Leidenfrostscher Versuch oder Leidenfrostsches Phänomen ist die Bezeichnung für die von Leidenfrost (s. d.) beobachtete Erscheinung, daß Wasser, wenn man es in eine durch Unterfeuerung glühend erhaltene Platinschale tröpfeln läßt, nicht, wie man erwarten dürfte, ins Sieden gerät, sondern die Form eines platt gedrückten Tropfens gewinnt, welcher im Gefäße schwingend rotiert und seine Gestalt mannigfach ändert. Dies kommt daher, weil sich aus einem kleinen Teil des eingebrachten Wassers etwas Dampf bildet, welcher durch seine Spannkraft die Berührung zwischen dem Wasser und der heißen Wand verhindert. Es kann daher keine Benetzung der letztern stattfinden und das Wasser ballt sich, vermöge der Kohäsion seiner Teilchen, zu jenem eigentümlich geformten Tropfen, der nach seinem Beobachter „Leidenfrostscher Tropfen o heißt. Die Temperatur dieses Tropfens bleibt stets unter dem Siedepunkt des Wassers, weil nur ein kleiner Teil der Wärme vom Wasser absorbiert, der größte Teil dagegen am Tropfen reflektiert wird oder durch denselben strahlt. Infolge dessen verdampft auch der Tropfen nur langsam. Erst wenn die Schale bis zu einem gewissen Grade abgekühlt ist, mithin der Zwischendampf den Tropfen nicht mehr so von der Wand abhebt, verliert das Wasser seinen sphäroidalen Zustand und gerät plötzlich und heftig ins Sieden. Diese überraschende und mächtige Dampfbildung hat darauf geführt, daß der eben beschriebene zuerst von Erler (1746) und später von Leidenfrost angestellte Versuch oder jenes «Leidenfrostsche Phänomenv dazu dienen könne, gewisse Kesselexplosionen (s. d.) zu erklären. Man nimmt nämlich an, daß bei niedrigem Wasserstand die Wände eines Dampfkessels bühim werden können, und daß dann bei der Abkühlung plötzlich jene übermäßige Dampfbildung eintreten könne, die zum Zersprengen des Kessels führe. Der sphäroidale Zustand, nebst späterer Explosion, tritt nicht nur beim Wasser auf glühendem Platin, sondern ganz allgemein zwischen jeder verdampfbaren Flüssigkeit und einem zugehörigen stark erhitzten Metallgefäß ein, und zwar um so leichter, je besser das Metall die Wärme leitet. Nach Boutigny rührt das Phänomen nicht vom Zwischendampf her, sondern direlt von einer Abstoßung der erhitzten Metalle auf die Flüssigkeiten. Vgl. Boutigny, «Studien über die Körper im sphäroidalen Zustando (Lpz. 1858). Durch das Leidenfrostsche Phänomen wird es erklärlich, daß bei den mittelalterlichen Gottesurteilen 16 Ordalien) die Beschuldigten in manchen Fälen ohne Schaden über glühende Eisenplatten gehen konnten; machen doch noch heute die Arbeiter in den Gießereien das Erperiment, ihre Hand durch den aus dem Cupolofen fließenden glühenden Eisenstrom zu ziehen, wobei die infolge der natürlichen Werbrenuu der Haut sich bildende Dampfschicht vor erbrennung schützt.