Landsberg an der Warthe, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt a. O., in der Neumark, liegt in einer fruchtbaren und freundlichen Gegend am rechten Ufer der schiffbaren Warthe, über welche eine 120 mlange Brücke führt, und an der Linie Berlin-Schneidemühl der Preußischen Staatsbahnen, besteht aus der eigentlichen Stadt und fünf Vorstädten und zählt (1880) 23 612 meist prot. E. Unter den Gebäuden ist die Marienkirche mit einem schönen Altarblatt von Begas bemerkenswert, ferner das Aktientheater-Etablissement, ein Siegesmonument zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 und das Denkmal Schleiermachers, der hier 1794 Pfarrer war. L. ist Sitz eines Land- und eines Amtsgerichts, eines Landratsamts und eines Hauptsteueramts. Von Unterrichtsanstalten bestehen ein Göymnasium mit Realgymnasium, eine Bürgerschule für Knaben, eine für Mädchen, zwei höhere Töchterschulen, eine gewerbliche Nachhilfe- und eine Zeichnenschule, sowie eine Hufbeschlaglehranstalt. L. hat eine Provinziallandarmen⸗ und Besserungsanstalt, eine Provinzialirrenanstalt, ein Krankenhaus, ein Hospital, ein Waisenhaus und ein Siechenhaus. Ein städtisches Museum wurde 1. Dez. 1884 eröffnet. Der Handel, namentlich der Getreidehandel, ist nicht mehr so bedeutend wie früher, ebenso der 14. und 15. Juni abgehaltene Wollmarkt. Sonst sind Holz und Spiritus die wichtigsten Gegenstände des Handels. Von größern industriellen Etablissements sind drei Maschinenfabriken und Eisengießereien, mehrere Holzschneidereien, eine Stärkefabrik, Kunsttischlereien, Ziegeleien, eine mechan. Netzfabrik, eine Goldleistenfabrik und einige bedeutende Brauereien zu nennen. — L. wurde unter Markgraf Johann 1257 von einem gewissen Albert de Luge gegründet, im Dreißigjährigen Kriege viermal von den Schweden und viermal von den Kaiserlichen erobert, im Siebenjährigen Kriege von den Russen öfters besetzt. Am 4. Febr. 1813 schlug hier Tschernitschew eine Abteilung von 1500 Franzosen und Polen vom Davoustschen Korps. Im 17. Jahrh. war die Stadt stark befestigt. Der Kreis Landsberg zählt auf 1211 (1880) 86 230 meist prot. E.