FeedKomische
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Komische (das) kann definiert werden als das überragen des Sinnlichen und Zufälligen über die Idee, die zur Daystellung kommen soll. Komisch ist z. B. der Druckfehler, der einen Schriftsteller statt von der einleuchtenden Richtigkeit vielmehr von der einleuchtenden Nichtigkeit seiner Ansicht sprechen ließ; komisch ist ferner jener Zerstreute, der, um die Ehrlichkeit seines Bedienten zu prüfen, eine Masse Geld offen auf den Tisch legte, diese aber zu zählen vergaß. Man unterscheidet zwischen dem Niedrig-Komischen und dem Fein-Komischen. Das Niedrig-Komische ist das Burleske (s. d.) und Possenhafte. Feiner ist bereits das K. des Verstandes, der Witz (s. d.). Die höchste Stufe des K. aber ist der Humor (s. d.). Weil das K. gewissermaßen ein Wütradern der Materie mit dem Geiste ist, der Geist aber doch niemals völlig überwunden und vernichtet werden darf, da sonst statt des K. vielmehr das Häßliche (J. d.) und Gemeine sich darstellen würde, kann das K. nur in denjenigen Künsten sich am freiesten entfalten, die am meisten der Materialität entrückt sind. Es gibt daher keine komische Baukunst, und auch in der Plastik tritt das K. nur bescheiden auf. In der Malerei aber bildet das K. bereits einen bedeutenden Teil der sog. Genremalerei (s. d.), und in der Musik und in der Poesie ist das K. recht eigentlich zu Hause; die komische Oper, der komische Roman, die Komödie. Außer den Werken über Ästhetik von Vischer, Zimmermann, Carriere u. a. vgl. Jean Paul Fr. Richter, Vorschule der Asthetike (2. Aufl., Stuttg. 1813); Hecker, «Die Physiologie und Psychologie des Lachens und des Komischeno (Berl. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 437Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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