FeedLandskunecht
GeschichteBrockhaus 1882

Landskunecht oder Lanzknecht hieß zu Ende des 15. und während des 16. Jahrh. in Deutschland ein im Fußvolk dienender Kriegsmann. Kaiser Maximilian I. kam bei der Mangelhaftigkeit der Kriegsverfassung im Reiche, welche längst statt des alten Heerbanns und des spätern Lehnsaufgebots zur Söldnerei geführt hatte, auf den Gedanken, ein deutsches Kriegsvolk aufzustellen, das die vom Reiche abgefallenen und als Söldner überdem unzuverlässigen Schweizer ersetzen könne. Die Wehrhaftigkeit deutscher Nation kam ihm dabei zu statten, und so entstanden die deutschen L. Graf Eitel Friedrich von Zollern, besonders aber Georg von Frundsberg (s. d.), den man den Vater der L. genannt hat, unterstützten den Kaiser in diesem Werke, und auch der Adel, der sonst nur zu Roß diente, wurde dafür gewonnen, als der Kaiser und viele vornehme Herren gelegentlich selbst, den Spieß auf der Schulter, zu Fuß vor den neuen Scharen einherschritten. Die deutschen L. sind, abgesehen von den Janitscharen (s. d.), das erste geordnete Fußvolk des neuern Zeitalters, und die merkwürdigen Einrichtungen ihres Gemeinwesens bilden die Grundlage aller spätern Organisationen. Bei ausbrechendem Kriege gab der Kriegsherr einem bewährten Kriegsmann, adelig oder bürgerlich, einen Bestallungsbrief als Feldoberst oder Kardinal (besonderer Befehlshaber, im Gegensatz des allgemeinen: General) nebst einem Patent, ein Regiment L. aufzurichten, dazu den Artikelbrief (s. d.), auf welchen sie anzunehmen waren. Der Sold und die Zahl der Fähnlein wurden bestimmt. Der Oberst bestellte darauf ihm bekannte Krieger als seine Hauptleute und machte die Werbung im Lande bekannt. Der Zulauf war immer sehr groß. Waffen (Spieß, Schwert, Bruststück und Blechhaube) mußte jeder mitbringen; die Form war gleichgültig, die Kleidung ganz beliebig. Die Angenommenen erhielten Handgeld und stellten sich auf einen bestimmten Tag zur Musterung, wo sie einzeln durch eine Pforte, von Spießen gebaut, einem fürstl. Musterherrn vorgeführt wurden. Die Gesamtheit hieß dann der Hauf oder die Gemeine (davon Gemeiner). Der Oberst ließ einen Ring schließen, den Artikelbrief vorlesen, den Eid vom Schultheißen abnehmen und ernannte dann seinen Stellvertreter (Locotenenten), den Proviant⸗ und Quartiermeister, den Profoß und für jedes Fähnlein den Feldweibel und den Fähnrich, welchem letztern er die Fahne mit feierlicher Ermahnung übergab. Dann zogen die einzelnen Fähnlein auseinander und organisierten sich selbst. Der Hauptmann ernannte seinen Locotenenten (Lieutenant) und stellte den Schreiber, Kaplan und Feldscherer vor; die L. wählten zwei Gemeinweibel (ihre Vertreter in allgemeinen Angelegenheiten, auch Ambosaten, ambassadores genannt), den Führer und den Fourier, und teilten sich selbst in Rotten zu zehn Spießen ein, jede unter einem Rottmeister (ietzt Unteroffizier). Ein Fähnlein bestand aus 400 L., 10—16 Fähnlein bildeten ein Regiment. Die Hauptwaffe der L. war der Spieß; gegen Ende des 16. Jahrh. war aber schon die Hälfte mit Feuergewehren bewaffnet. Auf dem Marsche wälzte sich der Haufe regellos fort; zuweilen marschierte er aber auch nach Trommelschlag, wozu Trommelreime gesungen wurden. Zum Gefecht zog ein «verlorener Hauf v, aus den Läufern gebildet, voran, diesem folgte der chelle Haufo in gevierter, fast quadratischer Ordnung mit ungerader Rottenzahl, welche Glück bringen sollte. Vor der Schlacht tnieten die L. zum Gebet nieder; dann warfen sie nach uralter Sitte Staub hinter sich und gingen entweder zum Angriff mit gefällten Spießen, alle Hauptleute bei großer Gefahr im ersten Gliede, oder bildeten, angegriffen, einen «Igelv, Fronte nach allen Seiten. Eigentümlich war auch ihre Rechtspflege. Um einen übelthäter zu richten, kam die Gemeine an einem anüchternen Morgenv zusammen. Der Profoß erhob die Anklage, dem Verbrecher wurde ein Fürsprecher bestellt und, wenn die Sache erhärtet, von 41 Knechten, dreimal gewählt, das Urteil gesprochen. Lautete es auf Tod, so wurde eine Gasse gebildet, in deren gefällte Spieße der Verurteilte sich stürzen mußte. So groß der Kriegsruhm der L. so übel berufen waren sie sonst wegen ihrer Zügellosigkeit, besonders im Trinken und Spielen. Das bekannte Hazardspiel Landsknecht oder Lansquenet (s. d.) rührt von ihnen her. Ein gewaltiger Troß folgte ihren Zügen; über das Weibsvolk und die Buben war ein Hurenweibel gesetzt, der mit seinem Lieutenant und Fähnrich nebst Stockmeister, Steckenknechten und Scharfrichter unter dem Profoß stand. In solcher Kriegsverfassung dienten sie auch im Auslande, zuweilen sogar gegen das Reichsoberhaupt, wie die Schwarzen Fahnen im franz. Solde. Im 17.Jahrh. das deutsche Kriegshandwerk 1115 Zeit der Reforgl. Barthold, Georg von Frundsberg oder mationo (Hamb. 1833); Leitner, „Das Kriegswesen des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation unter Maximilian I. und Karl V.» (Lpz. 1859); Wessely, «Die L., eine kulturhistor. Studien (31 Faksimiledrucke nach alten Meistern, mit Text, Görlitz 1877); Blau, «Die deutschen L. (Görlitz (1882); gute Abbildungen nach H. S. Beham, Fr. Brunn, Hans Rud. Manuel genannt Deutsch und Daniel Hopfer finden sich auch in Potens Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschafteno (Bd. 6, Bielef. u. Lpz. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 789Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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