Corvina (abgekürzt für Bibliotheca Corviniana), die weltberühmte Büchersammlung des ungar. Königs Matthias Corvinus (gest. 1490), eine der größten und prachtvollsten Bibliotheken des Zeitalters der Renaissance. Das Jahr ihrer Gründung ist unbekannt, auch ist es wenig wahrscheinlich, daß sie aus der Privatbüchersammlung des Königs entstand. Schon 1471 findet man einen mit Handschriften aus Rom zurückkehrenden Wwähnt, maler des Königs, Namens Blandius, erwähnt, und um dieselbe Zeit wurde ein Teil der Bibliotheken des Primas Johannes Vitéz und des Bischofs von Fünfkirchen Janus Pannonius der C. einverleibt; der Aufschwung der C. datiert jedoch von der Vermählung des Königs Matthias mit der kunstsinnigen Beatrix von Aragonien (1476). In den letztern Jahren von Matthias' Regierung waren in Ofen stets 30 Abschreiber unter Aufsicht des gelehrten Felir aus Ragusa mit dem Kopieren, Ausbessern und Illustrieren von Handschriften beschäftigt, und in Florenz, wo sich um 1488 der Erzieher des Herzogs Johannes Corvinus, Heit au Ugoletti, im Auftrage des Königs längere Zeit aufhielt, um den Ankauf von Handschriften zu besorgen arbeiteten für die C. so viele Abschreiber, daß nach Matthias' Tode die Kurse der Handschriften um ein Beträchtliches fielen, da die zahlreichen Abschreiber in Florenz nicht mehr genügende Beschäftigung fanden. Ferner schickte Matthias seine Emissäre auch nach Griechenland und Kleinasien, um dort alles, was an Handschriften klassischer Autoren, sowie syr. und hebr. Schriftsteller zu finden war, zusammenzukausen. Auf diese Weise brachte Matthias mit einem bale Sammiung v von 33000 Dukaten eine prachtvolle Sammlung von etwa 5000 Handschriften zusammen, welche, in der ofener Festung neben der Kapelle des heil. Johannes untergebracht, als öffentliche Bibliothek unter der Aufsicht des Thadäus Ugoletti und später des Felix von Ragusa stand. Unter den Nachfolgern des Matthias, Wladislaus II. (gest. 1516) und Ludwig II. (gest. 1526), wurde die Bibliothek sehr vernachlässigt; zahlreiche wertvolle Handschriften wurden an einzelne Gelehrte verschenkt; auch hatte die C. 1526 von den Türken, 1528—30 von den Truppen Kaiser Ferdinands viel zu leiden. Unter der Regierung Johann Zäpolyas (1526—40) kamen viele Handschriften aus der C. nach Siebenbürgen, besonders in die kronstädter und karlsburger, später vom Feuer verzehrten Bibliotheken; andere wieder, hauptsächlich hebräische und chaldäische wurden durch den königl. Statthalter, den Italiener Gritti, nach Venedig geschickt. Als 1541 Sultan Suleiman sich der Festung Ofen dauernd bemächtigte, blieb ein Teil der sehr zusammengeschmolzenen, schon um 1538 sehr un-Parr An und äußerst vernachlässigten Bibliothek an ihrer alten Stelle, von wo sie erst bei der Erstürmung Ofens durch die Kaiserlichen (1686) entfernt wurde, während der andere, vielleicht kleinere Teil von Staats wegen nach Konstantinopel gebracht wurde, um dort teils in dem alten Serail aufbewahrt, teils aber verschenkt zu werden. Die letzten konstantinopeler überreste der C. kamen in den Jahren 1869 und 1877 als Geschenke des Sultans nach Ungarn zurück. Mit diesen Handschriften zusammen sind bisher in 33 Bibliotheken Europas 107 lat. Corvina-Handschriften bekannt, über deren Authenticität das auf dem Einbande oder Titelblatte angebrachte Wappen des Königs Matthias keinen Zweifel aufkommen läßt, während es von etwa 300 andern Handschriften bloß wahrscheinlich ist, daß sie einst der königl. Bibliothek zu Ofen angehört haben. Von den erstern zeichnen sich die eigens für den König verfertigten Codices weniger durch die Güte des Textes, als durch zahlreiche prachtvolle Miniaturmalereien eines Attarantes und Gherardo aus. Vgl. Fischer, KKönig Matthias Corvinus und seine Bibliothekv (Wien 1878).