Abbas Pascha, Vizekönig von Ägypten, zu Dschiddah in Hedschas 1813 seboren und in Kairo erzogen, trat frühzeitig in den ägypt. Staatsdienst, ward Generalinspektor der Provinzen und später erster Minister und Präsident des Rats ın Kairo, ın welcher Stellung er sich allgemeine Achtung, auch seitens der europäischen Konsuln erwarb. _Er wurde von Mehemed Ali zu seinem Nachfolger eingesetzt und im November 1848, nach dem Tode seines Oheims Ibrahim, — der sich, ihn verdrängend, mit Zustimmung der Pforte der Regentschaft bemächtigt hatte (s. Mehemail Ali), — vom Sultan i in Konstantinopel mit dem Vizekönigtum Ägypten belehnt. Er suchte auf dem Wege friedlichen Verkehrs mit den innerafrikanischen Territorien die Macht seines Landes zu erweitern, bevorzugte, der europäischen Civilisation abgeneigt, den Ackerbau, schaffte das Monopolwesen ab und befreite die Masse der Landbebauer von dem schweren Drucke der Erpressungen und Steuern. Seinem guten Willen stellten sich aber die zerrütteten Verhältnisse des Landes überall hindernd inden Weg. Die Pforte suchte darum auch bald die Gelegenheit zu ergreifen, Ägypten in das frühere Abhängigkeitsverhältnis zurückzuführen. Hierin wurde sie von den europälschen Handelsmächten unterstützt, wie auch von einer, A. feindlichen Partei, die aus Gliedern seiner eigenen Familie und abgesetzten Staatsbeamten (z. B. dem ehemaligen Handelsminister Artim Bey) bestand. So trat die Pforte plötzlich mit einer Reihe von Forderungen gegen A. heran, deren Erfüllung die Macht des Vizekönigs von Grund aus hätte brechen müssen. A. antwortete durch grosse Rüstungen. Gespannter wurde die Lage noch dadurch, dass die Pforte im September gegen den von A. eigenmächtig mit England geschlossenen Eisenbahnvertrag Protest erhob. Indessen kam es über alle Differenzen zur Ausgleichung und die Pforte sandte anfangs 1852 Fuad Efendi nach Kairo, um mit A. zu unterhandeln. A. versprach der Pforte jährlich 150.000 Beutel mehr Tribut zu zahlen, setzte die Dienstzeit des Militärs herab und nahm den Tansimat an. Dagegen wurde ihm das Recht über Leben und Tod in A., sowie das Recht der Verfügung über seine Unterthanen in Frohn- und Militärdiensten überlassen mit einer unbeschränkten Autorität über alle Glieder der Familie Mehemed Alis. Seitdem erwies er sich der Pforte in jeder Weise dienstbar, unterstützte namentlich den Sultan in dem bald darauf beginnenden Kriege gegen Russland mit Geld- und Getreidesendungen, Schiffen und 15000 Mann Truppen. Inzwischen war auch der Eisenbahnbau gefördert worden; am 4. Juli 1854 wurde die erste Strecke (von Alexandrien bis zum Nil, 14 dtsch. Meilen) befahren. So sehr sich auch unter ihm die Stellung des Vizekönigs zu Gunsten ihres Inhabers gebessert hatte, so wenig war jedoch des Landes Wohl gefördert worden. Da starb A., erst 41 Jahr alt, plötzlich in der Nacht vom 12. zum 13. Juli 1854; er wurde morgens tot auf einem Divan seines Palastes Benha el Assal aufgefunden. Sein Nachfolger war Said Pascha.