FeedLentülus
GeschichteBrockhaus 1882

Lentülus war ein Beiname, den die Mitglieder eines Zweigs des patricischen Geschlechts der Cornelier (zum Teil mit noch andern) führten. Ein Lucius L. soll nach Livius bei der Belagerung des Kapitols durch die Gallier unter Brennus 390 v. Chr. der einzige Senator gewesen sein, welcher riet, sich durch den Feind durchzuschlagen, nicht ihm den Frieden abzukaufen. Aus der spätern Zeit der Republik ist besonders Publius Cornelius L. Sura bekannt, der, nachdem er 75 v. Chr. Prätor, 71 Konsul gewesen war, im J. 70 mit 63 andern wegen seines unsittlichen Lebens durch die Censoren aus dem Senat gestoßen wurde. Nochmals Prätor geworden, verband er sich in der abergläubischen Hoffnung, er sei nach Cinna und Sulla der dritte Cornelier, dem die Herrschaft über Rom beschieden sei, mit Catilina 63 v. Chr. und stand, als dieser die Stadt verlassen hatte, an der Spitze der in Rom zurückgebliebenen Verschworenen. Durch seine Unentschlossenheit wurde die Ausführung des Plans, Rom anzuzünden und die Gegner zu ermorden, hinausgeschoben, und die Unvorsichtigkeit, mit der er sich mit den allobrogischen Gesandten einließ, trug vornehmlich dazu bei, daß Cicero ihn und die andern Häupter der Verschwörung zur Untersuchung ziehen konnte. Mit ihnen erlitt L. den Tod durch Henkershand im Gefängnis. Publius Cornelius L. Spinther, dem der vorige, nachdem er seine Teilnahme an der Verschwörung eingestanden hatte, zur Obhut übergeben wurde, war damals curulischer Adil, wurde 60 Prätor und war als Konsul 57 für die Rückberufung Ciceros thätig. Im Bürgerkriege 49 schloß er sich als eifriger Optimat dem Pompejus an, dem er früher verfeindet gewesen war, floh vor Cäsar aus Asculum und begab sich, nachdem ihn dieser aus Corfinium mit Domitius frei entlassen hatte, zu Pompejus, kam aber bald nach dessen Ermordung ums Leben. Lucius Cornelius L. Crus trat 61 v. Chr. als Ankläger des Clodius (l. d.) auf. Mit Gajus Marcellus stand er als Konsul 49 dem Cäsar entgegen und wirkte dahin, daß dessen Friedensbedingungen verworfen wurden; dann floh er zu Pompejus, dem er nach der Schlacht bei Pharsalus nach Agypten folgte, wo ihn die Räte des Ptolemäus töten ließen. Der einem Publius L., einem angeblichen Vorgänger des Pilatus, zugeschriebene Brief, der eine Beschreibung Jesu enthält, ist, wie die Person dieses L. selbst, erdichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 951Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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