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ReligionBrockhaus 1882

Köpfel, Reformator in Straßburg, s. Capito. Kopffüßer (Cephalopoda) heißt die am höchsten stehende Familie der Mollusken (s. d.). Sie haben einen vom andern Körper deutlich abgesetzten Kopf mit großen Augen und um den Mund herum meist acht mit Saugnäpfen versehene Arme, bei andern noch zwei tentakelartige verlängerte, mittels deren sie kriechen oder schwimmen und ihr Beute ergreifen. An der Bauchseite bildet die Körperwand durch eine Duplikatur eine oben offen stehende Höhle, die Mantelhöhle, in der eine kegelförmige, unten an der Basis offene Röhre, der Trichter, und die gefiederten Kiemen sich befinden. Durch den Mantelschlitz dringt Wasser zum Atmen ein; wird dasselbe durch plötzliche und energische Zusammenziehungen der Hautduplikatur, des sog. Mantels, aus der Mantelhöhle herausgepreßt, so nimmt es seinen Weg durch die Trichterröhre und das Tier schießt infolge des Rückstoßes mit dem hintern Körperende voran pfeilschnell durch das Wasser. Manche Formen besitzen ein inneres Skelett in Gestalt einer hornigen (s. Kalmare) oder kalkigen Schale (s. unter Sepie), einige wenige lebende aber sehr zahlreiche fossile (. Ammoniten) eine äußere Schale. In der Unterhaut der K. finden sich merkwürdige kontraktile, mit verschiedenfarbigem Pigment gefüllte Zellen, (Chromatophoren), die durch ihreabwechselnde Ausdehnung und Zusammenziehung ein lebhaftes Farbenspiel zu Wege bringen. Der sog. Tintenbeutel, ein neben dem After in der Mantelhöhle mündender Sack, sondert, wenn die Tiere verfolgt werden, eine dunkle Flüssigkeit (s. unter Sepie) ab, die sie dem Auge nachstellender Feinde entzieht. Die Geschlechter sind getrennt und findet bei einigen Formen keine direkte Begattung statt: es füllt sich vielmehr ein besonders modifizierter, hohler Arm (der Hektokotylus) mit der in Hülsen (sog. Spermatophoren oder Samenpatronen) befindlichen Samenflüssigkeit, reißt sich los, bewegt sich eine Zeit lang selbständig und gelangt in die Mantelhöhle des Weibchens, wo sich dann die Befruchtung vollzieht; an Stelle des abgerissenen Hektokotylus bildet sich ein neuer. Mit ihrem mächtig entfalteten Nervensystem und ihren trefflich entwickelten Sinnesorganen stehen die Tiere geistig sehr hoch. Es sind ausschließlich Bewohner des Meeres, die sich von Raub ernähren. Manche wachsen zu gewaltigen Dimensionen heran, wenn auch so furchtbare Riesen, wie sie die Sage unter dem Namen (Kraken» erwähnt, nicht vorkommen dürften. Fossil finden sich K. schon vom Silur an und erreichen als Ammoniten (s. d.), Belemniten (s. d.) u. s. w. besonders im Jura ihre höchste Entwickelung. Man unterscheidet nach der Zahl der Kiemen zwei Ordnungen, vierkiemige K. (Tetrabranchiata), zu denen von lebenden Formen nur der Nautilus (s. d.) gehört, und zweikiemige (Dibranchiata) mit den Sepien und Kalmaren (s. d.), von denen mindestens 200 verschiedene lebende Arten aus allen Meeren beschrieben sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 519Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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