FeedLanucastergeschütze
GeschichteBrockhaus 1882

Lanucastergeschütze, nach ihrem Erfinder benannt, waren von elliptischem und dabei gewundenem Seelenquerschnitt und verliehen ihren entsprechend geformten länglichen Geschossen dadurch eine ähnliche Drehung, wie sie durch gezogene Geschütze hervorgebracht wird; sie wurden in England versucht und auch 1855 in der Krim gebraucht, bewährten sich indes nicht und fielen dann der Vergessenheit anheim. Ahnliche Einrichtung hatten die eine Zeit lang beim engl. Ingenieurkorps eingeführt gewesenen Lancastergewehre. Unter den Jagdgewehren (s. d.) werden die Centralfeuergewehre auch Lancastergewehre genannt. Lancastersund, Meeresstraße im nördl. Polarmeere, zwischen 74 und 75 nördl. Br. und 75 und 85 westl. L. von Greenwich, führt zwischen Cockburnland im S. und Nord-Devon im N. aus der Baffinsbai (im O.) nach W. in die Barrowstraße und nach SW. in den Prinz-Regent-Inlet; 1616 zuerst von Baffin befahren und benannt. Lancéa (lat.), bei den alten Römern ein zum Werfen bestimmter und mit einem Wurfriemen versehener Speer. Lancelot (auch Lanzelet) vom See, einer der Helden des bretonischen Sagenkreises von König Artus (s. d.) und der Tafelrunde. Die einzelnen Sagen von seinen Abenteuern weichen sehr voneinander ab. Nach den nordfranz. Bearbeitungen hat ihn die Fee Viviana, die Frau vom See (daher L.s Zuname), nach seines Vaters frühem Tod erzogen, dann an des Artus Hof gebracht, wo er in die Tafelrunde aufgenommen wird. „Sie unterstützt ihn auch bei den Abenteuern, in die ihn seine Liebe zu Ginevra, des Artus Gemahlin, und die Feindseligkeit der von ihm verschmähten Schwester desselben, Morgane, verwickeln, und als ihn Mordred, an dem er des Artus Ermordung rächen wollte, zum Tode verwundet hatte, nimmt sie das Leben von seinen Lippen. Die Sage von L. wurde im Mittelalter zunächst von Nordfrankreich aus, wo sie unter andern der Trouvere Chrétien von Troyes behandelte, weit verbreitet. Ein franz. Gedicht, in dem die Sage aber eine wesentlich andere Gestalt angenommen hat, liegt auch dem deutschen L. zu Grunde, den Ulrich von Zatzikhoven, ein Thurgauer, zu Ende des 12. Jahrh. dichtete und den K. A. Hahn (Frankf. 1845) herausgab. Eine niederländ. Bearbeitung, ebenfalls nach dem Französischen, gab Jonckbloet (2 Bde., Haag 1846 —49) —— In deutsche Prosa wurde der altfranz. Prosaroman des 13. Jahrh. übersetzt von Führer (in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh.), der in sein „Buch der Abenteuero auch eine poetische Bearbeitung des Stoffs aufnahm. Launcelot (Claude), franz. Grammatiker, geb. 1615 zu Paris, war daselbst Lehrer der griech. Sprache und Mathematik an einer vom Kloster Port-Royal gegründeten Schule, dann Hofmeister des Herzogs von Chevreuse und später der Prinzen von Conti. Im J. 1670 zog er sich nach Saint-Cyran zurück, da er aber wegen seiner jansenistischen Gesinnungen verfolgt wurde, ging er zu den Benediktinern nach Quimperlé, wo er 15. April 1695 starb. Er versuchte in seinem Unterricht die Regeln für die Erlernung der alten Sprachen einfacher zu machen, indem er sie auf französisch abfaßte und von aller mittelalterlichen Pedanterie befreite. Noch jetzt werden seine Werke benutzt, z. B. «Nouvelle méthode pour apprendre la langue grecques (1655), WNouvelle méthode pour apprendre la langue latine (1656), Le jardin des racines grecquesv (1657), (Grammaire générale et raisonnécv, die sog. Grammatik von Port-Royal (1660). Lanciauo, Stadt in der ital. Provinz Chieti lehemals Abruzzo Citeriore), 7 Km vom Adriatischen Meere entfernt, auf drei Hügeln rechts am Feltrino, Sitz eines Erzbischofs und eines Unterpräfekten, hat ein Seminar, ein Gymnasium, eine Technische Schule, eine schöne Kathedrale, 1533 erbaut auf einer Ziegelbrücke aus der Zeit Diocletians, Wein- und Olivenbau, Seidenzucht, Hanf- und Leinweberei und zählt (1881) 17 125 E. L. ist das antike Anxanum der Frentaner in Samnium.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 774Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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