FeedKumanen oder Komanen
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Kumanen oder Komanen, wahrscheinlich nicht verschieden von den Uzen bei byzantinischen und den Ghuzen (Ghuzz) bei arab. Schriftstellern, 1919. ein Volk, welches von den Slawen Poowzer genannt wird, woraus die deutschen Chronisten Falwen (Falawen; mittellat. Valvi, Falones) bildeten. Von dem Lande östlich der untern Wolga und dem Jaik her, wo sie sich schon um 750 finden, brachen die K. um die Mitte des 11. Jahrh., die Chasaren und Petschenegen lüberwältigend, in Europa ein, breiteten sich an den nördl. Ufern des Schwarzen Meeres bis zur untern Donau und den östl. Karpaten aus, wo dann die heutige Moldau den Namen Kumanien erhielt, und wurden durch verwüstende Raubzüge den Byzantinern sowohl als den Ungarn und den Russen gefährlich. Ihre Hauptmacht erlag den Mongolen, gegen die sie auch in der Schlacht an der Kalka 1223 mit den Russen verbündet vergebens stritten. In Ungarn erscheinen sehr bald kumanische Kolonien, und die Palöczen in den Matrabergen, deren Name sehr an den der Polowzer erinnert, sind wohl überbleibsel der ältesten kumanischen Niederlassungen. Die letzte und größte Kolonie von 40000 Familien, die sich vor den Mongolen geflüchtet hatten, brachte ihr Fürst Kuthen 1238 nach Ungarn, wo sie Bela IV. aufnahm. Sie wurden nachher der Gerichtsbarkeit des Palatinus untergeordnet. Das heutige Groß- und Kleinkumanien (Kunsäg), als eigene Distrikte innerhalb der Komitate von Szolnok und Pest, bewahren das Andenken jener letzten kumanischen Einwanderung. Sowohl die heutigen K. als auch die Palöczen gelten als Kern-Magyaren, ohne jedoch ein ugrisches Volk zu sein. Alles weist vielmehr darauf hin, daß die K. ein türk. Stamm waren, dessen Sprache sich enge an das Osttürkische (Dschagataische) anschließt. Dies zeigt das sog. «kumanische Vaterunsero und das kumanische Wörterbuch (vom J. 1303), welches Petrarca der Bibliothek von Venedig geschenkt hat (Codex Cumanicuso, herausg. von Geza Kunn, 2 Bde.,

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 664Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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