Verdunstung wird derjenige physik. Prozeß genannt, welcher sich zeigt, wenn Flüssigkeiten schon bei den gewöhnlichen Temperaturen an ihrer Oberfläche in den gasförmigen Zustand übergehen, d. h. wenn sie verdunsten. Viele Flüssigkeiten verdunsten bei jeder Temperatur, ja selbst dann noch, wenn sie den festen Zustand angenommen haben, wie z. B. Wasser, welches noch als Schnee und Eis verdunstet. Auch viele andere feste Körper, wie z. B. Kampfer und Jod, verdunsten; man nennt solche Körper flüchtig. Für manche Flüssigkeiten hat man die Temperaturgrenze gefunden, unterhalb welcher sie nicht mehr verdunsten; so liegt die Verdunstungsgrenze des Quecksilbers bei —6 C., die der Schwefelsäure bei der gewöhnlichen Lufttemperatur. Temperaturerhöhung vermehrt die Flüchtigkeit einer Flüssigkeit. Die V., welche hierbei an der Oberfläche der Flüssigkeit vor sich geht, beginnt bei einem bestimmten Wärmegrade auch im Innern, und man sagt alsdann, die Flüssigkeit siedet. Die Temperatur, bei welcher dies stattfindet, ist abhängig von der Natur der Flüssigkeit und von dem auf ihr lastenden Drucke. (S. Siedepunkt.) Im wissenschaftlichen Sinne sind Dampf und Dunst (lebenso verdampfen und verdunsten) gleichbedeutend; im gewöhnlichen Sprachgebrauch erscheint jedoch für höher gespannte Dünste der Ausdruck Dämpfe; man sagt z. B. Dampfmaschine und nicht Dunstmaschine u. dal. m. (S. Wärme.)