Kalabar (Kalebar, Kalbari), das niedrige und flache Gestade, welches die Biafra-Bucht im Norden, in dem östlichen Winkel des Guinea-Busens (zwischen dem Kamerun-Gebirge im Osten und der Mündung des Kworra oder Niger im Westen) umspült, ist von den Europäern wegen eines in einem breiten Ästuarium dort mündenden Flusses dieses Namens „Kalabarküste“ benannt worden. Der gewöhnlich „Alt-Kalabar“ genannte, aus Nordosten kommende grosse Fluss, dessen Mündung ziemlich unter 69 10‘ östl. L. und 4° 35° nördl. Br. liegt, ist in der ganzen Ausdehnung seines Laufes bis zur Zeit noch nicht bekannt. Seine Ufer sind mit zahlreichen Negerdörfern besetzt. Die Gegend des Kalabar-Flusses war ehemals ein wichtiges Zentrum des Sklavenhandels; heute wird Palmöl in grosser Menge hier verhandelt. Die Küste ist ein Miasmenherd, die Ströme sind von sehr starkem Gefälle, das Meer ist stürmisch, von furchtbaren Orkanen heimgesucht; die Neger sind die wildesten Barbaren. Nichts Geringeres als die durch den grossen Gewinn beim Sklavenhandel wachgerufene Habgier war notwendig, um die europäischen Fahrzeuge an diese verderbenschwangeren Küsten zu locken. Dagegen befindet sich der dieses Gestade im Süden beherrschende Kamerun in einer landschaftlich und sanitär so vorzüglichen Lage, dass schon Burton, welcher ihn 1862 besuchte, ihn als Stätte für ein Sanitarium empfahl. — Es herrschen an der Kalabarküste, wie in allen tropischen Gegenden, zwei Jahreszeiten: die regelmässigen Regen währen vom Mai bis zum Oktober; die stärksten fallen im Juli und August. Der grösste Teil der trocknen Jahreszeit über herrschen dichte Nebel an der Küste; dieselbe wird deshalb von den Englindern „smoke season“ genannt; sie ist die kälteste Zeit für die Eingeborenen und die ungesundeste für diese, wie für die Europäer. In der Regenzeit (oder heissen Zeit) hat man zeitweise 36° beobachtet; für gewöhnlich bewegt sich die Temperatur. zwischen 26 und 30 oder 32°, Der „König“ des Landes hat seinen Wohnsitz in der ca. 30 km vom Meere gelegenen Stadt Duke Town. Die Bevölkerung von Alt-Kalabar und vom ganzen Lande bis zum untern Niger gehört dem Ibo-Stamme an, der.den Jebu in der Umgegend von Lagos verwandt sein soll. Der „Neu-Kalabar“ ist ein, in 4° 36‘ 15“ nördl. Br. und 4 37 41” östl. L. (beim gleichnamigen Dorfe) gelegenes Ästuarium. Es wurde lange Zeit als zum Alt-Kalabar gehörig betrachtet, hat sich aber nach den Forschungen neuerer Reisenden (Charles Givard etc.) als ein Abfluss des Nigerdeltas herausgestellt.