FeedKüstrin oder Cüstrin
ErdkundeBrockhaus 1882

Küstrin oder Cüstrin, Stadt und Festung, bedeutender Waffenplatz, im Kreise Königsberg i. N. des preuß. Regierungsbezirks Frankfurt a. O., früher Hauptstadt der Neumark, liegt in einer fruchtbaren Ebene, dem sog. Oderbruch, am Zusammenfluß der Oder und Warthe, Knotenpunkt der Linien Berlin-Königsberg-Eydtkuhnen, Frankfurt a. O.⸗K. und Breslau-Stettin der Preußischen Staatsbahnen und der Stargard-Küstriner Eisenbahn, ist Sitz eines Amtsgerichts nebst Strafkammer, hat drei evang. und eine kath. Kirche, ein Gymnasium, mittlere Bürger⸗, eine Handwerker-Fortbildungs- und höhere Töchterschule, drei große Kasernen (darunter die Schloßkaserne, das frühere Schloß des Markgrafen Johann), und zählt (1880) 14069 meist prot. E., welche bedeutenden Produktenhandel und Schiffahrt treiben, auch eine Kartoffelmehl⸗, eine Malz⸗, zwei Dachpappen⸗, eine Glasur⸗, vier Maschinen-sund eine Feuerspritzenfabrik unterhalten. Mit Stettin ist K. durch regelmäßige Dampfschiffahrt verbunden. In der Nähe ist das dem Grafen Schwerin gehörige Dorf Tamsel mit schönem Park. K. ward aus einem alten Fischerdorf 1530 durch Kurfürst Joachim J. Stadt, 1535 — 71 die Residenz des Markgrafen Johann, eines Sohnes Joachims I., und wurde später Sitz der neumärkischen Kriegs- und Domänenkammer. Die Festung wurde 1537 zuerst mit Erdwällen, dann mit gemauerten Wällen umgeben. Friedrich d. Gr. saß hier als Kronprinz gefangen, und sein Freund Katte wurde hier 6. Nov. 1730 hingerichtet. Die Festung hielt vom 15. bis 22. Aug. 1758 ein furchtbares Bombardement durch die Russen aus. Nach der Schlacht bei Jena 1806 wurde sie 1. Nov. von dem preuß. Kommandanten Obersten von Ingersleben, wiewohl derselbe mit Proviant reichlich versehen, den kaum erschienenen franz. Truppen übergeben, welche sie auch nach dem Frieden besetzt hielten und erst 7. März 1814 auf Kapitulation an die Preußen übergaben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 713Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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