Krankenhaus (Hospital, Spital, Lazarett, Nosocomium; frz. Höpital, Hôtel-Dieu; engl. Hospital, Spital, Infirmary; ital. Ospedale, Spedale), ein Gebäude, in welchem Kranke, die sich in ungünstigen Wohnungs⸗ und Wartungsverhältnissen befinden, zu ihrer Heilung untergebracht werden. Die ältesten Krankenanstalten, von denen uns Kunde erhalten ist, wurden schon mehrere Jahrhunderte vor Christi Geburt von buddhistischen Herrschern in Kaschmir und Ceylon errichtet. Die Griechen und Römer kannten Krankenhäuser im modernen Sinne nicht, ihre Valetudinarien waren nur für verwundete Soldaten und für erkrankte Sklaven bestimmt. Erst das Christentum schuf eine geregelte Armen⸗ und Krankenpflege und führte die Krankenhäuser in Europa ein. Zu den ältesten christl. Humanitätsanstalten gehören die vom heil. Basilius, Bischof von Cäsarea, um 370 vor den Thoren von Cäsarea errichtete Basilias, welche aus Armenhäusern, Herbergen (Renodochien), Asylen für gefallene Mädchen und Krankenhäusern (für die Hieronymus zuerst das Wort vognohstov gebraucht!) bestehend, eine kleine Stadt für sich bildete, und das Orphanotropheum in Konstantinopel, welches von Kaiser Alexius I. (1081—1118) rings um die Paulskirche errichtet worden war und von 10000 Hilfsbedürftigen und Kranken bewohnt wurde. Während der Kreuzzüge entstanden auch die ritterlichen Krankenpflegeorden, insbesondere die Johanniter und der Deutsche Orden, welche vielerorts Krankenanstalten errichteten. Zu den ältesten Spitälern des Abendlandes zählen das Hötel-Dieu in Paris, dessen schon in einer Urkunde vom J. 829 gedacht wird, das St. Bartholomäus-Hospital in London (1102 gegründet) und das Hospital San-Spirito in Rom, welches, von Papst Innocenz III. 120 errichtet und von seinen Nachfolgern auf 1600 Bekten erweitert, den Anlaß zur weitern Gründung mißt, sind unter C aufzusuchen. kaler aaß. ähnlich ausgestatteter Heiligengeist-Spitäler gab. Während des Mittelalters wurden für die am Aussatz (s. d.) Erkrankten besondere Aussatzhäuser oder Leproserien errichtet, welche, zumeist dem heil. Georg gewidmet, ausschließlich der Isolierung und Pflege der Aussätzigen dienten und nach dem Erlöschen des Aussatzes zum größern Teil in Siechenhäuser und Pfründneranstalten, nur zum kleinern Teil in eigentliche Krankenhäuser umgewandelt wurden. Mit der zunehmenden Übervölkerung der Städte und den ausbrechenden kirchlichen und polit. Wirren erfolgte gegen den Ausgang des Mittelalters ein sichtlicher Verfall des io eroenmaf die meisten Krankenhäuser boten infolge der maßlosen Zusammenhäufung von Kranken aller Art, ihrer lich- und luftlosen Räume, ihres unerträglichen Schmutzes und ihrer übergroßen Sterblichkeit eradezu trostlose Zustände dar. Erst im vorigen ahrhundert nahm das Krankenhauswesen einen neuen Aufschwung: allenthalben wurden durch aufgeklärte, die philanthropischen Bestrebungen ihrer Zeit unterstützende Regenten große musterhafte Krankenanstalten errichtet, so 1710 die Charité in Berlin durch Friedrich l., das Friedrichshospital in Kopenhagen durch Friedrich V., 1784 das Allgemeine Krankenhaus in Wien durch Kaiser Joseph II., 1788 der Neubau des teilweise abgebrannten Hötel-Dieu in Paris u. a. In der Neuzeit wird auf die Anlage und Einrichtung der Krankenhäuser überall große Sorgfalt verwendet, und selbst kleinere Städte verwenden auf die Erlangung eines gut eingerichteten K. bedeutende