Königslutter, Stadt in Braunschweig, Kreis Helmstedt, am Elm und an der Lutter, in 141 m Höhe, 13 km westlich von Helmstedt, an der Linie Braunschweig-Helmstedt der Braunschweiger Eisenbahn, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat eine Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke, Papier⸗, Tuch⸗, Stärke⸗, zwei Zuckerfabriken, Kalkbrennerei, Bierbrauereien, bedeutende Steinbrüche und zählt (1880) 2712, mit den anstoßenden Gemeinden Oberlutter und Stift Königslutter 4615 meist prot. E. Vor der Stadt liegt das alte große Kloster zu St. Petri und Paul, eine ehemals bedeutende Benediktinerabtei mit schöner Stiftskirche, der schönsten Basilika in Norddeutschland; darin ein herrlicher Kreuzgang und die Grabstätten des Kaisers Lothar II., seiner Gemahlin Richenza und des Herzogs Heinrich des Stolzen von Bayern. Die Stadt wurde 1433 von den Braunschweigern und später im Dreißigjährigen Kriege (1640) nochmals zerstört. Königsmark (Maria Aurora, Gräfin), die Geliebte Augusts II., Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, wurde 1669 auf der Insel Worms in Estland geboren. Ihr Vater, Konrad Christoph Graf K., war der älteste Sohn des schwed. Feldmarschalls Johann Christoph Irdepfedicns 25. Febr. 1600, gest. 20. Febr. 1663) und blieb als holländ. General 1673 bei der Belagerung von Bonn; ihre Mutter war eine Tochter des berühmten schwed. Feldmarschalls Hermann von Wrangel. Aurora entfaltete schon früh große geistige Fähigkeiten, für deren Ausbildung eine vortreffliche Erziehung sorgte, während sie von Kindheit an zu „Stockholm, Hamburg, Hannover, Braunschweig u. s. w. das Welt⸗ und Hofleben gründlich kennen tlernte. Die Nachricht von dem plötzlichen Verschwinden ihres Bruders, der als schwed. Oberst 1687 in hannov. Diensten stand, dann General in sächs. „Diensten wurde, veranlaßte sie, 1694 von Hamburg, wo sie nach dem Tode der Mutter bei der ältern Schwester, der vermählten Gräfin Löwenhaupt, „sich aufhielt, nach Dresden zu gehen, um des Kurtfürsten Hilfe zu suchen. Bald wurde sie hier die „Geliebte desselben und durch ihn 28. Okt. 1696 zu Goslar Mutter des berühmten Marschalls Moritz, „Grafen von Sachsen. Gleichzeitig löste sich ihr „Verhältnis zum Kurfürsten. Nach mehrfachen Bemühungen wußte sie einen ehrenvollen Ruhesitz im „fürstl. Stiftskapitel zu Quedlinburg zu erlangen Hund wurde im Jan. 1698 zur abteilichen Koadjutorin und zwei Jahre später zur Pröpstin ernannt. „Doch unternahm sie auch von hier aus öfters Reisen nach Dresden, Leipzig, Breslau, Hamburg u. s. w. Ihre berühmteste Reise jedoch war die iEim Auftrage Augusts II. in das Hauptquartier „Karls XII. nach Kurland (1702), um diesen zum Frieden zu bewegen. Sie starb nach langen Leiden an der Wassersucht 16. Febr. 1728 zu Quedlinburg, (Cramer, «Denkwürdigkeiten der Gräfin Maria Aurora K.» (2 Bde., Lpz. 1835); Corvin, Maria Aurora, Gräfin von K.» (Lpz. 1848); Hesekiel, Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts der Grafen von K.» (Berl. 1854). Ihr Bruder, der letzte seines Stammes, Philipp Christoph Graf K. (geb. 1662), suchte in Hannover mit der Erbprinzessin Sophie Dorothea (s. d.), Gemahlin des Erbprinzen Georg Ludwig, des nachherigen Königs Georg 1. von Großbritannien, ein Liebesverhältnis anzuknüpfen. Da er beschuldigt ward, die Erbprinzessin entführen zu wollen, ließ ihn Kurfürst Ernst August am Abend des 1. Juli 1694, wo dies geschehen sollte, im Toilettenzimmer der Prinzessin ermorden. Die Prinzessin blieb lebens — — Jahre) gefangen auf dem Schlosse zu Ahlden. Vgl. Palmblad, „Briefwechsel des Grafen K. und der Prinzessin Sophie Dorothea von Celleß (Lpz. 1847), und Bülau, 4«Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen» (Bd. 12, 2. Aufl., Lpz. 1864).