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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885
Strassenbau am Kongo.
Strassenbau am Kongo.

Kongo, 1) grosses Landgebiet an der Westküste des äquatorialen Afrika; es erstreckt sich von Süd nach Nord über drei, von West nach Ost über drei bis vier Grade. Es berührt die Küste des Atlantischen Ozeans im Süden vom Kongo-Flusse (oder Zaire), welcher ihm als Grenze dient, und wird zwischen 5° etwa und 7!/,° südl. Br. begriffen. Indessen hat der Name Kongo oft eine ausgedehntere Bedeutung, indem man ihn braucht, um die Gesamtheit der Negerländer zu bezeichnen, welche mit dem Delta des Ogowe, wenig diesseits vom 2." südl. Br., anfangen und sich an der Wüste entlang bis zum Kap Negro, in der Gegend des 1b. Breitengrades erstrecken. Dieses Landgebiet, das einer bestimmten allgemeinen Bezeichnung ermangelt, ist von den Geographben bald „Nieder-Guinea*, bald „Süd-Nigritien*, bald „Angola-Küste* und noch anders benannt worden. Die Bezeichnung „Kongo“ eignet sich für dieses Landgebiet um so besser, als nach den alten Berichten die Mehrzahl dieser Länder ehemals Teile eines grossen politischen Reiches gebildet haben, an dessen Spitze das eigentliche Kongo gestanden ist. Alle vom Ogowe bis zum Kap Negro gesprochenen Dialekte haben grosse Verwandtschaft unter sich. Sie scheiden sich voneinander, soweit man sie kennt, nur durch mundartliche Abweichungen, ohne indessen ein genau bestimmtes Sprachgebiet darzustellen; man hat zwar ein solches unter der Bezeichnung „Bunda‘ oder „Bonda“-Sprachen auszubilden versucht; bei dem Stande aber, welchen die Philologie im dunkeln Erdteil gegenwärtig noch einnimmt, haben der-. artige Klassifikationen noch keinen andern als nur einen provisorischen Wert. Die Hauptlandstriche, welche gemeinhin unter der Bezeichnung Kongo (im kollektiven Sinne) begriffen werden, sind: Loango, das eigentliche Kongo, Angola und Benguella. Die ganze Küstenzone vom 3. und 4.0 nördl. Br: an bis zum 15." südl. Br. zeigt jenen gemeinsamen Gestaltungszug, dass vom Meeresgestade an, dessen Flachland sich niemals weit von der Küste erstreckt, eine Reihe von statfelförmigen Erhebungen nach dem innern Hochlande zu aufsteigt. Diese Gestaltungsform übt einen grossen und heilsamen Einfluss auf das Klima, indem es die ausserordentliche Hitze dieser tropischen Gegenden abschwächt. Man unterscheidet nur zwei Jahreszeiten: die trockne Jahreszeit vom März bis Oktober, wenn die Sonne in der nördlichen tropischen Zone steht, und die Regenzeit vom Oktober bis März, wenn das Gestirn die Linie überschritten hat und gerade über den Ländern des Südens steht. Die Regen fallen in sündflutartigen Strömen; die Sturmwinde sind von einer ausserordentlichen Heftiekeit, vornehmlich in der Zeit vom Februar bis zum Anfang April. Die Jahreszeiten verändern sich übrigens ein wenig je nach der grössern oder geringern Nähe an der Linie. Die Winterregen geben einer zahllose Menge von Wasserläusen Nahrung; aber es giebt auf der ganzen, 1500 —2000 km. langen Küstenstrecke nur zwei, welche den Namen eines Stromes verdienen, das sind der Ogowe und der Zaire oder Kongo; weiter südlich sind noch von den an der Küste mündenden Gewässern der Koanza und der Kunene zu nennen. Über diese vier Flüsse hat uns erst die neueste Zeit genauere Nachweise gebracht durch die glücklichen Forschungen Livingstone’s, Camerons, ‚Stanley’s, Brazza's und, ı zahlreicher deutscher Reisenden. Die Bevölkerung der vier Land: gebiete, welche unter dem Begriffe Kongo im