FeedKorvette
GeschichteBrockhaus 1882

Korvette nannte man früher diejenigen Kriegsschiffe, welche bei Vollschifftakelage (drei Masten mit Raaen) eine Lage Geschütze auf dem Oberdeck führten und als Tirailleure und leichte Truppen der Flotten dienten. In der Neuzeit baut man auch gedeckte K., welche, wie die Fregatten, eine Lage Inlichun unter Deck, auf dem Oberdeck jedoch gewöhnlich nur eine oder zwei sehr schwere Kanonen auf Rahmenlafetten führen. Als allgemeines Kennzeichen der ungepanzerten K. gilt, daß sie nur eine umer Dea⸗ Lage der Geschütze, sei es über oder unter Deck, hat und als Vollschiff getakelt ist. Bei gepanzerten K. trifft dies jedoch nicht zu. Hier gibt man den Namen K. an Schiffe, welche wegen geringerer Dimensionen nicht die schwersten Kaliber führen können, oder auch, wenn sie mit den letztern bewaffnet sind, dann aber nur eine Lage Geschütze haben. So sind z. B. die deutschen Panzerschiffe Kaiser und Deutschland, welche in zwei Lagen übereinander in der Kasematte je vier Stück 26-Centimetergeschütze führen, Fregatten; die Hansa mit ebenfalls acht Kanonen in zwei Lagen, aber nur von 21-Centimeterkaliber, ist dagegen eine K. Durch eine am 25. Nov. 1884 ergangene kaiserl. Kabinettsordre wurden in der deutschen Marine die Namen (Gedeckte Korvetteno und «Glattdeckskorvettend in KKreuzerfregatteno und «Kreuzerkorvet-Unter dem Namen Ausfallkorvette (s. Tafel: Korvette) besitzt die deutsche Marine 1885 vier fertige und zwei im Bau begriffene Schiffe (die Namen der fertigen sind Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und sind sämtlich 840 ein Siark welche sehr schweren Panzer von 40 em Stärke führen, während unsere ältern Fregatten nur einen solchen von 21 em haben. Diese K. haben die Bestimmung, gegen einen unsere Häfen blockierenden oder in den deutschen Meeren befindlichen Feind einen plötzlichen Vorstoß zu machen, sind für diese Zwecke schwer gepanzert und bewaffnet, Peeng aber nur einen verhältnismäßig geringen Tiefgang, um in die Haupthäfen der Ostsee, Kiel, Swinemünde, Danzig und Memel, einlaufen zu können. Man hat diesen geringen Tiefgang teils durch weniger scharfe Linien, teils durch Beschränkung der Kohlenvorräte, sowie durch Fortlassung der Bemastung, mißt, sind unter C aufzusuchen. die auf Panzerschiffen Ir ½ wenig nützt, erzielt und durch den Fortfall der Takelage zugleich 150 Mann Bedienungsmannschaften erspart, sodaß die K. nur 350 Mann Besatzung, statt 500 mit Bemastung führen. Die Dimensionen der Schiffe sind: Länge 91 m, größte Breite 18,3 m, Tiefe vom Oberdeck bis Kiel 8,3m, Tiefgang 6 m. Ihr Deplacement, d. h. das Gewicht des von .1 verdrängten Wassers ist 7335 t (à 1000 kg). Die Schiffe haben Zwillingsschrauben und die beiden Maschinen, welche unabhängig voneinander arbeiten können, haben eine Kraft von 5600 indizierten Pferden, welche eine Geschwindigkeit von 12 Knoten (drei deutschen Meilen in der Stunde) ergeben. Diese ist nicht sehr groß, aber für Gefechtszwecke völlig genügend und konnte bei dem notwendigen geringen Tiefgange nicht erhöht werden. Die Bewaffnung besteht aus 6 Stück Kruppschen 26⸗-em-Ringgeschützen, welche in oben offenen Türmen stehen und über Bank feuern, wie aus Fig. L ersichtlich. Fig. 3 zeigt die Position der beiden Geschütztürme oder Kasematten, sowie die Aufstellung der Geschütze in ihnen. Die beiden vordern sind parallel, können recht nach vorn schießen aber auch, wie der um den Turm gezogene Kreis zeigt, zwei Dritteile des ganzen Horizonts bestreichen. Ebenso vermögen die beiden hintern Geschütze bis auf nur fünf Grad von der Kiellinie nach hinten, die beiden vordern in der großen Kasematte bis auf 10 Grad von der Kiellinie nach vorn zu feuern, sodaß