FeedKolbe (Adolf Wilh. Herm.)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Kolbe (Adolf Wilh. Herm.), hervorragender Chemiker, geb. 27. Sept. 1818 zu Elliehausen bei Göttingen, erhielt seine Gymnasialbildung zu Göttingen, wo er auch Ostern 1838 die Universität bezog, um sich unter Wöhlers Leitung dem Studium der Chemie zu widmen. Nach Beendigung desselilh., Künstler und Schriftsteller) 40⁵ ben wurde er 1842 Assistent im Laboratorium Rob. Bunsens zu Marburg. Auch besuchte er öfters Gießen, wo er in nähere Beziehungen zu Ju⸗ ——5 von Liebig trat. Im Herbst 1845 ging K. auf unsens Empfehlung als Assistent Lyon Playfairs am Laboratorium des Museum of Economic Geology nach London. Hier führte er unter anderm seine Untersuchungen über die Elektrolyse mehrerer organischer Verbindungen aus, deren Ergebnisse er in Liebigs Annalen der Chemiey (1849) mitteilte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland hielt er sich anfänglich in Marburg auf, wandte sich aber im Herbst 1847 nach Braunschweig, um daselbst die Redaction von Liebigs und Wöhlers (Handwörterbuch der Chemier zu übernehmen. Nach Bunsens Übersiedelung 100 Breslau kehrte er an dessen Stelle als ord. Professor der Chemie 1851 nach Marburg zurück. Im Herbste 1865 folgte er einem Rufe an die Universität Leipzig, wo er seitdem wirkte und 25. Nov. 1884 starb. Unter K.s Werken sind besonders hervorzuheben: „Ausführliches Lehrbuch der organischen Chemie (3 Bde., Braunschw. 1854—69), dessen zweite Auflage Braunschw. 1880—84) von E. von Meyer herausgegeben wurde; ferner Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemies (Braunschw. 1877), sowie Kurzes Lehrbuch der organ. Chemies (Braunschw. 1879; 2. Aufl. 1881). Zahlreiche Arbeiten von ihm sind in dem Handwörterbuch der Chemier sowie in Fachzeitschriften enthalten. In den Schriften Das chem. Laboratorium der Universität Marburgv (Marb. 1865) und „Das chem. Laboratorium der Universität Leipzigo (Lpz. 1872) hat er die Arbeiten zusammengestellt, die er bis zum Erscheinen des letztern Werks mit seinen Schülern in Marburg, beziehentlich in Leipzig gemacht. Letztere Schrift enthält zugleich eine Beschreibung des nach seinen Plänen 1867 errichteten neuen chem. Laboratoriums in Leipzig, welches durch seine zweckmäßigen Einrichtungen ein Muster für alle neuern Laboratorien geworden ist. Nach O. L. Erdmanns Tode (1869) übernahm K. die Redaction des von diesem 1834 gegründeten Journals für praktische Chemier, in welchem seitdem seine zahlreichen Arbeiten fast ausschließlich veröffentlicht sind. Seine Erperimentaluntersuchungen waren zumeist auf die Lösung ichem. Probleme gerichtet, von denen einige auch von praktischer Bedeutung geworden sind; so die 1861 in Gemeinschaft mit Professor R. Schmitt beobachtete Umwandlung der Carbolsäure in den Corallin (s. d.) genannten roten Farbstoff, die Auffindung einer Methode, Salicylsäure (s. d.) in großen Mengen künstlich darzustellen (1873), und seine Entdeckung der antiseptischen Eigenschaften der Salicylsäure, wodurch diese ein wertvolles Arzneimittel geworden ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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