Lehnin (in ältern Urkunden Lenyn), Marktflecken im Kreise Zauch-Belzig des preuß. Regierungsbezirks Potsdam, 15 km von Brandenburg zwischen dem Mühlenteich und dem Klostersee, mit (1886) 2169 CE. und vielen Ziegeleien, ist durch die schöne Ruine des vom Markgrafen Otto I. 1180 gegründeten Cistercienserklosters L. (auch Himmelpfort am See) merkwürdig, in welcher mehrere Markgrafen von Brandenburg aus dem askanischen und hohenzollernschen Hause begraben liegen und welche Joachim II. 1542 in ein Amt verwandelt hat. Die Klosterkirche wurde 4. Juni 1262 geweiht; ein Erlaß des Kultusministeriums vom 13. April 1871 ordnete die Restauration derselben an und 24. Juni 1877 erfolgte die Einfügung des Schlußsteins. Allgemein bekannt ist L. durch die von dem Mönch Hermann von Lehnin, angeblich um 1234, in lat. Sprache in 100 leoninischen Versen verfaßte Weissagung (Vaticinium Lehninense). Das Manuskript soll von dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, welcher aus der Klosterruine ein Schloß bauen wollte, in einer alten Mauer gefunden worden sein. 90 derselben wird der Untergang des askanischen Hauses in Brandenburg und das Aufkommen des hohenzollernschen daselbst beklagt, jeder Regent des letztern Hauses charakterisiert, die Zeit des Untergangs desselben angeblich bestimmt und dann die Einheit Deutschlands und die Wiederherstellung der kath. Kirche prophezeit. Die erste sichere Spur des Gedichts fällt in das J. 1693. Zuerst herausgegeben wurde es in Lilienthals «Gelehrtem Preußen » (Königsb. 1723) und seitdem öfter, zuletzt wieder von W. Meinhold mit metrischer Übersetzung:Die Weissagung des Abts Hermann von L.v hei 1849 u. 1853), von Rösch Stuttg. 1849), Gieseler (Erfurt 1849), Guhrauer (Bresl. 1850), M. Heffter in seiner (Geschichte des Klosters L.» (Brandenb. 1851). Nachdem es bereits 1746 und wiederum 1847 von Wilken widerlegt worden, wurde es in neuester Zeit zu Parteizwecken benutzt, wie z. B. in Bouverots Extrait d'un manuscrit relatif à la prophétie du frère de L.o (deutsch von W. von Schütz, Würzb. 1847); in Boosts «Die Weissagung des Mönchs Hermann zu L.v (Augsb. 1848) und in Kollbergs Weissagungen Hermanns von L.v (2. Aufl., Stuttg. 1861). Eine vorurteilsfreie Kritik hat in dem Gedicht ein spätes Machwerk erkannt. Rücksichtlich des Verfassers schwankt man zwischen dem Kammergerichtsassessor Seidel (gest. 1695 in Berlin), dem Konsistorialrat Fromm (gest. 1688), Nikolaus von Zitzwitz, Abt von Huysburg (1692), und dem Jesuiten Fr. Wolf, der 1685—86 Kaplan bei der österr. Gesandtschaft in Berlin war. Vgl. Hilgenfeld, «Die Lehninische Weissagung» (Opz. 1875); Sello, 4L., Beiträge zur Geschichte von Kloster und Amto (Berl. 1881).