FeedLaharpe (Frederic Cesar)
GeschichteBrockhaus 1882

Laharpe (Frederic Cesar), Direktor der Helvetischen Republik von 1798, stammte aus einer Patricierfamilie des Waadtlandes und wurde 6. April 1754 zu Rolle geboren. Er studierte in Genf und Tübingen die Rechte und wurde Bern n Sachwalter bei der welschen Kammer zu Bern. Doch gab er diese Laufbahn auf, begleitete einen vornehmen Russen nach Italien und ging auf den Vorschlag des Barons Grimm 1782 nach Petersburg, wo er im folgenden Jahre Lehrer der Großfürsten Alexander und Konstantin wurde. Bei Ausbruch der Französischen Revolution, deren Ideen er sich mit Eifer zuwandte, ließ er eine Bittschrift an die Regierung zu Bern gelangen, in welcher er Reformen und die Zusammenberufung der Stände beantragte. Infolge dessen setzte man ihn als Anstifter der Unruhen, welche unter den dem Kanton Bern unterworfenen Waadtländern ausbrachen, unter die Zahl der Geächteten, und seine Feinde brachten es in Petersburg dahin, daß er entfernt wurde. L. ging nun nach Genf und von da nach Paris, wo er mehrere ten hen an gegen das berner Patriciertum erscheinen ließ und das franz. Direktorium veranlaßte, sich in die Angelegenheiten der Schweiz einzumischen. Unter Saint-Cyr rückte ein franz. Korps im Dez. 1797 zur Beschützung des Waadtlandes ein, das sich sogleich in eine Lemanische Republik umwandelte. Die Umwälzung der ganzen S weiz und die Gründung der Helvetischen Republik knüpften sich an diesen Gewaltstreich. L., der in das helvet. Direktorium eintrat, hielt die Politik der Französischen Revolution aufrecht, bis ein Beschluß der Gesetzgebenden Räte dieses Direktorium auflöste. Er entwich nach Frankreich und lebte auf seinem Landhause Plessis-Piquet bei Paris, machte 1801 eine Reise nach Rußland, und lebte nach dem Wiener Kongreß, auf dem er für die Unabhängigkeit der Kantone Waadt und Aarun thätig war, als Privatmann in seinem Vaterande. Er starb 30. März 1838. Die heftigen Angriffe in Seigneux' Préècis de la révolution du canton de Vaud (2 Bde., Lausanne 1831) bewoen ihn zur Herausgabe der 4Considérations sur e préêcis etc.v (Lausanne 1832).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 750Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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