weitern Sinne zusammengefasst werden, zeigt im allgemeinen einen weniger hässlichen Typus, als ihn die Neger Guinea’s zeigen. Sie scheint sich der Klasse der Negroiden (oder Mischrassen) des südlichen Afrika zu nähern. Ihre gewöhnlichen Waffen sind der Bogen, ein aus Sehr hartem Holze gefertigter Säbel und ein sichelartig geformtes geschliffenes Beil. Sie verstehen, ihre Pfeile zu vergiften. Als Schutzwaffen tragen sie einen Schild oder decken sich mit einer Tierhaut; einige bemalen sich, um durch ihren Anblick Schrecken zu bereiten, den Körper mit Figuren von Schlangen und anderem wilden Getier. Die Frau lebt bei ihnen, wie in den meisten afrikanischen Ländern, im Zustande der Sklaverei; sie ist nur wenig besser daran als ein Lasttier. Das europäisshe Element, welches bis in die jüngste Zeit in den portugiesischen Besitzungen im Verhältnis zur eingeborenen Bevölkerung äusserst schwach war, wächst seit einigen Jahren in bemerkenswerter Weise, vornehmlich am Unterlaufe des Koanza und in Mossamedes. Bei der barbarischen Rohheit, in welcher die Eingeborenen dieser Geenden noch versunken sind, ist von irgend welcher Ausnutzung der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens keine Rede. Das dem Meeresge»tade naheliegende F:achlund ist oft überschwemmt und infolgedessen ungesund. Im Innern sind ungeheure Strecken mit wundurchdringlichem Wald bedeckt. Aber auf weite Strecken hin schmückt sich der Boden auch mit einer heırlichen Pflanzenwelt. Die Grasebenen in der Nähe von Flüssen und in den gebirgigen Gegenden sind mit wohlriechenden Blumen angefüllt und weite Felder- und ' Ackerstrecken erzeugen eine Menge von Körner-Früchten, von deren Verschiedenheit man in Europa keine Vorstellung besitzt. So wird eine Art genannt, welche bei den Eingeborenen „lubo“ oder „lunoo“ heisst, und ein sehr weisses, im Geschmacke dem Käse gleichkommendes Brot liefert, Der Mais wird dreimal im Jahre geerntet. ins grosse Auzahl von Küchengewächsen, welche durch die Portu- ® giesen eingeführt worden sind, gedeihen vorzüglich. Alle der zone eigentümliche Frucht gedeiht hier im Überfluss; die Yabakpflanze und das Zuckerrohr wachsen gewissermassen ohne Pflege. Es wachsen verschiedene Arten der Palme hier, darunter die Elais sylvestris, deren Saft einen milden, sehr angenehm schmeckenden Wein liefert, während die Frucht ein gutes Brennöl giebt. Die Wälder bergen kostbare Bäume in Mengen, und die Ufer des Zaire oder Kongo sind mit Tamarinden und Zedern von mächtigem Wuchse bestanden. Unter den übrigen Bäumen ragt der Baobab mit dem riesigen Stamm und den Brot spendenden Früchten hervor. Die botanische Wissenschaft vermag sich aus diesen Gegenden durch eine Unzahl exotischer Gewächse zu bereichern. Die Baumwollstaude gedeiht hier; ihre Kultur hat sich seit 1859 in bedeutender Weise gesteigert. Das gleiche silb vom Kaffeebaum und Zuckerrohr. Jaspis, Eisen und Kupfer, Por phyr und Marmor bergen die Gebirge; Kohlenlager sind an zahlreichen Punkten gefunden worden; Salz wird auf mannigfache Weise an der Küste gewonnen. Die Fauna in diesen Gebieten ist ungeheuer reich. Von den wilden 'Dieren sind hier zu finden: der Ble fant, Leopard, Löwe, das Wildschwein, der Büftel, der Schakal, das Zebra, ı verschiedene Antilopenarten, das Stu chelschwein, eine grosse Menge von Affenarten, unter ihnen der Gorilla, der grösste der anthropomorphen Affen. Die Flüsse bergen Flusspferde, Krokodile und Schildkröten. Die Küsten wimmeln von Fischen, von denen hier mehrere in Europa unbekannte Arten