FeedKritik
Recht & StaatBrockhaus 1882

Kritik (grch.) heißt zunächst die Beurteilung und Prüfung eines Gegenstandes, besonders wenn sie gründlich und ausgeführt ist; dann die Fähigkeit oder Kunst der Beurteilung gewisser Gegenstände, und endlich die Wissenschaft für die Beurteilung derselben oder die wissenschaftliche Darstellung der aus der Natur eines Gegenstandes bepnteitt wer-Regeln, nach welchen seine Lunla beurteilt werden kann. Kant und seine Schu e gaben dem Namen der philosophischen Kritik eine bis dahin ungewöhnliche Bedeutung dadurch, daß sie ihn auf die Prüfung des Erkenntnisvermögens oder auf die Untersuchung dessen, was dem Menschen überhaupt zu erkennen möglich sei, bezogen, und unterschieden in der Philosophie eine kritische Methode oder den Kritizismus (s. d.) von der dogmatischen und von der skeptischen. Die it au che Kritik bezieht sich auf die Wirklichkeit äußerer Thatsachen und ihre durch Erfahrung erkennbare Beschaffenheit und hat es mit der Untersuchung der Echtheit oder Authenticität gewisser, besonders schriftlicher Zeugnisse zu thun. Mit ihr steht in genauer Verbindung die philologische Kritik, die Prüfung der schriftlichen Denkmäler, vorzüglich des Altertums, welche die doppelte Aufgabe hat, entweder die Echtheit ganzer Werke in Beziehung auf einen genannten Verfasser zu untersuchen, oder die Richtigkeit einzelner Wörter und ihrer Verbindung zu einem Satze festzustellen, in welcher sicht sie auch, wenn das absichtlich oder durch Irrtum Verdorbene durch bloße Konjektur (s. d.) wiederherzustellen ist, Konjekturalkritik genannt wird. Ersteres nennt man die 20. aef letzteres die niedere Kritik. Die höhere K. geht bei der Untersuchung der Echtheit einer Schrift entweder von äußern Umständen, von Zeugnissen anderer u. s. w., oder von innern und wesentlichen Beziehungen, d. h. von Inhalt, Geist, Sprache und Stil der Schrift selbst aus. Im erstern Falle heißt sie äußere oder diplomatische, im letztern innere Kritik. Diese philologische K., welche in Verbindung mit der Auslegungskunst oder Interpretation einen Bestandteil der höhern Philologie ausmacht, ist, was die altklassische Litteratur mißt, sind unter C aufzusuchen. betrifft, im 17. Jahrh. namentlich durch den Engländer R. Bentley, in neuerer Zeit unter den Deutschen vorzüglich durch F. A. Wolf, G. Hermann, Lachmann, Ritschl u. a. auf einen hohen Grad der Vollkommenheit gebracht worden. Lachmann, die Gebrüder Grimm, Graff. Benecke, Haupt, Pfeiffer, Müllenhoff, Holtzmann, Wackernagel u. a. wandten diese K. auch auf die altdeutsche Litteratur an. Die Kunstkritik heißt, insofern sie den innern, idealen oder ästhetischen Wert des Kunstwerks untersucht, ästhetische Kritik, oder insofern sie nur die äußere körperliche und mechan. Bearbeitung, die regelmäßige Anwendung der Werkzeuge und Darstellungsmittel der Kunst oder eines Gewerbes beurteilt, technischeKritik. Der ästhet. K. ist ihrem ganzen Charakter nach verwandt die sittliche Kritik, die sich auf den Wert der Gesinnungen und Handlungen bezieht und, wie die ästhet. K. in der Aeitt in der Ethik ihre Haltepunkte findet. ritios, griech. Bildhauer, hauptsächlich bekannt durch die von ihm in Gemeinschaft mit Nesiotes gefertigten Statuen der Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton in Athen, welche zum Ersatz für die von Xerxes geraubten Statuen bestimmt waren und 476 v. Chr. aufgestellt wurden. Kopien sind, abgesehen von kleinern Nachbildungen, in zwei Statuen zu Neapel erhalten. Dieselben zeigen die Kunst des K. und Nesiotes noch hart und trocken, aber im übrigen lebensvoll und wahr.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 623Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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