Kristiania oder Christiania, Hauptstadt des Königreichs Norwegen und des Stifts K., liegt an der innersten, nördlichsten Bucht des 97,5 EKm langen, sich vom Skager-Rack von S. nach N. landeinwärts erstreckenden, von fruchtbaren und wohlangebauten Landschaften umkränzten Kristianiafjords, am Fuße des Egebergs, der eine prächtige Umsicht gestattet. Die Stadt ist die Residenz des Königs, sobald dieser sich in Norwegen aufhält, der Sitz des Storthings, der höchsten Behörden des Staats und des Stifts, sowie des Bischofs über letzteres, und zählte 1865 erst 57328 E., Ende 1882 aber 122424 E. Außer den Vorstädten besteht K. aus der eigentlichen Stadt, welche Christian IV. nach dem Brande des alten, 1058 angelegten Opslo 1624 in einem Quadrat aufführen ließ, aus der östlich gelegenen Altstadt oder Opslo (Oslo), in welcher der Bischof wohnt, und aus der ehemaligen Festung Akershus (s. d.). Einige der Vorstädte, z. B. der Homanns-byn, sind außerordentlich schön, mit prächtigen Villen und Gartenanlagen. Die breiten und schnurgeraden Straßen durchschneiden sich rechtwinkelig, sind mit zwei Stock hohen, zum Teil steinernen Häusern eingefaßt. Durch eine 1858—61 angelegte Wasserleitung wird die Stadt mit gutem Trinkwasser versorgt. Unter den Gebäuden zeichnen sich, außer der 1858 vollendeten Dreifaltigkeitskirche und der Kirche unsers Erlösers, aus: das königl. Schloß. vor welchem die 1875 errichtete Reiterstatue Karl 30hauns, ein Werk des Bildhauers Bergslien, nißt, sind unter C aufzusuchen. steht, die Bank und Börse, das Gebäude des Storthing, das neue Stadthaus, der Regierungspalast, die Kriegsschule, das neue Gefängnis, die Freimaurerloge, das Schauspielhaus u. s. w. Dazu kommen die Gebäude der 2. Sept. 1811 gestifteten, 1813 eröffneten und 20. Juli 1824 erneuerten Universität (Fredericia), an welcher in fünf Fakultäten (die philosophische ist in zwei geteilt) außer mehrern Universitätsstipendiaten 43 ord. und 10 außerord. Professoren lehren. Die Zahl der Studierenden beträgt (1882) 870. Die Universität besitzt mehrere wissenschaftliche Sammlungen, eine Bibliothek von 235000 Bänden und 1100 Handschriften, einen botan. Garten und eine 1833 eröffnete Sternwarte bei der Stadt (59˙ 54 43,7“ nördl. Br. und 10² 43 28“ östl. L. von Greenwich). Sonst finden sich zu K. von höhern Bildungsanstalten noch eine Kunst⸗ und Zeichenschule, mit welcher die Nationalgalerie in Verbindung steht, eine militärische Hochchule, die Kriegsschule, ein Gymnasium und eine Navigationsschule. Unter den wissenschaftlichen und gemeinnützigen Vereinen sind die Königliche Gesellschaft für Norwegens Wohl, die Gesellschaft für Norwegens Altertumskunde, der Kunstverein hervorzuheben. Die Fabrikthätigkeit K.s ist nicht Uunbedeutend. An industriellen Anlagen gab es (1880) 222 mit 7425 Arbeitern, worunter 14 mechan. Werkstätten, 4 Webereien, 2 Spinnereien, 16 Tabaksfabriken, 9 Brauereien, 8 Ziegeleien u. s. w. Viel bedeutender ist der Handel. Die Einfuhr betrug (1882) 81 656 000, die Ausfuhr 28 184000 Mark; Hauptgegenstände der Einfuhr sind Roggen, Kaffee, wollene Gewebe, Zucker, Baumwolle, Schiffe, Steinkohlen, Fleisch, Speck und Maschinen. Hauptartikel der Ausfuhr sind vor allem Holz, dann Heringe, Hafer, Bier, Eis und Olkuchen. Im J. 1882 kamen 1922 Schiffe mit 568939 t an und 1346 mit 447500 t gingen ab. Die Stadt besaß an eigenen Schiffen 327 mit 111650 t. Dampfschiffe fahren nicht nur nach allen Küstenplätzen des Fiords, sondern auch nach allen Häfen Norwegens bis zum Nordkap und nach Gothenburg, Kopenhagen, Lübeck, Hamburg, Amsterdam, Antwerpen, Havre, London und Hull. Wenn der geräumige und sichere Hafen von K. zugefroren ist, legen die Schiffe bei der 37 Em entfernten Stadt Dröbak an, deren Hafen sich nur sehr selten mit Eis bedeckt. Eisenbahnen führen von K. nach Drammen und andern Städten an dem westl. Ufer des Kristianiafjords, nach Eidsvold-Hamar-Drontheim und über Kongsvinger und Frederilstad nach Schweden. Die Umgegend der Stadt ist sehr schön; die schönste Promenade befindet sich auf Ladegardsö mit der königl. Villa Oskarshal. „Das Stift Kristiania ist 26118 gkm groß, zählt (1875) 489915 E. und umfaßt die Amter Akershus, Smalenene, Buskerud und Jarlsberg-Laurvik. Die Stadt K. liegt zwar im Bereich des Amtes Akershus, ist aber administrativ selbständig.