durch diese Aufstellung ein ungemein großer bestrichener Raum geschaffen ist, womit sich der Gefechtswert der En natürlich bedeutend erhöht. Der in der hintern Kasematte stehende Mast dient nur zum Signalisieren und die von ihm abweichenden Arme (Fig. 1) sind Krane zum Ein⸗ und Aussetzen der auf Deck placierten, dicht hinter der großen Kasematte neben⸗ und ineinander stehenden fünf Boote (Fig. 3), welche jedes Schiff außer dem sechsten, am Hinterschiff aufgehängten, besitzt. Der aus Fig. 1 und 2 ersichtliche Sporn sitzt 3,5 m unter Wasser, um den Feind jedenfalls unter seine Panzerung zu treffen, ist kurz, keilförmig und so konstruiert, daß er abbrechen kann, ohne dem Schiffe dadurch Schaden zuzufügen. Um möglichst gegen Sinken gesichert zu sein, haben diese K. nicht nur einen doppelten Boden mit mehrern hundert kleinern wasserdichten Abteilungen, sondern der innere Schiffsraum ist außerdem noch von einer großen Zahl eiserner Längs⸗ und Querwände durchzogen, sodaß bei einem Leck immer nur eine der dadurch gebildeten Zellen volllaufen kann. Die Größe dieser Zellen ist so berechnet, daß selbst drei davon gefüllt sein können, ehe das Schiff sinkt, und ein System sehr kräftiger Dampfpumpen kann außerdem ganz bedeutende Wassermassen fortschaffen. Die Querwände (Schotten) gehen teils vom Kiel bis an das Oberdeck, teils nur bis zum Zwischendeck. In 9hr 2 und 4 sind wasserdichte Wände durch die Längs⸗ und Querlinien angedeutet; in Fig. 2 zeigen die Zahlen 21, 34, 51, 54, 60 und 66 die bis zum Oberdeck reichenden Schotten, während 5, 9, 13, 17, 25, 42, 57, 63 und 69 nur bis zum Zwischendeck hinaufgehen. Die in Fig. 2 und 4 punktiert erscheinenden Räumlichkeiten sind für Erhöhung der Schwimmkraft mit Kork gefüllt. Fig. 4, der Horizontalschnitt in der Konstruktionswasserlinie, und Fig. 5, der Stauungsplan, der tiefer als jener Schnitt liegt, zeigt die Verteilung der Gewichte und Räumlichkeiten im Schiffsinnern. AA ist der Raum für die Maschinen; die mit e und bezeichneten Abteilungen enthalten Kohlen,‚ 11 (Fig. 4) Kästen für Trinkwasser, hhh Ankerketten, gg Räume für verschiedene Materialien Farbe, Tauwerk u. s. w., d Brot, f Konserven, e Spiritus, a nassen Proviant, b trockenen Proviant. Fig. 5 11 Maschinistenvorräte, mm Granatkammern, un Reserveproviant, gg Räume für Material, KKMaterialienräume für den täglichen Gebrauch der Deckoffiziere (Hellegats). Fig. 6 zeigt den Horizontalabschnitt des ersten Zwischendecks, des nächsten unter dem Oberdeck. a Salon des Kommandanten, bBadekammer, Schlafzimmer, dArbeitszimmer des Kommandanten, èL Speisekammer, er Instrumentenkammer. B Offiziermesse, fl—1, n, o, Kammern für Offiziere, g Speisekammer für Offiziere. C Deckoffiziermesse (Bootsmann, Zimmermann, Maschinisten u. s. w.), m Speisekammer, h, i, k, I, p, 9, r/ s Kammern für Deckoffiziere. DD Wallgänge (leere, durch die äußere Bordwand und eine innere wasserdichte Eisenwand gebildete Räume, durch welche Vorder⸗ und Hinterschiff miteinander verbunden werden und durch die man gehen kann), un Räume für Reinigungsgeschirr, vLampenkammer, w Bottlerei (Raum für tägliche Proviantausgabe), Xx Arrestzellen, yKammer für den Stabswachtmeister Schiffspolizei). E Lazarett, 2 Schiffsapotheke. ig. 7, 8 und 9 stellen Querschnitte der Schiffe auf je ein Drittel ihrer Länge von hinten an gerechnet und der Spanten Fürmd an diesen Punkten dar. Aus ihnen geht die Form des Schiffs hinten, mittschiffs und vorn hervor. Die Ausfallkorvetten sind die stärksten Schlachtschiffe, welche die deutsche Marine besitzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 546Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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