Kopenhagen (dän. Kisbenhavn), die Hauptstadt des Königreichs Dänemark, auf den Inseln Seeland und Amager, am Sund, der hier 30 km breit ist, und an einem schmalen Seearme, der die Insel Seeland von der Insel Amager trennt und den schönen, an 5000 Schiffe fassenden, auch zur Station der Kriegsflotte dienenden Hafen bildet. Die Stadt, auf flachem, ebenem Boden gelegen, doch geschützt vor überflutungen, zerfällt in sieben Teile: die Altstadt, die nach dem Brande von 1795 schöner als zuvor wieder aufgebaut wurde; die Friedrichsstadt, der schönste Stadtteil; Christianshafen auf der Insel Amager; das Festungsterrain, der auf den niedergelegten Festungswerken erbaute Stadtteil, und die ehemaligen Vorstädte Westerbro, Nörrebro und Österbro. Man zählt (1880) 6118 Häuser, darunter etwa 200 öffentliche Gebäude, 23 luth. Kirchen mitgerechnet. Die Stadt zählt (1880) 234850 E., darunter nur 1156 Katholiken, 427 Reformierte, 3030 Juden, 178 Mormonen, 236 Baptisten, 360 Irvingianer, 408 ohne Religion. Auf Amager und an einzelnen andern Seiten ist K. noch mit Festungswerken umgeben und hat auf Seeland noch eine Citadelle (Friedrichshafen), deren Wälle angenehme Spaziergänge bilden. Seewärts ist K. mit drei Seeforts verteidigt, die den engen Einlauf zum Hafen beherrschen. Unter den Straßen ist die Osterstraße die belebteste, die Amalienstraße und die Bredstraße die schönsten. Kongens Nytorv (der Neue Königsmarkt), obgleich unregelnäßig, doch der größte und schönste Platz, liegt im Mittelpunkte der Stadt und ist durch die bleierne Statue Christians V. geschmückt. Vor dem königl. Theater sind die Statuen der Dichter Holberg und Ohlenschläger, in deren Nähe die der Seehelden Juel und Tordenskjold. Auf dem achteckigen Friedrichsplatz steht die schöne Reiterstatue Friedrichs V. Auf dem Festungsterrain sind zwei große Parke, in dem einen die schöne Statue Orsteds, des Erfinders des Elektromagnetismus. Bei dem Observatorium ist die Statue Tycho Brahes. Die Frauenlirche, im Innern durch eine Reihe von Bildwerken von Thorwaldsen geschmückt, ist die Metropolitankirche des ganzen Reichs. Die Trinitatiskirche zeichnet sich durch ihren Turm aus, ebenso die Kirche Unsers Erlösers. In neuester Zeit sind mehrere neue Kirchen erbaut, unter denen die schöne Marmorkirche, mit einer großen kupfernen Kuppel. Ein hübsches Gebäude ist auch die Kapelle der Katholiken und die der russ. Gesandtschaft. Das königl. Residenzschloß, die Christiansburg, eins der ansehnlichsten in Europa, nach dem Brande von 1794 durch Baudirektor Hansen im ital.⸗franz. Stil aufgeführt, hat an der Kontrefacade am Schloßplatz, wo die Reiterstatue Friedrichs VII. aufgestellt ist, eine Länge von 110 m und ein schönes, von Thorwaldsen mit Statuen und Reliefs geschmücktes Portal. Es wurde aber 3. Okt. 1884 von Feuersbrunst wieder verzehrt und nur die Mauern blieben stehen. Im Innern des Schlosses war Thorwaldsens berühmtes Basrelief, Alexanders Einzug in Babylon. Die Amalienburg besteht aus vier im franz. Stil der Zeit Ludwigs XV. gehaltenen Palästen, welche zusammen einen achteckigen Platz bilden. Zwei andere Schlösser sind noch die Rosenburg, die mit ihrer halb got., halb engl.⸗ital. Architektur 1610—25 erbaut ist, histor. Sammlungen enthält und im Schloßgarten (Königsgarten) mit der Statue des Dichters Andersen einen hübschen öffentlichen Spaziergang besitzt, und die Charlottenburg, welche der Akademie der schönen Künste eingeräumt ist. Andere sehenswerte Gebäude sind das Universitätsgebäude nebst dem neuen Bibliotheksgebäude und das zoolog. Museum (erbaut 1869 70), die Synagoge, das Rat⸗ und Gerichtshaus nebst dem damit verbundenen Stadtgefängnis (von Hansen erbaut), die Börse aus der Zeit Christians IV. in nicht ganz reinem got. Stil, der Nikolaiwachtturm, Rest der 1795 abgebrannten Nikolaikirche, seit 1846 durch den Architekten Hagemann mit zum größten Teil gußeisernen geschmackvollen Fleisch⸗ und Gemüsehallen umgeben; das Zeughaus u. s. w. In den neuen Teilen der Stadt sind viele ansehnliche Gebäude, z. B. Hötel