vorkommen. Die Reptilien sind zahlreich, aber wenige von ihnen sind -giftig; die bemerkenswerteste Art ist die ungeheure Pythonschlange; auch Chamäleons, fliegende Eidechsen (die für die Eingeborenen ein Gegenstand der Verehrung sind) sind hier anzutreffen. Von Vögeln giebt es Strausse, Pfaue, verschiedene Papageienarten, auch zahlreiche europäische Vögelarten bevölkern die dichten Wälder. Eine Unmenge von schädlichen Insekten lebt in diesen Landgebieten: der Moskito, der Banzo (dessen Stich als tödlich gilt), ungeheuer grosse und gefrässige Ameisen; der Jesondi, welcher in den Rüssel des Elefanten kriecht und das Tier unter Wutausbrüchenzum Tode bringt; Termiten, welche Waren, Lasten, das Zimmerwerk der Häuser, kurz alles ihnen Zugängliche zu Staub zernagen. Zahlreiche Bienenschwärme irren in den Wäldern und geben einen kostbaren Honig. Fast sämtliche Haustiere Europas sind durch die Portugiesen akklimatisiert worden. Das eigentliche Kongo-Land (das alte Kongoreich) ist ein Land von einer beträchtlichen Ausdehnung. Im Norden vom Kongo, im Süden durch den Lodse- oder Bamba-Fluss begrenzt, umschliesst es drei Breitengrade, in seiner grössten Ausdehnung, vom 5. Grade etwa an bis zum 8. Grade. In der Breite erstreckt es sich von den Küsten des Atlantischen Ozeans (mittlere Länge 100 30‘ östl. v. Par.) nach dem Innern über 5 -6 Grade vom Meere. Sein Flächenraum entspricht etwa einem Vierteildes deutschen Reiches. Demim Vorhergehenden über Gestaltung, Klimatologische Verhältnisse, Produkte, Tier- und Pflanzenwelt Gesagten ist nur die Schilderung (avazzı's anzu fügen: „Der Winter im Königreiche Kongo hat die Milde des Frühlings oder Herbstes in Italien. Das Land ist vom Regen nicht abhängig, sondern es fällt an jedem Morgen ein die Erde befruchtender Tau“. Eines der bemerkenswertesten Gebirge des Innern wird in den Berichten der Portugiesen als „Montes Queimados‘ (oder „Abrasados*, s. v. w. „Vverbrannte Berge“) genannt. Der Name deutet auf den vulkanischen Ursprung des Gebirges hin. Weiter nach Osten hinsind verschiedene, zu dem zentralen Plateauland gehörige Ketten unter den Namen: „Serra do Sol“ (Sonnenberge), „Serra de Salnitre“ (Salpeterberge), „Serra de Crystal“ (Kristallberge) bekannt. Dieser letztere Name findet sich weiter nördlich, dem Aquator zu, wiederum und soll ihm, wie man wissen will, infolge seines Kristallreichtums gegeben worden sein. Mit Ausnahme des von den sSeeen im Osten herströmenden Kongo kommen sämtliche, das Land bewässernde Bäche und Flüsse von den Bergen des Hochplateaus herab und nehmen ihren Lauf dem Ozean zu. Die und dem Lande sind: die Lunda (oder Lelunda), die Ambrisette, die Selanga, die Lodse (auch Rio de Ambris nach deranseiner Mündung gelegenen Stadt genannt), der Onso oder Onsoni und endlich die Lufune. Das eigentliche (alte) Kongo-Reich umschliesst also eine ziemlich grosse Zahl von Ländern, welche ebensoviele Eingeborenen-Reiche waren bezw. noch sind, und deren Häuptlinge den Titel „sova“ oder „mani‘ tragen. Es giebt deren sechs grössere, welche von den Portugiesen, zur Zeit ihrer Alleinherrschaft am Kongo, zu Provinzen erhoben worden unter den (für ein solches Land wenig geeigneten) Titeln von Herzogtümern oder Grafschaften. Es sind dies die Territorien von Sonho und Sundi im Norden, am rechten Ufer des Kongo; Bamba im Westen am Atlantischen Ozean; Pemba, Batta und Pango im Innern. Die Bewohner des Batta-Landes nennen sich Masombi oder Asombi. Unter den Landschaften im Innern werden genannt: Mossulu, Encoghe, Oando, Vamma