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ErdkundeBrockhaus 1882

Kolberg, Stadt und ehemalige Festung im Kreis K.⸗Körlin des Regierungsbezirks Köslin der preuß. Provinz Pommern, liegt an der Persante, die 2 km unterhalb in die Ostsee mündet, ist Station der Linie Belgard-K. der Preußischen Staatsbahnen und der Altdamm-Kolberger Eisenbahn, Sitz eines Landratamts, Amtsgerichts, Hauptzollamts und einer Reichsbanknebenstelle und zählt (1880) 16 027 meist prot. E. Der Hafen wird auf der Ostseite durch das Münderfort, auf der West- oder Maikuhlseite durch die Kleist⸗ und Heydenschanze verteidigt. Die Befestigungen an der Landde sind 1873 eingegangen. K. hat drei Vorstädte: ie Gelder Vorstadt, die Lauenburger Vorstadt und die Münde (Kolbergermünde), welche letztere sich in neuester Zeit sehr erweiterte und verschönerte. Unmittelbar am Meere liegt das Strandschloß. Von den sieben Kirchen der Stadt sind die 1316 vollendete St. Marien-Domkirche und die 1871—76 erbaute Nikolaikirche erwähnenswert. Schöne Gebäude sind auch das nach den Entwürfen Zwirners ausgeführte Rathaus und das 1883 erbaute Reichspostgebäude, beide im got. Stil. Auf dem Markte wurde 2. Juli 1864 das Standbild Friedrich Wilhelms III. (von Drake) enthüllt. K. hat ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Fräuleinstift, vier Hospitäler, eine Station zur Rettung Schiffbrüchiger, Eisengießerei und Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen. Handel und Schiffahrt sind im Aufschwunge begriffen. Viele Bewohner treiben auch AÄckerbau und Fischerei. K. ist See⸗ und Solbad, das gegenwärtig von etwa 7000 Badegästen jährlich besucht wird. Es hat ein christl. und ein jud. Kurhospital, sechs Solbäder, Moorbäder und sonstige Bäder und eine Kinderheilstätte. Das Salzwerk, welches schon zur Zeit der Ottonen bekannt war, ist 1860 eingegangen. K. ist eine sehr alte Stadt und wurde bereits im 11. Jahrh. Sitz eines Bischofs, blieb dies aber nicht nißt, sind unter C aufzusuchen. lange; das Domkapitel daselbst hob man indes erst 1810 auf. Vormals war K. die Hauptstadt des Landes Kassuben und wurde 1277 von dem Herzog von Pommern gegen Stargard an das Stift Kammin abgetreten, mit dem es 1648 an Brandenburg kam. K. wurde 1284 in den Hansabund aufgenommen und im Dreißigjährigen Kriege nach langer Belagerung 1631 von den Schweden erobert, die sich bis 1653 hier behaupteten. Große Drangsale hatte sie im Siebenjährigen Kriege zu leiden. Nachdem 1758 der General Palmbach und 1760 die Schweden und Russen K. vergebens belagert hatten, erschien 1761 Romanzow mit 55 Schiffen und einem bedeutenden Korps vor der Stadt, die er nur nach heftigem Bombardement und viermonatlicher Belagerung durch Hungersnot endlich 16. Dez. zur Kapitulation zwingen konnte. Ebenso tapfer wurde K. 1807 verteidigt. Zwar konnte der greise Kommandant Loucadou, welcher anfangs befehligte, 13. März die Wegnahme der Schanze auf dem Hohenderge nicht verhindern, allein die Ausfälle Schills, der in der Maikuhle sich verschanzt hatte, und die Thätigkeit des Bürgers Rettelbeck (s. d.) innerhalb der Stadt machten die Fehler des Kommandanten teilweise wieder gut. Endlich übertrug der König dem Major Gneisenau 29. April an Loucadous Stelle das Kommando, der die Festung so lange hielt, bis die Nachricht vom Tilsiter Frieden eintraf. Die Stadt war seit 28. April bis 2. Juli 1807 fast unausgesetzt beschossen worden und lag größtenteils in Trümmern, während alle drei Vorstädte gänzlich abgebrannt waren. Vgl. Riemann, (Geschichte der Stadt K.» (Kolb. 1873); derselbe, «Beilagen zur Geschichte der Stadt K.v (Kolb. 1873); (Führer durch das Sol⸗ und Seebad K. » (4. Aufl., Kolb. 1882); Janke, „Bad K.v (Kolb. 1884). Der Kreis Kolberg-Körlinzählt auf 930 aEm (1880) 52016 meist prot. E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 406Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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