Korvei (amtlich Corvey), ehemalige gefürstete Benediktinerabtei an der Weser, die älteste und berühmteste in Sachsen, nahe bei Hörter, ward 816 von Ludwig dem Frommen in Hethi am Solling gegründet durch Mönche aus Corbie in der Picardie (darum Corbeia nova) und 822 an seine jetzige Stelle verlegt. Hier schrieb 967 Widukind die Geschichte der Sassen. Der bedeutendste aller Abte von K. war Wibald 1146 —58, zugleich Abt von Stablo, Minister dreier Kaiser und Vormund für den unmündigen König Heinrich. Von der alten Stiftsbibliothek ist nichts mehr vorhanden; sie hatte im 15. Jahrh. schon sehr gelitten. Zu Anfang des 16. wurde daraus der Tacitus gestohlen und gelangte später in die Hände des Papstes Leo X. Es ist die einzige Handschrift, worin die sechs ersten Bücher der Annalenv uns erhalten sind. Der Papst ließ die Handschrift 1515 in Rom durch seinen Bibliothekar Beroaldus herausgeben und schenkte dann ein schön gebundenes Exemplar den Mönchen von K. Unter Abt Christoph Bernhard von Galen, Bischof von Münster, wurde die jetzige Kirche gebaut und 1699 unter Abt Florentius von dem Velde der Neubau der Abtei, des jetzigen Schlosses, begonnen, aber erst unter seinem Nachfolger vollendet. K. wurde 1793 zum Bistum erhoben, 1802 säkularisiert und dem Hause Nassau-Oranien zugeteilt, 1807 dem Königreich Westfalen einverleibt, 1815 Preußen überwiesen und 1820 von diesem gegen andere Länderteile dem Landgrafen Victor Amadeus von Hessen-Rothenburg überlassen; 1834 fiel es durch Erbschaft an Prinz Victor von Hohenlohe-Schillingsfürst, seit 1840 Herzog von Ratibor und Fürst von K. Im Schlosse K. befindet sich eine sehr schöne, vom Landgrafen Victor Amadeus begründete Bibliothek, welche an 150000 Bände zählt und eine reiche Sammlung zum Teil sehr seltener Bilderwerke enthält. Hoffmann von Fallersleben war hier 1860—74 Bibliothekar. Vgl. Wigand, «Geschichte der Abtei K.v (Höxter 1819) und «Der korveische Güterbesitzz (Lemgo 1831). Das sog. «Chronicon Corbejensed, welches von Wedekind zuerst in den Noten zu einigen Geschichtschreibern des Mittelalterso (Bd. 1, Heft 4, Braunschw. 1824) herausgegeben wurde und als wichtige Quelle für die Kulturgeschichte des Mittelalters großes Aufsehen erregte, ist unecht, wie seitdem Ranke, Hirsch und Waitz, Schaumann und Klippel nachgewiesen haben. Dagegen sind echte 4Annales Corbejenseso in Pertz' Monumenta Germaniae historica (Bd. 3) abgedruckt.