Kreosot heißt eine vom Freiherrn von Reichenbach in Blansko in Mähren zuerst 1832 aus Buchen holzteer dargestellte Substanz. Nach H. Hlasiwetz findet es sich auch unter den Destillationsprodukten des Guajakharzes. Reines K. ist volllommen farblos, stark lichtbrechend, riecht eigentümlich und durchdringend und schmeckt brennend aromatisch; an der Luft und am Lichte färbt es sich etwas. Es siedet bei 2197 C., löst sich in 120 Teilen Wasser und mischt sich mit Ather, Alkohol, Eisessig und alkalischen Laugen. K. vermag die Fleischfaser eigentümlich zu verändern und vor Fäulnis zu schützen (daher sein Name vom grch. K56e, Fleisch, und 5er, er-I halten). Seine Anwesenheit im Holzrauche, sowie in der durch trockene Destillation des Holzes erhaltenen Flüssigkeit (Holzessig, Teerwasser) ist auch der Grund, weshalb sowohl durch das Räuchern als durch das Bestreichen mit Holzessig (Schnellräucherung) Fleisch konserviert werden kann. Lange Zeit hat man eine andere Substanz, die von Runge und Laurent zuerst dargestellte Carbolsäure (s. d.), mit dem Reichenbachschen K. verwechselt und sogar unter dem Namen K. einen fast reinen Phenylalkohol in den Handel gebracht. Der Phenylalkohol verhält sich zur Fleischfaser ähnlich wie K., unterscheidet sich aber von ihm durch seine chem. Zusammensetzung sowie durch seine sonstigen Eigenschaften, besonders auch dadurch, daß er schon bei 188 C., also viel leichter als K. siedet und daß seine wässerige Lösung mit Eisenchlorid eine violette Färbung gibt. Das echte K., so wie es in den 0100 Fabriken dargestellt wird, ist nach der Untersuchung von Sanboe ein Gemenge von gleichen Teilen einer der Carbolsäure ähnlichen und mit ihr homologen Säure, der Kresylsäure oder dem Kresol (s. d.), bei 203“ C. siedend, und einem neutralen Körper, dem bei 200 siedenden Gua jacol, welches letztere eine Atherart ist, nämlich der saure Methyläther des Brenzeatechins oder der Oryphensäure. Aus dem Guajacol hat man in neuerer Zeit Vanillin dargestellt und das Kresol in der Farbenfabrikation zur Herstellung schöner gelber Farben verwendet. Das bei der Destillation der Braunkohle und des Torfs behufs der Fabrikation von Paraffin und Solaröl in großer Menge sich bildende Braunkohlenkreosot, welches jedoch im wesentlichen aus Carbolsäure besteht, wird zum Desinfizieren, zum Imprägnieren (Kreosotieren) von Eisenbahnschwellen und Grubenhölzern u. s. w. verwendet. Auch wird das Braunkohlenkreosot mit Erfolg auf Leuchtgas (Kreosotgas) verarbeitet.