Küssen, das Aufdrücken der Lippen auf einen Gegenstand, ist ein uraltes Zeichen der Liebe, Freundschaft und Achtung. In der altchristl. Kirche gab man sich vor der heiligen Kommunion den Friedenskuß (osculum pacis), welchem apostolischer Ursprung zugeschrieben wurde. Hierfür wurden später sog. Kußtäfelchen eingeführt, die von Hand zu Hand gingen. In der griech. Kirche ist noch jetzt der sog. Osterkuß in diesem Sinne üblich. Die kirchliche Sitte, den Verstorbenen den Abschiedskuß zu geben, verlor sich schon früh, da selbst die Kirche, wohl zunächst aus Gesundheitsrücksichten, auf die Unterlassung dieser Ceremonie drang. Bekannt ist der Pantoffelkuß als Verehrungsbezeigung gegen den Papst, während bei den Bischöfen der Fingerring geküßt wird. Der Handkuß ist ceremoniell bei hochgestellten Personen und als Beweis besonderer Verehrung namentlich Damen gegenüber gebräuchlich. Im Mittelalter galt der Kuß auch symbolisch als Bekräftigung eines Vertrags oder Versprechens. Der Judaskuß (nach Matth. 26, 49 und Luk. 22,48) ist sprichwörtlich geworden. Kussin, s. unter Kussoblumen.