etc.; von Völkerstämmen im Innern: die Mossoro, Dembo, Amulassa, Angonga, Mahoanga u. a. Die Kongo-Neger, zum mindesten die mit den Portugiesen in Verkehr st-henden, geben sich den generellen Namen „Mosicongo*. Im der Gegenwart besitzen die Portugiesen nur noch ein gewisses Ansehen in den Küstengegeuden. Das auf den Karten dieser Gegenden oft genannte Wort „banga“ bedeutet Stadt; ein Flecken oder Dorf wird von den Eingeborenen „libatte* genannt. — „Banga Kongo“ oder die Kongostadt bestand gewiss schon vor der Ankunft der Portugiesen als die Hauptstadt des Landes. Bei den Einveborenen heisst sie Ambassı. Sie liest im Gebiete von Pemba, 170 km östlich von der Kongo - Mündung, 390kmnordöstlich von Sao Paolo deLoanda. Hier residierte der „söva“ oder König des Landes. Nach den beiden Reisen von Diogo Caö, welcher,. wie bereits gesagt, im Jahre 1434 die Küsten entdeckte und den Kongo-Strom 1485 und 1487 ziemlich weit hinauf fuhr, empfing der Negerkönig unter dem Namen Don Joao de Sylva die Taufe, und bald kamen von Lissabon Missionäre, um an der Bekehrung des Heidenvolkes zu wirken. Entzückt von der glücklichen Lage der Königsstadt auf einer Höhe, welche den Aufenthalt für Europäer zu einem gesunden machte, erwählten sie dieselbe zu ihrem Zentralsitze und gaben ihr den Namen Sao Sulvador. Als die Herrschaft der Missionäre an Ausdehnung gewann, als das Kongo-Reich und seine Nachbarländer als portugiesischer Besitz erklärt wurden, als man die Gebiete der Häuptlinge in Distrikte und Provinzen, die schwarzen Häuptlinge in Herzöge, Fürsten und Marquis wandelte, wurde San Salvador als die zivile und kirchliche Hauptstadt der portugiesischen Besitzungen des westlichen Afrika betrachtet, ohne dass dieselbe aufhörte, Residenz des Eingeborenenfürsten von Pemba (mit der Eigenschaft eines Königs von Kongo) zu sein. Kirchen, Klöster, öffentliche und Privatgebäude erstanden in San Salvador, welches halb zur europäischen Stadt wurde. Portugiesische Familien liessen sich in derselben nieder. Aber eine schreckliche Katastrophe brach über sie herein um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Kannibalenhorden aus dem Innern Afrikas, deren Namen Giaphi oder Djagga lange Zeit ein Gegenstand des Schreckens gewes-n ist, verwüsteten das Kongoreich mit Feuer und Schwert und trugen die Verheerung bis nach San Salvador, das sie dem Erdboden gleich machten. Dank einer portugiesischen Armee,welche deneingeborenenFürsten zu Hilfe kam, wurden die Djagg.«- Horden vertrieben; die Stadt erstand wieder; die Bauten wurden schöner und zahlreicher wiederhergestellt, als vordem. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts, welches die Zeit ihrer höchsten Blüte war, zählte die Stadt Sin Salvador beinahe 40.00) Einwohner. Der Regierungs-Palast war ein grosser Holzbau, den eine Steinmauer umgab. Lange Jahre hindurch wurde ein Jesuitenkolleg und ein Mönchskloster von der Lissabonner Regierung hier unterhalten; einBischof hatte hier seinen Sitz. Ausser einer grossen und schönen Katlıedrale zählte man nicht weniger als zehn Kirchen oder Kapellen in San Salvador. Aber diese glückliche Zeit währte nur ein halbes Jahrhundert. Im Jahre 16#6 brach der Krieg aus zwischen dem Koneo-König und dem Fürsten von Sonho (einem Lande, welches an das südliche Ufer des Kongo zwischen San Salvador und dem Meere stösst). Der König, welcher sich nach den hierarchischen Regeln Europas als Herr des Landes betrachtete, hatte das Sonho-Land an die Lissabonner Regierung abgetreten. Der Häuptling desselben