Kosaken, in Rußland Kasaken, heißt ein in Gestalt, Sitte, Sprache und Religion den Russen sehr ähnlicher Volksstamm. Das das Wort Kasak türk.s-tatar. Ursprungs ist (les bedeutet im Türkischen einen Räuber, im Tatarischen einen freien, leichtbewaffneten Krieger) und die K. sich selbst gern mit diesem Namen benennen, so hat man daraus auf eine Abstammung oder nahe Verwandtschaft der K. mit den Tatarenhorden schließen wollen. Unzweifelhaft aber sind sie Abkömmlinge der alten susdalschen und kiewschen Russen, vermischt mit Überresten der Polowzer und anderer türk. Völkerschaften. Umgeben von feindlichen Völkern, waren sie stets darauf angewiesen, kampfbereit zu sein, und so hat sich bis auf den heutigen Tag mit dem Namen eines K. der Begriff eines stets zum Angriff gerüsteten leichtbewaffneten Kriegers verbunden. Das ganze russ. Kosakenheer zerfällt in 10 Korps mit 133½ berittenen Regimentern, 60 Fußsotnien und 212 Geschützen. Es gibt zwei Hauptstämme der K., die Malorossischen oder Kleinrussischen,‚ deren militärische Organisation von Katharina II. aufgehoben wurde, und die Donischen K. Von erstern gingen die Saporogischen Kosaken, an den Wasserfällen oder Porogi des Dnjepr, aus, die räuberischsten und zügellosesten von allen. Das Gebiet der Donischen Kosaken, deren Steppenland eine eigene Provinz und einen eigenen Militärbezirk Südrußlands bildet, nordwärts vom Asowschen Meere und von Kaukasien gelegen, auf den andern Seiten von den Gouvernements Astrachan, Saratow, Woronesch, Charkow und Jekaterinoslaw begrenzt, zählte 1880 auf 160 277 qm 1404648 E. (darunter über 20000 Kalmücken), in 110 Stanizen eingeteilt, die wieder in 8 Bezirke, nämlich in den von Aksai, den des Mius, die zwei des Don, den der Ust-Medwjediza, den des Donez, den des Choper und den Kalmückendistrikt (Kalmyakji-Okrug) zerfallen, und hat zur Hauptstadt Nowotscherkask (s. d.). In militärischer Hinsicht zerfällt das Land der Donischen K. in 4 Bezirke. Das Donische Kosakenheer wird in 48 berittene Regimenter eingeteilt (darunter 2 Leibgarde⸗ und 1 Leibgarde-Reserve-Regiment), doch sind im Frieden nur je 2 Schwadronen der Garderegimenter und 15 Regimenter des ersten Aufgebots, sowie 8 Batterien im aktiven Dienste. Von den Saporogern stammen die Tschernomorischen, jetzt Kubanischen, die Neurussischen und die Asowschen, von dem Donischen Kosakenheer die Wolgaischen oder Astrachanischen, die Terekschen, Orenburgischen, die Uralischen und die Sibirischen d. Der Sitz der Tschernomorischen K. ist Jekaterinodar am Kuban und schon im eigentlichen Steppenlande gelegen. Die Neurussischen K., bis 1856 Donau-Kosaken, haben Ländereien in Bessarabien, die Asowschen, welche jedoch 1865 eine bürgerliche Verfassung erhielten, um Asow, Nachitschewan und Rostow am Don. Die Quartiere der Terekschen K. befinden sich an der sog. Kaukasischen Linie in Jekaterinograd, Mosdok und Kisljar. Uralsk am Uralfluß und am Südgehänge des Obschtschei Syrt ist der Hauptsitz der Uralischen, Orenburg der der Orenburgischen K. Die Wolgaischen K. leben zerstreut im astrachanschen und saratowschen Gouvernement, und die Sibirischen K. haben sich weithin bis zum Irtysch und Ob, ja bis zur Lena und zum Amur hin ausgebreitet. Auch in Semirjetschensk, sowie am Amur und in Transbaikalien sind Kosakenheere angesiedelt. Der jeweilige russ. Großfürst-Thronfolger führt den Titel: Ataman aller K. (S. Ataman.) Als leichte Truppen leisten die K. die vortrefflichsten Dienste, da sie sowohl als ihre kleinen Pferde die größten Mühen und Beschwerden, Hunger und Durst, Hitze und Kälte mit der größten Ausdauer ertragen. Vgl. Lesur, Histoire des Kosaques (2 Bde., Par. 1814); Bronewskij, «Istoria Donskowa Wojska (2 Bde., Petersb. 1834); Die K. in ihrer geschichtlichen Entwickelung und gegenwärtigen Zuständen von A. von B.v (Berl. 1860); Springer, „Die K., deren histor. Entwickelung, gegenwärtige Organisation u. s. w.) (Leitmeritz 1877). Sehr eingehende Nachrichten über die Kriegs⸗ und Friedensformation der K., deren Ausbildung, Stärke und Bewaffnung enthalten von Löbells Jahresberichte über die Fortschritte und Veränderungen im Militärweseny (Berlin, seit 1874).