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ReligionBrockhaus 1882

Landshut, Hauptstadt des bayr. Regierungsbezirks Niederbayern, an der Isar und von dieser teilweise durchschnitten, liegt malerisch in einem breiten Thale, Station der Linien München-Regensburg-Eger und L.Neumarkt der Bayrischen Staatsbahnen, macht mit seinen schönen Kirchen, breiten Straßen und durch seine solide altertümliche Bauart einen sehr günstigen Eindruck, ist Sitz der Regierung für Niederbayern, eines Bezirksamts, eines Land⸗ und Amtsgerichts und zählt (1880) 17225 E. Die drei Hauptkirchen, St. Martin (1407 — 77), St. Jodocus (1338 begonnen) und die Heilige-Geist⸗ oder Spitalkirche (1407 begonnen), sind alle drei got. Hallenkirchen (mit drei gleichhohen Schiffen) und Muster für den Backsteinbau. Die Kirche St. Martin hat einen kühnen, 133 m hohen Turm (einen der höchsten Deutschlands), eine alte, neuerdings restaurierte Kanzel aus Stein und in den 23 mehohen Fenstern des Presbyteriums herrliche Glasmalereien von Scheerer. Der alte Hochaltar von Stein (vollendet 1424) ist in jüngster Zeit von Puille, einem Schüler Schwanthalers, restauriert worden. Die Kirche St. Jodocus besitzt vorzügliche Altäre von Sickinger, Eberhardt und Schuler, so- wie eine neue got. Kanzel von letzterm. Die Pfarrkirche St. Nikola aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. und die Klosterkirche Loretto sind mit neuen Altären nach den Entwürfen von Paul Weiß geschmückt. Die alte Afrakapelle (1232) des Klosters Seligenthal hat ein herrliches Skulpturenwerk: Kreuzabnahme. Außerdem zeichnen sich als Bauwerke aus: das große, gutrestaurierte Rathaus, das Landschaftsgebäude mit alten Freskomalereien und die große neue Kavalleriekaserne. Die königl. Residenz in der Altstadt, in ihrem Innern ein herrlicher Renaissancebau, völlig im Charakter ital. Stadtpaläste, wurde von Herzog Ludwig 1536—43 aufgeführt. Die Stadt hat drei kath. und eine prot. Pfarrei, zwei Frauenklöster mit Pensionaten und ein Franziskanerkloster. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen ein Gymnasium mit Lateinschule, eine Realschule und ein Erziehungsinstitut. Industrie und Handel sind nicht unbedeutend; es bestehen Fabriken für Tabak, Strohhüte, Maschinen, Wagen, chem. Produkte, Pappdeckel, Gerbereien und viele Bierbrauereien. Nächst München ist L. die größte Schranne in Süddeutschland und treibt lebhaften Handel mit Getreide, Landesprodukten u. s. w. Dicht bei der Stadt liegt der städtische Hofgarten, ein ausgedehnter Park mit überraschend schönen Fernsichten auf die Stadt, das bayr. Hochgebirge und den Bayrischen Wald. Über der Stadt ragt die wohlerhaltene Burg Trausnitz empor, welche schöne Malereien und Holzarbeiten enthält und früher Residenz der Herzöge von Niederbayera war. Die Schloßkapelle aus dem 13. Jahrh. ist für Archäologen besonders bemerkenswert. In der 10 km von L. entlegenen Burg Wolfstein an der Isar (jetzt Ruine) wurde 1252 Konradin, der letzte Hohenstaufe, geboren. Die 1800 von Ingolstadt nach L. übergesiedelte Universität wurde 1826 nach München verlegt. Vgl. Staudenraus, «Chronik der Stadt L.y (3 Bde., Landsh. 1832); 4Geschichte der Stadt L.v (Landsh. 1835); Wiesend, (Topogr. Geschichte von L. (Landsh. 1858); Kalcher, Führer durch die Stadt L.y (Landsh. 1875); Wörl, «Führer durch L.v (2. Aufl., Würzb. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 789Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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