FeedKock (Charles Paul de)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Kock (Charles Paul de), franz. Roman⸗ und Theaterdichter, geb. 1794 zu Passy bei Paris, Sohn eines in der Revolution guillotinierten holländ. Bankiers, trat bei einem großen Handlungshause in die Lehre, wurde aber durch überwiegende Reigung zur Schriftstellerei hingeführt. Er verfaßte zuerst Melodramen der schauerlichsten Art (1814—16), nachher Lokalpossen, hatte aber in diesen beiden Gattungen keinen rechten Erfolg. Dagegen verschafften ihm seine Romane rasch einen populären Namen. In diesem Litteraturfache entwickelte K. in der That seine eigentümlichen Vorzüge, muntere Laune und scharfes Beobachtungstalent. Er wählte vorzüglich Gegenstände aus den niedern Kreisen der Gesellschaft. Modistinnen, Ladenjungfern, Wäscherinnen, Stubenmädchen, Köchinnen sind in seinen Romanen die Hauptpersonen. Sie führen in eine Welt derben, sinnlichen, aber gutmütigen Wesens, platt prosaisch, doch lebendig aufgefaßt und ungeschminkt wiedergegeben. K.s schwächste Seite ist seine stillose Schreibart. Den meisten Beifall fanden seine Romane der ersten Periode (1820—30%), wie Georgettep, (Gustavenv, Fréère Jacques v, Monsieur Duponto, André le Savoyardo, La femme, le mari et l'amanto, Le cocuo, La pucelle de Bellevilleo u. s. w. Später änderte sich seine Darstellungsweise. Zwar blieb er nach wie vor ein getreuer Repräsentant franz. Lustigkeit, übertrieb jedoch die Effekte auf Kosten der Natürlichkeit. Seine Romane haben die weiteste Verbreitung gefunden. Ihre Gesamtzahl beläuft sich auf etliche 50. Fast alle sind mehrmals ins Deutsche, Englische, Spanische übersetzt und oft aufgelegt worden. In Frankreich gibt es verschiedene Gesamtausgaben, sogar eine Prachtausgabe mit Kupfern von Raffet (30 Bde., Par. 1834), eine andere von 1844 (56 Bde.), und eine dritte von 1849, in der Sammlung der (Romans populaires illustréso. K. hat überdies fast alle seine Romane zu Vaudevilles verarbeitet. Auch ist er Verfasser beliebter Chansons. Er starb zu Paris 29. Aug. 1871. Vgl. Trimm, Wa vie de Charles Paul de K.o (Par. 1873). — Sein Sohn, Henri de K., geb. 1821 zu Paris, ist wie der Vater sehr früh als Schriftsteller aufgetreten und hat mit gleicher Leichtigkeit zahlreiche Romane und Theaterstücke produziert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 393Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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