FeedKryptocalvinisten
ReligionBrockhaus 1882

Kryptocalvinisten (vom grch. „orrss, verborgen, versteckt) hießen bei den orthodoxen Lutheranern die Anhänger der Schule Melanchthons, welche nach Luthers Tode in der Abendmahlslehre mit Calvin (s. d.) sich verständigt hatten und einige Lehrstücke, wie die von der Allgegenwart des Leibes Christi, zurückwiesen. Sie bildeten anfangs in Kursachsen, besonders an den Universitäten Leipzig und Wittenberg, die herrschende Partei. Nach wiederholten vergeblichen Denunziationen wurde endlich auch Kurfürst August von Sachsen mißtrauisch gegen sie und verlangte 1571 von seinen Theologen ein unzweideutiges Bekenntnis zur luth. Abendmahlslehre. Da dasselbe nach dem Urteil der strengen Lutheraner ungenügend ausfiel, ließ nun der Kurfürst mehrere Artikel auf einem Konvent zu Torgau 1574 den wittenberger Theologen und ihren Anhängern zur Unterschrift vorlegen und strafte die sich Weigernden mit Gefängnis und Entsetzung. Er ließ 1580 nochmals in der Konkordienformel (s. d.) eine Lehrnorm aufsetzen, zu welcher alle Prediger durch Unterschrift sich bekennen mußten. Nach seinem Tode (1586) kamen die Anhänger Melanchthons unter dem Kanzler des jungen Kurfürsten Christian I., Nikolaus Crell, ——— einmal empor, und strebten jetzt offen eine Vereinigung mit den Calvinisten an. Da aber mißt, sind unter C aufzusuchen. Christian I. schon 1591 starb und während seines Sohnes, Christians II., Minderjährigkeit der strengluth. Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar die Regierung führte, so wurden gegen die K. die härtesten Maßregeln ergriffen, ihre angesehensten Führer gefänglich eingezogen, alle Prediger, welche nicht widerriefen, ihrer Amter entsetzt, festgenommen oder des Landes verwiesen und 1592 die Visitationsartikel eingeführt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 644Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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