aber hielt sich, trotzdem man ihm den Herzogstitel verehrt hatte, als unabhängig und verweigerte die Einwilligung zu dem zwischen dem Kongokönig und der Lissabonner Regierung getroffenen Abkommen. Ein Krieg brach aus, an welchem die Portugiesen sich beteiligten. Nach verschiedenen Wechselfällen endigte derselbe mit einertotalen Verschiebung der Macht der Portugiesen im Kongo-Reiche. , Der „sova“ von Sonho behielt nicht allein seine Unabhängigkeit, die er noch heute besitzt, sondern der Kongo -König wurde genötigt, seine Lehenschaft der portugiesischen Regierung aufzukündigen und alle Verbindung zwischen seiner Hauptstadt und der Küste abzubrechen. Seit dieser Zeit sahen sich der Bischof, die Missionäre und anderen Europäer genötigt, San Salvador zu verlassen, das seit zwei Jahrhunderten und länger wieder eine „banza“ geworden ist, d.h. eine vollständige Negerstadt, in deren Umgebung eine völlige Stille herrscht. Was in dieser Zeit eines zweihundertjährigen Verfallens aus San Salvador geworden ist, hat uns endlich Bastian berichtet, als er 1857 ins Innere der portugiesischen Besitzungen Westafrikas vordrang und das Wagnis einer Reise nach San Salvador ausführte, welches seit zwei Jahrhunderten von keinem gebildeten Europäer betreten worden war, zu welchem der Zutritt lange Jahre hindurch jedem Weissen verboten war. Was San Salvador war, davon zeugt nur noch ein Haufen von Erdhütten, der halb unter hohem Grase versteckt liegt. Von der alten Stadt erkennt man kaum noch die Spuren ihrer Lage; geschweige von den alten Steinbauten der Kirchen und Klöster. Die in einzelnen Gruppen verstreut liegenden Hütten der Schwarzen sind mit starken Hecken umgeben, hier. und da von Baumgruppen überschattet, aus deren Mitte Palmen ihre Wipfel herausrecken. Nichtsdestoweniger wohnt der schwarze Häuptling, der sich nach wie vor König von Kongo nennt, auch jetzt noch hier. Er führt mach Livingstone) auch den Titel eines Herrschers von Angola und schreibt an den Gouverneur in Loanda nie anders wie an einen von ihm abhängigen Vasallen. Desgleichen lässt er sich anch jetzt noch durch katholische Priester weihen, welche zu diesem Zweck aus Loanda berufen werden. Nach den alten Traditionen Kongos (vergl. Bastian, „Die deutsche Expedition an d. Loango-Küste*,S. 144 ff.) soll ursprünglich eine grosse Zahl unabhängiger Fürsten im Lande geherrscht haben, bis sich Nimi-a-Luqueni zum Oberherrn erhob. Ihm folgte Nangaquis-Tinu und diesem Cuu-a-Tinu, Vater des Nizinga-a-Cuu, der als Juan I. getauft wurde und seinen Sohn Alfonso I. (Ginga-a-Leumla) zum Nachfolger hatte in Banza- Ambassie (San Salvador oder Congo - di - Angungo) oder (nach Marmol) Ambos-Kongo. Noch zu Cavazzi’s Zeit wurde im Walde zu Criquilu ein heiliger Ort gezeigt, der nicht angeblickt werden durfte, da dort die Wohnung von Kongos erstem König gewesen. Von der die Hauptstadt (Ambassie) enthaltenden Provinz Pombe aus, mit Bamba zwischen Ambriz und Lodse (mit der Hauptstadt Panga) verbunden, scheint sich das- kongesische Reich ausgedehnt zu haben, nachdem das von den Mosombi (s. Labat.) bewohnte Batta (zwischen Sundi und Pembe) oder (nach Purchard) Aghirimba freiwillig zugetreten war. Sundi (von Pango zum Bancari) war die Kronprovinz des Erbprinzen, und die Sitten Sundi’s wurden mit Waffengewalt' in das eroberte Pango (von Sundi oder Kongo) eingeführt. Kondi und Pango de Okango (östlich von Batta) wurde (nach Dapper) durch einen dem Mani von Batta unterwürfigen Fürsten beherrscht. Sonho, an der Mündung des Zaire, war stets ein