Lancaster (Jos.), ein Quäker, einer der Erfinder und Verbreiter des gegenseitigen Unterrichtssystems (s. Bell-Lancastersches Unterrichtssystem), geb. 25. Nov. 1778 zu London. Er eröffnete 1798 in einem der ärmsten Distrikte Londons eine unentgeltliche Elementarschule und wendete in ihr unabhängig von Bell (s. d.) an-Durc die Methode des gegenseitigen Unterrichts an. Dur reiche Gönner unterstützt, richtete er eigene Schulhäuser ein und gründete 1803 eine Normalschule für die Ausbildung von Lehrern. Er machte nun Reisen im ganzen Lande, hielt Vorlesungen über die Grundsätze des neuen Unterrichts, und auf seine Veranlassung entstanden Hunderte von Lancasterschulen in allen Teilen von Großbritannien. Später überließ er seine Schulanstalten in London einem Verein und gründete 1813 zu Tooting selbständig eine Schule, in welcher er nach seiner Methode auch in den höhern Wissenschaften Unterricht geben wollte. Bald sah er sich aber in bedeutende Schulden verwickelt und wurde 1814 völlig bankrott. Er wanderte endlich nach Südamerika aus, wo er 1820 in der Republik Columbia an dem Präsidenten Bolivar einen eifrigen Förderer seiner Bestrebungen fand. Als Bolivar 1829 abdankte, sah sich L. jedoch gänzlich verlassen. Er begab sich nun nach den Vereinigten Staaten von Amerika, dann nach Canada, wo er jedoch keine Beachtung fand, und starb in Neuyork 24. Okt. 1838. Seine Methode, die sich nur in Nebendingen von der Bells unterscheidet, beschrieb er in der Schrift « Improvement in educationo (Lond. 1805).