Summen. Sowohl die allgemeinen Krankenhäuser, in welchen Kranke aller Art aufgenommen werden, als auch die für spezielle Krankheitsformen dienenden Hospitäler (Irren⸗, Siechen⸗, Entbindungshäuser, Kinderspitäler u. dgl.) sollen bep Dontt der Lage, der Größe und Konstruktion, der Ventilation und Heizung, des Mobiliars, der Beköstigung, der Apparate und Instrumente, sowie hinsichtlich der Arzte, des Wärter⸗ und Beamtenpersonals alle Erfordernisse zur Genesung der Patienten darbieten. Sie sollen vor allen Dingen eine freie Lage haben, von großen Städten womöglich eine Strecke entfernt stehen, doch so, daß sie leicht zu erreichen sind, und auf einer möglichst erhöhten, nicht von Wald umgebenen Stelle erbaut werden, damit sie frei den Winden ausgesetzt sind und immer eine reine und frische Luft haben; jedoch dürfen die herrschenden Winde nicht von der Stadt herkommen und die schädlichen Ausdünstungen der letztern nicht in das Bereich des Hospitals tragen. Als weitere Anforderungen an das Bauareal eines K. sind ein trockener Untergrund, ein möglichst tiefer Stand des Grundwasserspiegels und die leichte Beschaffung einer hinreichenden Menge guten reinen Wassers zu bezeichnen; die Umgebung des Hauses bestehe in einem hinlänglich großen Garten und angenehmen Spaziergängen und sei gegen die Außenwelt durch eine Mauer begrenzt. Hinsichtlich der Bauart der Hospitäler lassen sich zwei gänzlich voneinander abweichende Systeme unterscheiden, deren eins, das sog. Einheits- oder Korridorsystem, auf dem Prinzip der Centralisation beruht, während das andere, das System der isolierten Pavillons oder Blöcke oder Baracken, nach dem Prinzip der örtlichen Decentralisation verfährt. Das Einheits- oder Korridorsystem, nach welchem alle ältern Krankenhäuser erbaut sind, besteht in der Hauptsache aus einem ugroßen massiven geschlossenen, zwei oder drei Stockrüwerke hohen, oft mit flügelartigen Anbauten verbundenem Massenbau, in welchem Krankensäle, Dache vereinigt sind, und in welchem ein großer, langer Korridor (daher der Name Korridorsystem). längs der Mitte oder längs der einen Fensterreihe eines jeden Stockwerks verläuft, von dem aus man Jin die einzelnen Krankenzimmer und Krankensäle gelangt. So große Vorteile auch die einheitliche Bauart dieses Systems Rlänteit für die Verwaltung, für die zweckmäßige Einteilung der Krankenräume, der Wärterzimmer u. dgl. darbietet, so hat „sie doch unvermeidlich eine Reihe schwer wiegender Übelstände zur Folge, welche dem Hauptzweck eines tjeden K., der Erzielung günstiger Heilerfolge, mehr oder weniger hinderlich entgegenstehen. Schon die Anhäufung so vieler Kranker unter Einem Dache muß notwendig eine beträchtliche Luftverderbnis zur Folge haben; dazu kommt, daß der Dampf und Brodel der Küche und Waschräume sich leicht den Korridoren und durch diese den Krankenräumen mitteilt, daß eine rationelle Lüftung nur schwierig zu bewerkstelligen ist, daß das Licht gewöhnlich nur beschränkten Zutritt zu den Krankensälen besitzt und daß es bei der übermäßigen Anhäufung von Kranken nur zu leicht zur Entwickelung und Weiterverbreitung von Kontagien und Miasmen, insbesondere von Hospitalfiebern, Hospitalbrand und Pyämie kommt. Aus diesem Grunde pflegt man neuerdings bei Neubauten von Krankenhäusern mit dem Korridorsystem vollständig zu brechen und nach den Grundsätzen der örtlichen Decentralisation die