Amhara, derjenige Teil Abessiniens, welcher vom Takazze südlich zur Spirale des Abai sich erstreckt, also Schoa, den östlichen Teil Amharas, bezw. die Südostecke Abessiniens, mitinbegriffen (Vivien de Saint-Martin), im Westen an zur Zeit noch unerforschte Gebiete des Sennar grenzt und in dessen annähernder Mitte der Mana- oder Tsana-See gelegen ist. A. zerfällt in mehrere Landschaften oder Provinzen, von denen die wichtigsten sind: Beghameder mit Gondar (der Hauptstadt vor. A.), Debra-Tabor, Debra-Mariam, Kiratsa etc.; Semien (die „abessinische Schweiz“) mit den Hauptorten: Entschetkab und Dobarek; Gojam mit dem Hauptort Mota und Damot; ferner: Ifat, die wichtigste Provinz Schoas (vgl. Schoa). — Seine Bewohnersind die gleichnamigen, mächtigen und verbreiteten Stämme, die A. und Schoa im Besitz haben (Hartmann) und auch zerstreut in den übrigen Landesteilen wohnen. Ihre Sprache ist das Amharinja (8. d.). — A. war bis 1852 ein selbständiges Königreich unter dem schlauen Ras Ali, der sich 1833 der Herrschaft bemächtigt hatte, aber von Kasai (nachmals Theodor II.) 1852 gestürzt wurde und bei den Stämmen der Wollo-Galla Zuflucht suchen musste. Nach der englisch-abessinischen Expedition und dem Tode Theodors II. war A. wieder mehrere Jahre ein selbständiges Staatswesen unter Gobasie, dem Waag-Schum oder Dedjas von Lasta, der aber von seinem Rival, dem jetzigen Negus Negest Johannes, zum blossen Statthalter degradiert worden ist,