FeedLange (Friedr. Albert)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Lange (Friedr. Albert), namhafter philos, und volkswirtschaftlicher Schriftsteller, geb. 28. Sept. 1828 in Wald bei Solingen als Sohn des spätern Oberkonsistorialrats Johann Peter Lange (s. d.), studierte in Zürich und Bonn, wurde 1852 Lehrer am Gymnasium zu Köln und habilitierte sich 1855 in Bonn als Privatdocent der Philosophie. In dieser Stellung genoß er hauptsächlich den Umgang Fr. Überwegs, dessen Biographie (Fr. überwego, Berl. 1871) er später schrieb. Im J. 1858 nahm er von neuem eine Gymnasiallehrerstellung in Duisburg an, welche er jedoch 1861 wieder aufgab. Seitdem machte er neben seiner Thätigkeit als Handelskammersekretär in Duisburg mehrfache Versuche publizistisch-sozialpolit. Wirksamkeit und veröffentlichte u. a. «Die Arbeiterfragey (Duisb. 1865; 2. Aufl. 1870), John Stuart Mills Ansichten über die soziale Frage und die angebliche Umwälzung der Sozialwissenschaft durch Carey⸗ (Duisb. 1866). Im Nov. 1866 wurde er Mitredacteur des Landboteno in Winterthur, habilitierte sich dann in Zürich und erhielt an der dortigen Hochschule 1870 eine neugegründete Professur ader induktiven Philosophiev. Im J. 1873 folgte er einem Rufe nach Marburg, wo er 21. Nov. 1875 starb. Seine philos. Schriften sind: »Die Grundlegung der mathem. Psychologie, ein Versuch zur Nachweisung des fundamentalen Fehlers bei Herbart und Drobischo (Duisb. 1865), «Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwarto (Iserl. 1866; 2. Aufl., 2 Bde., 1873 —75), PReue Beiträge zur Geschichte des Materialismus » (Winterth. 1867). Die Bedeutung des Hauptwerks besteht teils in der neuen und interessanten Beleuchtung einzelner Partien der Geschichte der Philosophie, teils in der aus der Kritik des Materialismus sich entfaltenden (namentlich in der zweiten Auflage näher entwickelten) Aufstellung einer eigenen Lehre, welche sich als den «Standpunkt des Idealsv bezeichnet und die Kantschen Gedanken in ein derartiges Verhältnis zueinander setzt, daß neben der Einschränkung der wissenschaftlichen Erkenntnis auf die durch Erfahrungswissenschaften festzustellenden Causalitätsverhältnisse auch das Recht der aus sittlichem Bedürfnis ein Begriffen dichtendend und zur Weltanschauung strebenden Phantasie anerkannt werden soll. L.s nach seinem Tode von Cohen herausgegebenen «Logischen Studieno (Iserl. 1877) enthalten den Versuch, die Evidenz und Gültigkeit der logischen Gesetze aus den räumlichen Verhältnissen abzuleiten. Vgl. Vaihinger, «Hartmann, Dühring und L.» (Iserl. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 798Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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