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ReligionBrockhaus 1882

Krippen oder Säuglingsbewahranstalten kfrz. Créches), so genannt zum Andenken an die K., in welcher das Christuskind schlief, nennt man die Anstalten, welche für die Säuglinge und kleinern Kinder der arbeitenden Klasse (bis zum zweiten Lebensjahre) bestimmt sind, um diesen für die Zeit, wo die Mütter das tägliche Brot erwerben müssen, ein gesundes Unterkommen und mütterliche Pflege zu verschaffen. Die erste Anstalt dieser Art rief Marbeau, Mitglied eines Komitee für Kinderbewahranstalten, in Paris 1844 ins Leben. Schon 1851 befanden sich im Depart. Seine 24 K., von denen allein auf Paris 18 kamen; diese hatten bis dahin den davon Gebrauch machenden Eltern 800000 Arbeitstage eingebracht, ungerechnet die Schulversäumnisse, welche dadurch den ältern, zur Kinderpflege so oft verwendeten Geschwistern erspart wurden. Bald folgten andere Städte dem Beispiele von Paris, zumal da die franz. Regierung und einzelne Gemeinden Einrichtungen dieser Art unterstützten. In Deutschland war es Wien, welches 1849 zuerst die berühmt gewordene K. zu Breitenfeld ins Leben rief, der bald andere nachfolgten. In Dresden wurde 1851 eine K. in Verbindung mit einer Bewahranstalt eröffnet. Gegenwärtig haben fast die meisten großen Städte Säuglingsbewahranstalten aufzuweisen. Als deutsche Musteranstalt gilt die K. der mechan. Weberei zu Linden bei Hannover. Gewöhnlich sind wohlthätige Vereine die Stifter und hochgestellte Personen die Beschützer dieser Institute, deren Einrichtung fast überall dieselbe ist. Die Anstalt bleibt nur des Sonntags geschlossen. Am Morgen jeden Wochentags übergibt die Mutter ihr Kind der Anstalt und holt es abends wieder ab. Dafür hat sie entweder gar keine Entschädigung zu leisten oder höchstens einen kleinen Beitrag, in Paris täglich 6—12 Sous, in London 3 Pence, in Dresden 10 Pfennige, in Wien 3 Kr. Das Kind wird in der Anstalt gepflegt, beschäftigt, beköstigt, gebadet, oft auch sogar besonders gekleidet. Kranke Kinder bleiben natürlich ausgeschlossen. Durch die K. wird nicht nur der arbeitsamen und wirklich unterstützungswürdigen Volksklasse eine sehr große Erleichterung, Zeit⸗ und Geldersparnis bereitet, sondern es werden auch die Kinder selbst vor Verwahrlosung, Unreinlichkeit und Verkrüppelung, Unglücksfällen aller Art, die ihnen in den Händen unverständiger Pfleger zustoßen können, am sichersten bewahrt. Vgl. außer den franz. Schriften von Marbeau und d'Escodea: Helm, «Einige Worte über K.v (Wien 1851); derselbe, Die K. in Breitenfeld zu Wien » (Ipz. 1851); John de Liefde, «Six months among the charities of Europe (1865). Eine periodisch erscheinende Publikation, worin der neueste Stand des Krippenwesens betrachtet wird, ist das pariser

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 620Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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