FeedKunersdorf
GeschichteBrockhaus 1882

Kunersdorf, Pfarrdorf im Kreise Lebus, 6 km östlich von Frankfurt a. O., ist durch die Schlacht vom 12.Aug. 1759 bekannt. Friedrich II. stand an der Grenze Oberschlesiens Daun beobachtend gegenüber, während die Russen unter Soltikow gegen die Oder vordrangen, um sich mit Laudon zu vereinigen, der ihnen mit 30000 Mann entgegenzog. Um diese Vereinigung zu hindern, hatte Friedrich den General Wedel den Russen entgegengesendet, der aber bei Kay (s. d.) 23. Juli geschlagen wurde und sich über die Oder zurückziehen mußte, worauf die Russen Frankfurt a. O. besetzten. Der König ließ daher die große österr. Armee unter Daun durch ein Korps unter dem Prinzen Heinrich festhalten und eilte, 48000 Mann stark, nach der Oder, überschritt dieselbe nördlich von Frankfurt und griff am folgenden Morgen das 60000 Mann starke verbündete ißt, sind unter C aufzusuchen. Heer an. Der rechte Flügel der Feinde war durch die Oder, der linke durch Sümpfe und Büsche und noch außerdem durch starke Verschanzungen, die Fronte durch tiefe Gründe gedeckt. Dennoch gelang es den Preußen beim Angriff auf den linken russ. Flügel nach einem heißen Kampfe die Schanzen und Batterien zu nehmen und die Russen in die Flucht zu jagen. Noch aber hatten die Russen mehrere 00 Punkte inne. Trotz der Gegenvorstellungen seiner Generale beschloß der König, mit den schon sehr ermüdeten Truppen auch den rechten Flügel der Russen anzugreifen, da nur ein vollständiger Sieg die damals sehr ungünstige Kriegslage verbessern konnte. Der Infanterieangriff blieb zunächst erfolglos, weshalb der König den General Seydlitz mit der Reiterei von seinem Beobachtungsposten, Laudon gegenüber, durch wiederholte Befehle heranrief. Sogleich benutzte Laudon diese Gelegenheit, um hervorzubrechen und mit seiner Reiterei sich auf die ermatteten Haufen der Stürmenden zu werfen. Dies entschied die Schlacht. Ein neuer Angriff Laudons warf alles in wilde Flucht. Die Preußen verloren 18500 Mann und beinahe ihr ganzes Geschütz; doch hatten auch die Feinde 16000 Mann eingebüßt. Dem König wurden zwei Pferde unter dem Leibe erschossen; eine Flintenkugel zerschmetterte ihm ein goldenes Etui in der Westentasche; nur der Heldenmut des Rittmeisters von Prittwitz rettete ihn vor Gefangenschaft. Seydlitz, Fink, Hülsen und andere Generale wurden verwundet; der General Puttkammer und der Dichter Ewald von Kleist starben den Heldentod. Die Uneinigkeit der Verbündeten verhinderte die weitere Ausnutzung dieses Siegs. Vgl. Hahn, „K. am 12. Aug. 17595 (Berl. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 667Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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