FeedLeber (hepar, jecur)
HeilkundeBrockhaus 1882

Leber (hepar, jecur), die größte Drüse des menschlichen und tierischen Körpers, die deshalb von höchster Wichtigkeit ist, weil sie in naher Beziehung zur Blutbildung und der damit zusammenhängenden Bereitung der Galle steht. Die L. eines gesunden erwachsenen Menschen wiegt 1,0 kg und darüber. Dieselbe liegt mit ihrer Hauptmasse im rechten obern Winkel der Bauchhöhle, unmittelbar unter dem Zwerchfell, zur Seite der rechten Bauch- und Rückenwand, und bedeckt die rechte Niere, einen Teil des Zwölffingerdarms und des We sowie die rechte Biegung des Dickdarms. Sie ist am Zwerchfell durch straffe Bänder, sowie auch an der Rücken⸗ und Bauchwand befestigt und Überragt die Rippenwand nicht. Ihr hinterer rechter Abschnitt ist sehr dick und abgerundet, nach vorn und links schärft sie sich allmählich zu. Ihre Oberseite ist gewölbt (konvex), die Unterseite seicht ausgehöhlt (konkav), sodaß sie im ganzen ungefähr eine keilförmige Gestalt darbietet. Der vordere Rand der L. hat in der Mittellinie des Körpers einen tiefen Einschnitt (incisura hepatis), welcher sie in den größern rechten und kleinern linken Leberlappen (obulus dexter und sinister) teilt. Von diesem Einschnitt verläuft auf der Unterseite eine seichte Furche nach hinten, und dieser ziemlich parallel weiter nach rechts eine zweite Furche, welche durch eine querlaufende Vertiefung verbunden sind. Es werden so von der L. zwei weitere kleine Lappen abgegrenzt, ein vorderer viereckiger (obulus quadratus) und ein hinterer (obulus Spigelii). In der linken Längsfurche verläuft beim Fötus die Nabelvene, die in der Gegend der Querfurche in die L. eintritt und nur einen kleinen Zweig (duetus venosus) durch die hintere Hälfte dieser Grube direkt in die hinter der L. liegende untere Hohlvene sendet, wogegen beim geborenen Menschen ein solider rundlicher Bindegewebsstrang, das sog. runde Leberband, die Stelle der oblitterierten Nabelvene vertritt. Der vordere Teil der rechten Furche nimmt die Gallenblase auf, die hintere umfaßt innig die Vorderwand der untern Hohlvene. In der Querfurche münden alle blutzuführenden Gefäße und zahlreiche sympathische Nervenäste und aus ihr treten die Lymphgefäße der L. und die Gallengänge aus; diese Stelle ist gewissermaßen die Pforte der L. und wird deshalb auch Leberpforte (Pporta hepatis) benannt. An Blutgefäßen erhält die L. die nahezu fingerdicke Pfortader und die kaum gänsekieldicke Leberarterie. Die Pfortader (vena portae) sammelt alles Blut, welches von den Gedärmen, vom Magen, von der Bauchspeicheldrüse und der Milz kommt, tritt in der Leberpforte in die L. ein und löst sich hier nach allen Richtungen hin in feine, untereinander verbundene Zweige auf, welche wieder zu größern Stämmchen zusammentreten und als

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 877Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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