Lemnos, jetzt Limno, Limni, ital. Stalimene, türkische nsel, die bedeutendste des nördl. Agäischen (Thrazischen) Meers, in der Mitte zwischen dem Athos und der Küste von Troas gelegen, ist wesentlich vulkanischen Ursprungs. Der seit mehr als 2000 Jahren erloschene Vulkan Mosychlos galt den Alten als Wohnsitz des Hephästos, dem überhaupt die ganze Insel geweiht war. Dieselbe, von W. nach O. etwa 30 Em lang, von N. nach S. 15 km breit, ist fast ganz gebirgig und arm an Baumwuchs, aber für Getreide und besonders für Weinbau trefflich geeignet. Bekannt ist die hier gegrabene sog. Siegelerde (Terra sigillata Lemnia), die nicht bloß als Farbstoff, sondern auch als Heilmittel (gegen Schlangenbiß u. dgl.) Verwendung fand und bei Griechen und Türken noch heute findet. Die ältesten Bewohner, tyrrhenische Pelasger, waren als Seeräuber berüchtigt; durch Miltiades wurde die Insel der Herrschaft Athens unterworfen und von athenischen Kolonisten (Kleruchen) besetzt. Sie hatte im Altertum zwei Städte: Hephästia auf der Ostküste und Myrina auf der Westkuste. An der Stelle der letztern steht jetzt Limmo (oder Kastro), der Sitz eines griech. Bischofs, mit einem Kastell und etwa 2000 E. Die ganze Insel zählt 506 qkm, hat jetzt etwa 15000 E., meist Griechen, und bildet ein Liva des Vilajets Dschesairi Bahri Sefid. In byzant. Zeit war L. ein Erzbistum und gehörte zum Thema Agäum Pelagus, von 1204 bis 1269 der venet. Familie der Navigajosi. Vgl. Conze, «Reise auf den Inseln des Thrazischen Meerso (Hannov. 1860).