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ErdkundeBrockhaus 1882

Klosterneuburg, Stadtim Erzherzogtum Ssterreich unter der Enns, Bezirkshauptmannschaft Hernals, rechts an der Donau und an der Kaiser-Franz-Josephbahn, 10 km oberhalb Wien, am Fuße des Kahlenbergs auf einem steilen Hügel gelegen, auf dessen Vorsprung in den Strom das große und prachtvolle Gebäude des berühmten Augustinerchorherren-Stifts gleichen Namens sich erhebt, ist Sitz eines Bezirksgerichts, des Pionierzeug⸗ und des Trainzeugdepöts, hat eine önologische und pomologische Staatslehranstalt, eine Obst⸗, Wein⸗ und Gartenbauschule, eine Versuchsstation für Wein⸗ und Obstbau, eine Irrenanstalt und zählt (1880) 7365 E., deren Hauptnahrungszweig der Weinbau ist, die aber außerdem auch städtische Gewerbe treiben. Die Ruinen der mittelalterlichen Befestigung geben der obern Stadt, welche von der untern durch den Kirlingerbach getrennt ist, ein besonders malerisches Ansehen. Das Chorherrenstift K. wurde vom Markgrafen Leopold dem Heiligen aus dem Hause Babenberg gegründet und der erste Bau 1106-36 ausgeführt. Die gegenwärtigen palastähnlichen, immer noch nicht vollendeten Gebäude, 1730 unter Karl VI. errichtet, sind durch eine Mauer von der Stadt getrennt und tragen auf den Kuppeln die deutsche Kaiserkrone und den österr. Herzogshut aus Eisen. Schöne ermißt, sind unter C aufzusuchen. architeltonische Arbeiten sind die Prachttreppe und der Saal der Bibliothek, welche 30000 Bände, 1150 Inkunabeln und 1550 Handschriften zählt. Die altdeutsche Stiftskirche zur heil. Maria hat einige wertvolle Gemälde, eine große Orgel, einen schönen Hochaltar, eine marmorne Kanzel und einen prächtigen Kreuzgang, und in den Klosterkellern befindet sich ein dem heidelberger an Größe liches Faß. Andere Sehenswürdigkeiten sind die Leopoldsgruft, die Leopoldskapelle, enthaltend die Gebeine des heil. Leopold, den Erzherzogshut, welchen Kaiser Maximilian I. 1516 dem Stift übergab, dessen sich die Regenten Österreichs bei der früher üblichen Erbhuldigung bedienten, den berühmten Altar von Verdun, aus 51 Metalltafeln bestehend, in welche biblische Erzählungen geätzt sind (sog. Niello-Arbeit, 1181 gefertigt), einen Kelch aus Donauwaschgold und eine schöne altdeutsche Säule, welche 1381 nach der Pest errichtet wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 354Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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