Kreta, eine der größten griech. Inseln des östl. Mittelmeers, 8618 am groß, von den Italiern Candia, neugriech. Kriti, türk. Kirid genannt, wird von O. nach W. von einem Gebirge durchzogen, das nördlich und südlich sich ausbreitet. Seinen Mittelpunkt bildet der kegelförmig sich erhebende Ida (ietzt Psiloviti); im westl. Teile finden sich die sog. Weißen Berge (jetzt Sphakiagebirge), im östlichen das Diktegebirge (jetzt Lassithi). Die Insel mit ihren mächtigen Gebirgen, ihren schönen Thälern und Niederungen, welche von den größtenteils auf dem Ida entspringenden Flüssen befruchtet werden, war berühmt durch ihre üppigen Waldungen (besonders Cypressen, daneben Cedern, Eichen u. s. w.), durch überfluß an Wein, Weizen und Oliven, so- wie durch eine Menge von Arzneipflanzen. Hier, wo phöniz. und griech. Elemente und die Kulte beider Völker sich vermischten, war ein fruchtbarer Boden für mancherlei Sagen, wie die von Zeus' Geburt und Erziehung auf dem Ida, von der Entführung der Europa, die von Zeus hierher gebracht sein sollte, der Liebe der Ariadne zu Theseus und vom Minotaurus und seiner Tötung in dem auf Befehl des Minos von Dädalos erbauten Labyrinth. Die älteste Bevölkerung der Insel (später zum Unterschied von den Eingewanderten Cteokretes, d. h. wirkliche Kreter, genannt), scheint karischen Stammes gewesen zu sein. Seit etwa 1300 v. Chr. wurde K. von den Phönikern kolonisiert und hier viele Handelsplätze errichtet; daher alter überlieferung zufolge die Insel unter Minos die Seeherrschaft im Mittelmeere gehabt haben soll. Auch griech. Stämme haben sich frühzeitig auf K. niedergelassen, zuerst im 10. Jahrh. v. Chr. Achäer, die aus dem Peloponnes auswanderten. Von besonderer Bedeutung war für die Insel die Einwanderung der Dorier im 10. Jahrh., welche die ältern Bewohner unterwarfen und eine eigene Staatsverfassung gründeten, die in Hinsicht der Erziehung wie des öffentlichen und sozialen Lebens mit den dor. Einrichtungen Spartas viele Ahnlichkeit hatte. Einen Gesamtstaat hat die Insel seit ihrer Dorisierung nicht gebildet, sondern etwa 20 voneinander unabhängige Staaten (je eine größeres Stadtgebiet, zu dem mehrere kleinere im Verhältnis der Unterthänigkeit standen), die sich vielfach untereinander befehdeten und nur sehr selten mißt, sind unter C aufzusuchen, zum gemeinsamen Handeln gegen außen vereinigten. Daher spielt K. nur eine sehr untergeordnete Rolle in der alten Geschichte, und die Kreter nahmen an den Kriegen der alten Welt fast nur als Söldlingelnamentlich als Bogenschützen und Schleuderer) teil. An der Spitze jedes Staats stand ein Kollegium von 10 Kosmen, die jährlich aus bestimmten Geschlechtern 65 Gurn wurden, daneben der Rat der Alten (kretisch Gerontia oder Bola). Die bedeutendsten unter diesen Städten waren Knossos, Gortyn, Eleutherna, Lyktos und Hierapytna. Der Charakter der Bevölkerung K.s wird von den Alten sehr ungünstig geschildert. Treulosigkeit, Lügenhaftigkeit und Habsucht hatten bei ihnen zur Zeit des Polybios in erschreckendem Maße überhand genommen, und die Insel und ihre Bewohner waren durch ihre Räubereien zu Lande und noch mehr zur See übel berüchtigt. Ihre Beteiligung an dem Mithridatischen und dem Seeräuberkriege gab endlich den Römern Veranlassung, die Insel 68—66 v. 4 durch Quintus Cäcilius Metellus, der daher den Beinamen Creticus erhielt, zu erobern. Seit 59 v. Chr. Provinz, wurde K. 27 v. Chr. durch Augustus mit Cyrenaica zu Einer Provinz vereinigt und seit der dioeletianisch-konstantinischen Neugestaltung des Römischen Reichs durch einen eigenen Statthalter verwaltet. Über die spätern Schicksale und den jetzigen Zustand der Insel s. Candia. Vgl. Sieber, Reise nach der Insel K.v (2 Bde., Lpz. 1822); Höck, K., ein Versuch zur Aufhellung der Mythologie und Geschichte, der Religion und Verfassung dieser Inseln (3 Bde., Gött. 1823—29); Kurmusis, Koνι+ναα (Athen 1842); T. A. B. Spratt, «Travels and reésearches in Crete (2 Bde., Lond. 1865).