unsicheres Besitztum und machte sich ganz unabhängig (1570), als Loanda an die Portugiesen cediert wurde. Die durch den Fluss Lombige oder Zenza von Golungo Alto geschiedene Provinz der Dembos berief sich oft den Portugiesen gegenüber auf nominelle Abhängigkeit von Kongo. Jenseits des Flusses Dande traf Battel Musicongos aus Bamba (durch den Burge-Fluss von Pembe getrennt), wo der Giaga Üassange (nach Kreuzen des Üoanza) verwüstend einfiel. Die Abundos sind die Sieger, und sie veränderten die Bedeutung der Mucha-Kongo oder Acha-Kongo aus Reich der Lenker (Erben oder Herren) in Reiclı der Schuldner, als Unterworfener (nach Cannecattim). Diese Eroberer mögen (gleich den späteren Jaga) aus dem Innern (von den sprachverwandten Molua) gekommen sein, und ein Zweig derselben, der seine Dynastie auf den Thron des Königreichs Kongo setzte, bildete, mit den Eingeborenen vereinigt, einenneuen Staat, der von der Hauptstadt Kongos beherrscht wurde und seinerseits wieder dem Prinzen Angöla zur Eroberung Dongos (Dongo-Angolas) absandte. Battel spricht von einem Feldzug der Portugiesen im Innern von Kongo, auf welchem diese nach vielem Blutvergiessen die Provinz Ingombi eroberten und dann (über Sagno) Engoy-Kayongo [Kakongo] mit der Hauptstadt Kabinde ‘in Anyoy), so- wie Loango, Bengo, Colongo oder Cilongo, Mayombe, Monikesoche und Matamba. Als Admiral Houtebeen (Cornelius Cornelis on Jol) Loanda erobert und Cesar de Menezes auf den Bengo zurückgeworfen (1641), knüpften die Holländer mit König Alvaro von Kongo Verhandlungen an (1642), und die Portugiesen. haben später keinen Einfluss wiedergewinnen können. Sa da Bandeira spricht von einer Einnahme holländischer Faktoreien u. Festungen in Loango und Pinda, als Salvador Correa de Sa nach Wiederherstellung der portugiesischen Macht in Angola (1648) dieselbe auch in Cabinde, Loango und am Zaire befestigte. Der Gouverneur D. Manoel Pereira vertrieb im Jahre 1604, sowie 1409 die holländischen Korsaren von Pinda (an der Mündung des Zaire). Von einem Regierungswechsel berichtet Zuchelli (1702): „Jetzo ist vor vielen Jahren zur Königlichen Hoheit in Kongo erhoben und vielmehr eingeschoben worden Dom Pietro Aqua Rosata, allein er hat noch bis diese Stunde das Reich nicht unter sich bringen, noch sich in der Hauptstadt dieses Königreiches, welches Sankt Salvator ist, können krönen lassen, welche daher verwüstet und zerstöret liegt.“ Vor dieser neuen Dynastie herrschten (seit der Entdeckung): Joao Il. (+ 1402) Nginga-aneu, Alphonso I. (+ 1525) Nepenba-anginga, Pedro II. (+ 1530) Necanga-ampemba, Franeisco (F 1532) Nepuri-anginga, Diego (+ 1540) Necumba-ampuri, Henrique (+ 1542) Nerica-umpuri, Alvaro 1. (7 1587) Nenime-aluqueni-luambamba, Alvaro I. (f 1614) Nepanzo-animi, Bernardo (f 1615) Nenimi-ampanzu, Alvaro III. (f 1622), Pedro Affonso II. (+ 1624), Garzia (f 1626), Ambrosio I. (+ 1631), Alvaro IV. (f 1056), Alvaro V. (t 1637), Alvaro VI. fael I., D. Alfonso IT., D. Alfonso III., Auf Pedro II. (f 1683) folgte Sebastiio mit der Königin-Mutter Donna Potencia, und dann Saräke das Reich durch die Jaga verwüstet, aus deren Stamm Don Jose oder Nepavi-giacanga schliesslich den Thron bestieg (71784. Der Aufstand Jozam tambas gegen den kongesischen König D. Afonso Afonso wurde unterstützt durch die Nazacas (Majacas), que som ferozes como os Jagas) (Cadornega). Dom Bernardo (König von Kongo) fiel im Kriege gegen die Suquas (8. Baptista). Auf 0% II. folgte (1754) sein Bruder (der Marquis von Pembe), als D. Affonso V. oder Necanga -aconga (im Februar 1784), und in fernerer Succession, worin wieder der König Heinrich (1798) auftritt, werden in einer Liste, die Herr Vasconcelhos Abreu anfertigen zu lassen die Güte hatte, folgende Namen aufgezählt: Don Antonio II. (Nevitaapangu), D. Alvaro XI. (Necanga-acanga), D. Aleixo 11. (Nepanzu-amabanda), D. Henrique I. (Nemassaquimassange), D. Alvaro XII. (Nepanzuanimi), D. Garcia IV. (Necanga-amabundu), D. Garcia V. (Necanga-amabunda) 1514-1825, D. Andre I. (Nebigie-aluquiene) 1825 - 1842 und D. Andr6 IIL., D. Henrique (Nepunzudem‘ sein Neffe D. Pedro V. (Mar- und dann der jetzt regierende Fürst. (Siehe auch :- Ein Besuch in San Salvador, Hauptstadt des Königreichs Kongo, Bremen 1859). Über die Organisation des alten Kongostaates zur Zeit, als die Portugiesen den Fuss «an den Kongo setzten, giebt dieselbe Quelle die folgenden Nachweise: Das von den Mussi-Konge bewohnte Königreich Kongo, das im Gegensatz zu Kakongo oder Klein-Kongo als Gross-Kongo (Kongo di angungo oder Kongo gangunga) bezeichnet wird, enthält die Provinzen Umganda, Kellündua, Lunsechi, Gosella, Tschimamuinehu, Tuku diakililenge, Kimiäla, Makuta, Bansam tanda, Sonba, dann Basam puto, als Grenzprovinz gegen die portugiesischen Kolonieen, und Sundi als Grenzprovinz gegen die Mantetje, ferner Noki zwischen der Hauptstadt San Salvador und dem Zaire. Cardozo de Castellobranco e Torre nennt als kongesische Fürstentümer (mit denen von St. Joze de Encoge gehandelt wurde) die der Dembos, Quitexe, Damby, Ambuila, Dala-Malundo, Duque de Quinau. a. m. (1825). Zu Lopez’ Zeit erstreckte sich Bamba vom Fluss Ambriz bis zum Coanza, die Provinz Sognus vom Ambriz (über die Flüsse Lelunda und Zaire) bis an die Rupes rubras (an der Grenze Loangos). Die Hauptstadt der Provinz Sundo lag in der Nähe der Katarakten, die Hauptstadt Pangos (Panguelungos) am westlichen Ufer des Flusses Barbela (der sich oberhalb der Katarakten mit dem Zaire verbindet). Die Provinz Batta (nördlich von der Konfluenz der Flüsse Barbela und Casinga) erstreckte sich östlich über den Fluss Barbela hinaus bis zu d:n Sonnenbergen (ad montes Solis). In der in Pemba gelegenen Hauptstadt Kongos herrschte Don Antonio Manipemba (Sohn des verstorbenen Königs Alvaro). Bei Battels Feldzug war die Unterwerfung der Provinz Ingombe (am Kongo) besonders schwierig für die Portugiesen und kostete viel Blut. Nach Besiegung des Königs zog das Heer über Songo gegen Engoy - Kayongo und dann nach Cambamba. Als unterworfen wurden genannt: Engoy, Loango, Bengo, Colongo oder Cilongo, Mayomba, "Manikesok und -Matamba. Die portugiesische Regierung erhob bekanntlich Ansprüche auf das gesamte Gebiet des Kongo. Ihre Hoheit besteht im Süden desselben, in (r 1642), der als Herzog von Bamba den Thron Kongos bestieg, Garcia II (t 1657), als Necanga-aluqueni (früher Marquis von China), Antonio II. (+ 1666), als Nevita afanga, Alvaro VII. (+ 1667), als Nepanza - amassundu (durch den Grafen von Sonho gestürzt), Alvaro VIII. (+ 1671). Dann fiel die Herrschaft an Pembe (vor dessen als Pedro gekröntem Marquis der König von S. Salvador nach Bemba flüchtete), nach längeren Kriegen mit den Portugiesen, von denen besonders Louis Lopez de Siqueira die auf dem Gebiet des Dembo von Ambuilla vermuteten Goldminen zu erkämpfen gesucht hatte. Die (1781) nach Kongo reisenden Missionäre hörten „que era vivo um D. Pedro V., verdadeiro rey do Congo“ (unter der Regierung D. Joses 1.). Nach dem Tode D Antonios (in Onlanga) wurde Kongo durch bürgerliche Kriege der Prätendenten zerrissen, bis