FeedLausitz
GeschichteBrockhaus 1882

Lausitz, richtiger: die Lausitzen (Lusatia superior et inferior) ist ein Name, mit welchem im Laufe der Zeit zwei völlig verschiedene, allerdings aneinander grenzende Länder bezeichnet worden sind, von denen nur die Niederlausitz denselben von jeher und mit Recht führt, die Oberlausitz aber erst seit Ende des 15. Jahrh. und durchaus irrigerweise ebenfalls damit belegt wird. Die Oberlausitz ward seit dem 7. Jahrh. von dem slaw. Stamme der Milzener bewohnt, welcher, von Osten her einwandernd, das fruchtbare, offene Land besetzte, das im Osten vom Queis, im Westen vom Pulsnitzflusse begrenzt wird. Gegen Ende des 10. Jahrh. wurden sie von den Markgrafen von Meißen unterworfen und ihr Gebiet dem Deutschen Reiche einverleibt. Ihre Stammesburg Budissin ward jetzt auch für die Deutschen der Sitz der militärisch-administrativen Verwaltung und somit die Hauptstadt des Landes. Dasselbe wurde nun Eau Milska oder Gau Budissin, bald aber Land Budissin genannt und bildete zunächst ein Pertinenzstück der Mark Meißen. Zwar bemächtigte sich 1002 der Polenfürst Boleslaw Chrobry desselben; allein dessen Sohn mußte es 1035 wieder an Meißen abtreten. Kaiser Heinrich IV. nahm es 1076 dem abtrünnigen Markgrafen Ekbert II. von Meißen und gab es dem treu gebliebenen Herzog Wratislaw von Böhmen. Dieser aber überließ es 1086 seinem Schwiegersohne Wiprecht von Groitzsch. Nach dem Tode von dessen Sohne, Heinrich von Groitzsch (1136), gab König Konrad III. das Land Budissin an Konrad d. Gr. von Meißen abermals zurück, aber nach dessen Tode reichte Kaiser Friedrich I. dasselbe 1158 wieder an König Wladislaw von Böhmen zu Lehn. In diese zweite böhm. Epoche fällt die massenhafte Einwanderung Deutscher von Westen her, welche teils an der uralten, quer durch das Land führenden Handelsstraße aus altslaw. Dörfern (Kamenz, Löbau, Görlitz, Lauban) deutsche Städte, teils in den waldigen Gegenden im Norden und Süden ganz neue deutsche Dörfer schufen und so den Grund zu der allmählichen Germanisation wenigstens einzelner Landesteile legten. Bald nach seinem Regierungsantritt (1253) gab Ottokar II. von Böhmen das Land als Pfand für die Mitgift seiner Schwester Beatrix an deren Gemahl, den Markgrafen Otto III. von Brandenburg; so bildete dasselbe w1253—1319 einen Bestandteil des damaligen brandenb. Staates. Im J. 1268 wurde das Land zwischen den beiden Linien der Markgrafen von Brandenburg in eine westl. Hälfte, das Land Budissin (im engern Sinne), und in eine östliche, das Land Görlitz, 1.abr wodurch die Stadt Görlitz 53 Marde der östl. Hälfte wurde. Nach dem Tode des Markgrafen Waldemar d. Gr. von Brandenburg (1319) bemächtigte sich Herzog Heinrich von Sortit ein Anverwandter desselben, des Landes örlitz; das Land Budissin aber stellte sich freiwillig unter Johann den Luxemburger, als den damaligen Träger der Krone Böhmen, an welche 1346 nach Herzog Heinrichs kinderlosem Tode auch die östl. Hälfte völlig wieder zurückfiel. In demselben Jahre (1346) schlossen die fünf freien, d. h. unmittelbar unter dem Landesherrn stehenden Städte Budissin, Görlitz, Kamenz, Löbau,

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 854Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 8

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6