Lemnius (Simon), eigentlich Rargadant (den Gelehrtennamen L. nahm er wohl von dem Familiennamen seiner Mutter [LLemm, welcher später in Wittenberg in Lemchen verdreht worden zu sein scheint! unter Anlehnung an den Beinamen des Vulkan Lemniuso), bekannt als Satiriker, geb. zu Anfang des 16. Jahrh. im Münsterthal in Graubünden. Er kam 1533 auf die Universität nach Ingolstadt und ging dann nach Wittenberg, wo er sich insbesondere mit Melanchthon befreundete. Hier schadete er sich durch die Herausgabe einer Sammlung von Epigrammen (Wittenb. 1538), in welchen er nicht nur mehrere Wittenberger verspottet, sondern auch den Erzbischof-Kardinal Albrecht, Luthers Feind, als Beschützer der Wissenschaft gepriesen haben sollte. Hierüber erzürnt, begnügte sich Luther nicht mit der Wegnahme der noch vorhandenen Exemplare und der Bestrafung des Druckers, sondern veranlaßte sogar des Herausgebers Relegation von der Universität. Dieser war inzwischen nach Basel gegangen. Hier gab er seine Epigramme, mit einem dritten Buch vermehrt, aufs neue heraus (1538), in welchem letztern er sich die gröbsten Ausfälle auf Luther und seine andern Gegner erlaubte. Camerarius schrieb dagegen seine ernste und würdige „Hlegiae hodoiporikaer, veranlaßte aber L. dadurch nur zu einer Kpologiav, in der er neue heftige Angriffe auf Luther machte. Diese Apologie gehört unter die größten litterarischen Seltenheiten; noch seltener aber ist die von L. unter dem Namen Lucius Pisaeus Juvenalis herausgegebene Monachopornomachiav, in welcher er edie Greuel des wollüstigen Wittenberg» aufdecken wollte. Im J. 1540 wurde L. an dem Gymnasium zu Chur in Graubünden als Lehrer angestellt, wo er 24. Nov. 1550 starb. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: Amorum libri IVy (1542), das Epos Die Räteiso(neue Ausg. von Plattner, Chur 1874; 2. Aufl. 1883) und seine übersetzung der Odyssee (2 Bde. Bas. 1549). Vgl. die Biographie L. von Strobel (Nürnb. 1792) und Lessings Werke (Hempels Ausg., Bd. 8).