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ErdkundeBrockhaus 1882

Koniah, auch Konija (grch. Ikonion, unter den Römern Iconium, im spätern Mittelalter auch Künija, Cunin, Connie und Stancona), Hauptstadt des gleichnamigen türk. Vilajets, im südl. Kleinasien auf der öden, nach ihr benannten (im Altertum Lycaonischen) Hochebene, 1000 m über dem Meere, auf der Straße vom Bosporus nach Syrien, 340 km im SO. von Kutahia gelegen. Die heutige Bedeutung des Ortes mit 38000 fast ausschließlich muselmanischen E. entspricht nicht der ehemaligen. Die jetzige Stadt lehnt sich noch an die Citadelle oder Hochburg (die frühere Akropolis) an, welche die Mitte der voreinstigen ausmachte, hat aber nur Lehmhütten und leicht aus Holz aufgezimmerte Häuser und füllt nur einen kleinen Teil der vordem bebauten Fläche aus. Der Rest ist mit den Trümmern ehemaliger Herrlichkeit bedeckt. Von den frühern äußern Ringmauern ist nichts mehr vorhanden. Groß ist die Zahl der Gräber von Heiligen und Scheikhs. Der schönste erhaltene Bau ist die im Bereich der Burg gelegene große Djami (Moschee) mit einer hellblauen, von Porzellanziegeln bekleideten Kuppel. Um dieses Heiligtum her liegen zählreiche Gebäude, welche dem Chef des Ordens der drehenden (tanzenden) Derwische zur Wohnung dienen. Hier residiert auch das Oberhaupt derselben, der Mollah Hünkjar Assis Effendi. In K. haben sich die bedeutendsten und wohlerhaltensten wie interessantesten Reste seldschukisch-arab. Baukunst erhalten, beachtenswert namentlich durch die Meisterschaft in der feinsten Steinmetzarbeit, durch die Arabesken in den vielen noch wohlerhaltenen Portalen. Die Stadt Iconium spielte namentlich im Mittelalter eine Rolle. In ihr predigten Paulus und Barnabas das Evangelium, und 235 fand hier eine christl. Synode statt, die sich vornehmlich mit der Gültigkeit der Ketzertaufe beschäftigte. In byzant. Zeit gehörte K. zum Thema Anatolikon und war Sitz eines Erzbischofs, dessen Sprengel das alte Lykaonien bildete. Im J. 708 wurde die Stadt von den Arabern erobert und auf kurze Zeit besetzt. Seit 1097 machte sie Kilidsch-Arslan, der zweite Beherrscher des Seldschukenreichs Rum, zu seiner Residenz. Am 7. Mai 1190 erfocht hier Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen Sieg über die Seldschuken und nahm 18. Mai die Stadt, nicht aber die Burg ein. Seit 1244 wurden die Sultane von Iconium von den Mongolen ein- und abgesetzt; der letzte, Masud II., starb 1308. Während die osman. Türken sich in Kleinasien ausbreiteten, behauptete sich die Dynastie Karaman, deren Stifter Schemseddin Mohammed Bei sich 1277 Iconiums bemächtigt hatte, in Lykaonien, Kappadocien, Galatien und im westl. Cilicien. Doch 1392 mußte sie die Oberhoheit der Pforte anerkennen und 1473 wurde das ganze Land dem Osmanischen Reiche einverleibt. Während dieser Zeit und noch später war die Stadt sehr häufig der Schauplatz verheerender Kriege und geriet immer mehrin Verfall. In neuerer Zeit wurde sie bekannt durch die Schlacht vom 20. Dez. 1832, in welcher Ibrahim Pascha von Agypten das türk. Heer unter dem Großvezier Redschid Pascha schlug.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 461Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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