National, Dagmartheater, das Panorama, Panopticum u. s. w. Als Mittelpunkt des Königreichs haben zu K. alle höhern Regierungsbehörden ihren Sitz; auch befinden sich hier die höchsten Institute für Wissenschaft und Kunst. An der Spitze der Lehranstalten steht die Universität, die von Christian I. 1478 gestiftet wurde; die jetzt geltende Fundation datiert von 1788. Zur Universität gehören die chirurg. Akademie, ein astron. Observatorium, ein botan. Garten (auf den rasierten Festungswerken angelegt) nebst botan. Forstgarten (zu Charlottenlund). Die Universitätsbibliothek, in einem neuen, schönen, mit der Universität in Verbindung stehenden Gebäude, zählt über 270000 Bände und 4000 Handschriften, darunter eine reiche Sammlung altpers. und ind. Manuskripte, sowie die Arne-Magnäanische Sammlung altnord. Handschriften (2000). Das neue, großartige zoolog. Museum steht unter der Leitung Steenstrups. Mit der Universität in enger Verbindung steht die Polytechnische Lehranstalt, welche 1829 gestiftet wurde und mit Einschluß des Direktors 18 Lehrer, zum Teil Professoren an der Universität, zählt. Außerdem sind von höhern Lehranstalten zu nennen: die Veterinärschule, gestiftet 1773 von Abildgaard, 1776 vom Staate übernommen und später mit einer Landwirtschaftlichen Hochschule in einem neuen Gebäude in der Nähe K.s vereinigt; die Militärschule, auf dem Schloß Friedrichsberg in der Nähe Kis eingerichtet; die Seeoffizierschule, 1869 eingerichtet, und die Metropolitanschule; die Kunstakademie, welche 1754 begründet und 1814 neu fundiert wurde. Die Stadt K. ist das Centrum der dän., überhaupt der nordischen Wissenschaftlichkeit und Kunst, Sitz vieler Gesellschaften und Vereine, die auf jenen Gebieten zum Teil mit großem Erfolge wirken. An der Spitze derselben stehen die dän. Gesellschaft der Wissenschaften, 1742 gegründet, und die Königliche Gesellschaft für nordische Altertumskunde; letztere wurde 1825 gegründet und hat durch die Bemühungen ihrer gelehrten und thätigen Mitglieder Thomsen, Rafn, Finn-Magnusen, Petersen und Worsaae eine besonders großartige Wirksamkeit entfaltet. Seit 1826 wirkt ferner ein Kunstverein mit Erfolg. Dem Musikverein schließen sich die Musikgesellschaften mißt, sind unter C aufzusuchen. 93* Euterpe nebst vielen Gesangvereinen an. Unter den Sammlungen für Wissenschaft steht die königl. Bibliothek, eine der größten Europas, obenan. Dieselbe wurde von Friedrich III. gegründet, zählt gegen 500000 Bände und umfaßt eine Handschriftensammlung von 20000 Nummern, darunter die Rasksche Sammlung von Sanskrit⸗, Pali⸗ und Singalesischen Manuskripten. In seiner Art einzig ist das Museum der nordischen Altertümer, welches, 1807 begonnen, mit dem 1843 angelegten Kabinett für amerik. Altertümer verbunden ward; das letzte ist nun das geschmackvoll und lehrreich aufgestellte inhaltsreiche ethnogr. Museum. Außerdem sind hervorzuheben: die königl. Münz⸗ und Medaillensammlung, die königl. Antikensammlung, die Kupferstichsammlung mit mehr als 80000 Blättern (alle im sog. Prinzenpalais), die Waffensammlung des Arsenals! u. s. w. Die anziehendste aller Sammlungen der dän. Hauptstadt bildet das 1848 eröffnete Thorwaldsensche Museum. Das Gebäude dafür wurde seit 1839 in einem halb ägypt., halb griech. Stile nach dem Plane des Architekten Bindesböll erbaut und bildet ein Viereck von 70m Länge, 40m Breite und15m Höhe. Außer den 648 eigenen Werken Thorwaldsens umschließt dasselbe auch dessen Samm⸗( lungen an Altertümern und Kunstsachen, die der große Künstler dem Staatevermachte. Außerdem sind von Kunstsammlungen noch beachtenswert: die Gemäldegalerie, bis zum Brande 1884, aus welchem sie doch ganz errettet wurde, im Schlosse Christiansburg, welche die niederländ. Schule bedeutend vertritt, auch eine eigene Abteilung für Gemälde dän.