FeedLavandüla L.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Lavandüla L., Lavendel, Pflanzengattung aus der Familie der Labiaten. Man kennt gegen 20 Arten, die sämtlich den Mediterranländern angehören. Es sind Halbsträucher, deren Blüten in zu Ahren zusammengedrängte Scheinquirle gestellt und aus einem röhrig-walzigen, faltig-genervten Kelch und einer zweilippigen Blumenkrone mit helmartiger, zweilappiger Oberlippe zusammengesetzt sind. Die zweimächtigen Staubgefäße sind samt dem Griffel in der Röhre der Blumenkrone eingeschlossen. Alle Lavendelarten besitzen einen starken, durchdringenden, aber angenehm-aromatischen Geruch, welcher von ihrem reichen Gehalt an ätherischem Ol herrührt. Mehrere Arten sind deshalb zu offizinellen Pflanzen geworden. Dahin gehört der gemeine oder schmalblätterige Lavendel oder die Spike (L. Spica L. oder angustifolia EWrh.), welche auf steinigen Bergen und Hügeln in Südeuropa einheimisch ist und blaue Blumen trägt, bei uns allgemein in Gärten, besonders auch zu Einfassungen der Blumenbeete kultiviert wird. Von dieser angenehm gewürzhaft riechenden und gewürzhaft-bitter schmeckenden Pflanze sind die länglich-linealen oder schmal-⸗lanzettförmigen Blätter und noch mehr die Blütenähren in der Heilkunde als starkes Reizmittel gebräuchlich und werden vorzüglich äußerlich zu Umschlägen, Bädern u. dgl. angewendet. Als Räucherungsmittel sind die Lavendelblumen gleichfalls beliebt, und wegen ihres starken Geruchs werden sie auch als Mittel gegen die Motten gebraucht. Aus dieser Pflanze wird der Lavendelgeist (Eau de lavande) bereitet. Aus dem breitblätterigen Lavendel (L. latifolia Hhirh.), welcher ebenfalls in Südeuropa einheimisch, gewinnt man im südl. Frankreich das Lavendelöl (s. d.). Ferner ist noch zu erwähnen der sog. griechische oder arabische Lavendel (L. Stoechas L.), welcher gleichfalls in Südeuropa und auch in Nordafrika wächst. Er hat einen stärlern Geruch als die beiden vorigen, wird aber sonst in ähnlicher Weise verwendet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 861Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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