FeedKonkordienformel
ReligionBrockhaus 1882

Konkordienformel (Formula concordiae nennt man eins der Symbolischen Bücher (s. d.) der luth. Kirche. Dasselbe sollte die Zerwürfnisse ausgleichen, welche zwischen der Lutherschen und Melanchthonschen Theologenschule nach Luthers Tode entstanden waren. Nachdem die Hoffnung einer Ausgleichung verschwunden, betrieb der ßt, sind unter C aufzusuchen. tübinger Kanzler Jakob Andreä das Konkordienwerk im Sinne einer Verständigung der schwäb. und niedersächs. Lutheranerv. Sein von den württemb. Theologen unterschriebenes Glaubensbekenntnis wurde von den niedersächs. Theologen Chemnitz und Chyträus korrigiert (Schwäbisch-niedersächs. Konkordie 1575), danach nochmals von den Württembergern überarbeitet (Maulbronner Formel, Jan. 1576). Der Sturz der wittenberger Philippisten (1574) und die Sorge des Kurfürsten August von Sachsen um seine und seiner Landeskinder luth. Rechtgläubigkeit kam den unermüdlichen Friedensbemühungen Andreäs entgegen. August, der nur Heil sah in Aufstellung eines neuen Symbols, veranstaltete zu Torgau 1576 einen theol. Konvent, an dem Jak. Andreä, Dav. Chyträus aus Rostock, Martin Chemnitz aus Braunschweig, Andr. Musculus, Generalsuperintendent der Mark Brandenburg, Christoph Körner aus Frankfurt a. O. und 12 tursächs. Theologen teilnahmen. Hier wurde auf Grund der ältern Formeln das sog. Torgauische Buch verfaßt, dieses aber, nach Einholung auswärtiger Gutachten, im Kloster Bergen bdei Magdeburg 1577 von den erwähnten Theologen, 50 denen noch Nik. Selnecker aus Leipzig kam, abermals umgearbeitet und nun das Bergische Buch oder die K. (Eintrachtsformel) genannt. Der theol. Charakter derselben ist das strengste schulgerechte Luthertum, das für den Geist Melanchthons fortan keinen Raum in der Kirche ließ und jede Annäherung an die reform. Schwesterkirche unmöglich machte. Die unter den Lutheranern selbst streitigen Artikel sind mit Umsicht und Mäßigung, doch ohne eine völlige Einheit der Lehre Urh Lande entwickelt. Sogar die Absicht, alle uth. Landeskirchen unter der Fahne des neuen Symbols zu vereinigen, schlug fehl. Kirchliche Anerkennung erhielt diese Formel, zum Teil nicht für immer, in Kursachsen, Kurbrandenburg, in 20 Herzogtümern, 24 Grafschaften, 35 Reichsstädten; verworfen dagegen wurde sie in Hessen, Zweibrücken, Anhalt, Pommern, Holstein, Dänemark, Schweden, Nürnberg, Straßburg u. s. w. Übrigens ist die K. ursprünglich deutsch in 12 Artikeln abgefaßt und erst später von Osiander ins Lateinische übersetzt worden. Vgl. Heppe, „Geschichte der lutherischen K. und Konkordien (Marb. 1858); Frank, «Die Theologie der K. (4 Bde., Erlangen 1858—65).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 475Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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