“ Künstler hat; die Moltkesche Gemäldesammlung, die 156 namentlich der niederländ. und deutschen Schule angehörige Bilder zählt. Das 1872—74 nach dem Entwurf von Pr. Dahlerup und Ove Petersen aufgeführte königl. Schauspielhaus ist vorzugsweise der nationalen dramatischen Kunst gewidmet. Außerdem gibt es noch Volkstheater im Casino, in der Norderstraße und dem Bahnhof gegenüber. Ein stark besuchter Vergnügungsort ist das 1843 eröffnete Tivoli vor dem ehemaligen Westerthore. Unter den Anstalten für die öffentliche Wohlfahrt sind zu nennen: das großartige, mit 800 Betten versehene Kommunalhospital, das Epidemiehospital, das Sresundshospital; ferner das Friedrichshospital, das allgemeine Hospital, das Gebär- und Findelhaus, das Taubstummen- und das e von Kopenhagen. Blindeninstitut, sowie Wartow und das sog. Krankenheim für unbemittelte Kranke der höhern Stände. Wie überhaupt das Fabrik⸗ und Manufakturwesen in Dänemark auf keiner sehr hohen Stufe steht, so hat insbesondere auch K., trotz des sonst lebhaften Gewerbfleißes, nur einige wenige größere Etablissements aufzuweisen. Dahin gehören die Königliche und die Bing-Gröndahlsche Porzellanfabrik, mehrere Maschinenfabriken, einzelne Fabriken für Papier, chem. Produkte, Uhren und Chronometer, verschiedene Eisen⸗, Metall⸗ und Bronzegießereien, vier große Bayrischbierbrauereien u. s. w. Von ziemlicher Bedeutung ist der Schiffbau. Dagegen ist K. der Mittelpunkt des gesamten dän. See⸗ und Landhandels, zu dessen Beförderung die Nationalbank, Landschaftsbank, fünf Seeassekuranzßt, sind unter C aufzusuchen. Gesellschaften u. s. w. beitragen. Eisenbahnen führen nach Helsingör, Klampenborg (Tiergarten), Frederikssund, Kallundborg, Korsör und Vordingborg, Telegraphenleitungen nach allen Teilen des Königreichs wie nach dem Auslande, auch hat hier die Direktion der großen Nordischen Telegraphengesellschaft ihren Sitz. Regelmäßige Dampfschiffahrtsverbindungen bestehen mit Kiel, Lübeck, Stettin, Norwegen, Schweden, England, Frankreich und Neuyork. Die Stadt selbst besitzt (1883) 457 Schiffe von zusammen 94 130 Registertons, darunter 157 Dampfer. Das Gesamtgewicht der Einfuhr berechnete sich 1880 auf 17648 853 Ctr., das der Ausfuhr auf 4694625 Ctr., also auf mehr als die Hälfte der Ein⸗ und Ausfuhr des ganzen Staats. Im Hafen klarierten (1880) 32929 Schiffe mit 1234505 t Last. Durch die ganze Stadt führen Pferdebahnen. — Um die Mitte des 12. Jahrh. war K. noch ein unansehnliches Dorf, wo aber zu gewissen Zeiten des Jahres am Ufer Markt gehalten ward; daraus entstand der Name Kjöbenhavn, Hafen der Kaufleuted. Im J. 1167 erbaute der Bischof Absalon ein festes Schloß auf einer Insel in dem Hafen und verwandelte das Dorf in eine Stadt mit Festungswerken. Absalon vermachte die Burg, Dorf und Umgegend dem Bischofstuhle von Roeskilde. Die Stadt erhielt 1254 die ersten Privilegien; 1416 wurde sie in eine königl. Stadt verwandelt und ist seitdem königl. Residenz. Von den Hanseaten ward K. seit 1428 mehrmals angegriffen, im 17. Jahrh. von den Schweden belagert und bombardiert. Große Brände trafen die Stadt 1728 und 1795. Am 2. April 1801 fiel auf der Reede die große Seeschlacht vor, in der die Dänen sehr ruhmvoll gegen die Engländer unter Nelson kämpften. Die Engländer bombardierten die Stadt vom 2. bis 5. Sept. 1807, wodurch 300 Häuser und Gebäude, darunter die schöne Frauenkirche, in Asche gelegt, viele Häuser beschädigt und unbewohnbar gemacht wurden und viele hundert Menschen getötet oder verwundet wurden. Die Umgebungen K.s sind zum Teil sehr schön. In der Nähe befinden sich die königl. Lustschlösser Kronborg, Fredensborg, Frederiksborg (bis zum Brande von 1859 die gewöhnliche Sommerresidenz Friedrichs VII.),Jägerspriis und Bernstorff. In letzterm Schlosse pflegt König Christian IX. abwechselnd mit Fredensborg seinen Sommeraufenthalt 6 nehmen. Dicht neben der Stadt K. breitet sich im Westen Frederiksberg aus mit (1880) 26510 E., zwei Kirchen und einem Schloß, auf einer Anhöhe, um11 von einem hübschen Lustgarten. Eine andere orstadt ist Sundby auf Amager mit 9924 E. Vgl. Jonas, 4K. und Umgebungen » (9. Aufl., Berl. 1883); Salmonsen, «K. und Umgegend v (3. Aufl., Berl. 1883); Seelig-Ohmann, K., Führer durch Dänemark, nebst Touren durch Schweden und Norwegeno (3. Aufl., Hamb. 1884).