 100 u. mehr Betten u errichtete das mehrstöckige Haus in Form eines viereckigen geschlossenen Hofes, der schlechtesten Bauform für Krankenhäuser, weil hierdurch der Luft am wenigsten Zutritt hat. Im 18. Jahrh. begann man hufeisenförmige Gebäude zu errichten, welche wenigstens von einer Seite Luft in den Hofraum gelangen ließen, und 1788 wurde der Plan des Höpital Lariboisière mit dem „Pavillonsystem“ angenommen. Er besteht aus sechs Pavillons, d. h. mehrstöckigen Gebäuden, in deren jedem in jedem Stockwerk ein Säl für 32 Betten enthalten ist; die Gebäude stehen mit ihrer Langseite in angemessenen Entfernungen parallel neben einander und sind durch einen Korridor in allen Stockwerken miteinander inVerbindung. Auf der freistehenden Schmalseite befindet sich außerdem noch ein Zimmer mitzwei Betten, ein kleiner Vorrathsraum und die Aborte jedes Sãles. Je drei solcher Pavillons stehen zu beiden Seiten senkrecht auf zwei parallel zu einander laufenden Verbindungsgebäuden, welche Bibliothek, Wohnung für die barmherzigen Schwestern, Erfrischungsräume, Treppenhäuser und Korridore enthalten. Diese lange Zeit für mustergültig gehalteneAnordnungdesK.eswurde durch das,Barackensystem“ übertroffen, welches im letzten amerikanischen Kriege durch das Bedürfnis hervorgerufen und 1864 vollständig auseaune, 1442 erbaut. Fig. 2386. gebildet war. Jede Baracke ist ein selbständiges Gebäude, welches nur ein Geschoß hat, aus einem Krankensäl für 30—60 Betten, einem Gemach für die Wärterinnen, einer Theeküche, einem Badestübchen, einer Aborteinrichtung mit mehreren Sitzen und einem Vorraum auf den beiden Schmalseiten besteht und besonders die Bedürfnisse guter Luft u. der Lufterneuerung berücksichtigt. Damit die verderbliche Bodenluft nicht in den Krankensal eindringen könne, liegt der Krankensäl als erhöhtes Parterre etwa mannshoch über der Erde, steht aber frei auf Säulen ohne Verbindungswand, so daß die Luft ungehindert unter der Baracke durchstreichen kann. Der Raum unterhalb und in nächster Umgebung der Baracke ist mit Platten luftdicht belegt; der Fußboden ist durch Füllung und darunter befindliche Luftschicht in geschlossenem Raum vor Abkühlung geschützt; ein Dachreiter vermittelt ausgiebige Ventilation. In Deutschland wurde die erste Baracke in der Charité zu Berlin erbaut (Essen, Barackenlazareth. Berlin, Enslin, 1868), s. Fig. 2387. Das erste Barackenlazareth wurde in Leipzig hergerichtet (Reelam, Vierteljahrsschriftf. Gesundheitspflege. Braunschw. 1869, Vieweg), s. in Art. Lazareth. Fig. 2387. Krankenhaus und Barac für Frauen, o Verbindungsgang u. Zel Hospital in Bombay. Erbaut 1877 ve ickenlazareth der Charite zu Berlin. rchit. Blankenstein. eltlazareth, dα Krankenzimmer, se Wärterinnen, k Theeküche, Closets, 1 Betfal. zon Archit. J. A. Fuller u. Nussirwandschi Daradschi Mirdscha. glit / mothes 18835bd3/0232 Die Ausführung der Baracken ist im Dresdener Kerhehlich verbessert worden. Man bestimmt die Baracken bes für fiebernde, chirurgische u. ansteckende Kranke u. verbindet die für fiebernde u. chirurgische Kranke an der Schmalseite durch einen Korridor, welcher in ein mehrstöckiges, massiv ge-t bautes Haus mündet, in welchem Zimmer und Säle für für nicht fiebernde Kranke u. Räume für die Verwaltung sich befinden. Die Baracken für ansteckende Kranke stehen vollständig isolirt, auf allen Seiten von der Luft umspielt, durch keinen Korridor unter sich od mit dem Verwaltungsgebäude verbunden. Ebenso sollten Waschhaus, Holzvorräthe u. dgl. außerhalb und isolirt augebracht werden. — Die Ausführung der Baracken geschah im amerikanischen Krieg in Form der Blockhäuser. Die Leipziger Baracken bestehen aus verschalten Fachwänden; in Dresden hat man massive Wände angewandt; in Köln will man neuerdings Baracken ganz von Holz erbauen. Während des deutschfranzösischen Krieges haben sich 1871 Baracken nicht nur aus Holz, sondern sogar aus doppeltem Segeltuch mit Luftschicht zwischen beiden Tüchern bewährt; doch eignen sich letztere beiden Arten schon der großen Unterhaltungskosten wegen nicht für stündige Hospitale. Die Heizung wird in Leipzig in jeder Baracke durch je drei große Kellingsche Füllöfen ausgeführt und ist ungenügend u. verfehlt. In Dresden hat sich Heißwasserheizung von Haag in Augsburg vortrefflich bewährt. Die Desinfektion der in den Baracken befindlichen Aborte wird in Leipzig und Dresden durch einen für mehrere Sitze gemeinschaftlichen Kübelkasten mit Süvernscher Desinfektionsmasse in wirksamer Weise ausgeführt. (Die Kästen werden täglich einmal entleert; die desinfizirten kasoes und Flüssigkeiten fließen in ein gemeinsames unterirdisches Desinfektionsbassin, durch welches ebenso das K. wie die benachbarte Stadt vollständig geschützt sind.) Die Baracken haben nachweisbar den Vorzug, daß die Heilung in ihnen schneller verläuft und die Sterblichkeit der Kranken geringer ist. Jedes K. muß mit einem Gesellschaftsraum für die Genefenden versehen sein, damit diese während des Tages nicht nöthig haben im Krankensal sich aufzuhalten. Die Hranken werden hierdurch vor Störungen geschützt, und die Rekonvalescenz verläuft schneller. — Die Kosten des Leipziger Kes betrugen für 11 Baracken 531 600 Mark, Operationspavillon 34011 Mark, Bade⸗, Wasch⸗ und Kesselhaus 130432 Mark, Eishaus 11040 Mark, Umbau des bereits stehenden massiven Hauses zu Krankenzwecken 137 557 Mk., also in Summa 841 640 Mk. Jede Baracke ist mit Einschluß des Perrons an jedem Giebel 38 ½ m. lang, bei einer Breite von 10 m. Der Krankensäl ist 28, m. lang, 9, W. tief und 4½% m. hoch an der Mauer, 6 m. im Mittel bis zum Dachfirst. Der Fußboden befindet sich durchschnittlich 1,¾%Hm. über der Erdoberfläche. Jede Baracke hat auf jeder Langseite 13 Fenster, auf jeder Giebelseite eine Thür, welche auf den Perron führt. Für epidemische Krankheiten, wie Pocken, Cholera, ist die Baracke die einzig richtige K.form, und zwar find diese

Fig. 2387. Krankenhaus und
Fig. 2387. Krankenhaus und
Krankenhaus
Krankenhaus
Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 220Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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