zur Erwählung D. Pedro VI. (1694), der nach lüngeren Kämpfen die Empörer besiegte (1709), obwohl noch von den Moxilongos Sonhos bedroht (s. Pedro Mendez). Dom Afonso (1517) betitelt sich: Rey de Congo :e Senhor dos Embundos oder (1512) Rey de Manicongo e Senhor dos Ambudos (in Briefen an den König Portugals). In einem Schreiben an Papst Paul III. (1532) heisst es: Dom Affonso pella graca de deos Rey de comguo Ibungu e cacomgo emgoyo, daquem e dalem uzary Senhor dos ambundos e damgolla daquisyma e (musuauru) musuaru de matamba e mulylu (muyllu) e de (musuco) musucu e dos amzicos e da conquista de pamzu (pamzo) alumbu (panzulumbo) etc. Nach den Königen Angolas: Angola Aquiloangi, Angola Ambandi, Angola Aquiloangi, Kainha Ginga, D. Antonio Carrasco, Rainha, D, Barbara da Silva, D. Joam Guterres Angola Canini, D. Luis, D. Francisco Guterres Angola Canini, D. Veronica Guterres (Rainha de Matamba) folgten, im Reino de Dongo: D. Felippe de Souza e Angola, D. Joan de Souza (bis 1680). Als Liste der getauften Könige Kongos giebt Cadornega:DomJoaml,, D. Afonso, D. Alvaro, D. Alvaro IL, D. Alvaro III., D. Pedro Aftonso I, D. Pedro Affonso 1I., D. Garcia, D. Antonio, D. Afonso Afonso, D. Rafael, D. Daniel de Gusmam, D. Garcia, sowie D. Francisco und D. Hen-Der Brief Dom Manuels (1512) ist gerichtet an D. Affonso, als Rei de Manicongo e Senhor dos Ambudos. Nach Cavazzi stammen die Könige von Kongo aus Carimba. D. Pedro Aftonso (filho legitimo do duque de Sundi, D. Affonso Mobica an Tumba) stammte vom primeiro Kei e conquistador do Congo, porque elle so chamou Motinu (Mucinu 6 rei) e por outro nome Nimi. Seinem Sohn Eucu a Motinu (quarto rei do Congo) folgte Nginga ancu (quintc rei do Congo), der als D. Joao (1491) getauft wurde (s. Rodrigues) 1624. König Pedro von Kongo wurde beunruhigt, da guerra de Engombe e Cabenda, que o Capitadö Sylvestre Soares destruio com o quilombo dos Jagas, sowie durch die Zerstörung des Königreichs Bango pelos Jagas com consentimento del rei de Loango, cousa que el rei sentiv mucho por sero tronco e origem aquello reino dos Reis de Congo (bei Rodrigues). Bei Miguel de Castro befindet sich als Liste der Könige Kongos: Dom Joam I., D. Afonso I., D. Pedro I1., D. Diogo I., D. Bernardo L., D. Francisco I., D. Alvaro I, D. Alvaro Il, D. Bernardo 1l., „D. Alvavo II, D. 7 Pedo II, D. Graeia I, D. Ambrosio L., D. Alvaro IV, D. Alvaro VW, D. Alvaro VI, D. Gracia IL, D.Antonio I., D. AlvaroVII., D. Alvaro VIL., D. Pedro III, D. Alvaro IX., D. Ra-Angola und Benguella, wurde aber im eigentlichen Kongo- Lande thatsächlich stark bestritten und ist in Loango gleich Null. Als die Nordgrenze wurde, bis zu den Beschlüssen der Berliner Afrikanischen Konferenz (s. d.), gemeinhin der Lodse- oder Bamba-Fluss, welcher im Hafen von Ambris in den Ozeantritt(7°48'sdl.Br.) angenommen. England beanspruchte sogar die ze bis zum 8. Grad hinaufzurücken (Cameron, „Across Africa“ II, 276). Als die Portugiesen sich 1862 des nördlich vom Tau gelegenen Kinsabo bemächtigen wollten, den sie durch ein englisches und ein amerikanisches Kriegsschiff hieran gehindert. Damals schienen sich die Portugiesen mit der Lodse-Grenze zu begnügen; 18/6. aber erweiterten sie ihre Ansprüche und dehnten dieselben bis zur Malemba-Bai, also einschliesslich der Zaire-od.Kongo-Mündung, hinaus. Über die infolge der epochemachenden Entdeckungen des Amerikaners Stanley auf der Berliner Afıikanischen Konferenz festgesetzten Gebietsabgrenzungen vergleiche man den Artikel „Afrikanische Konferenz“ und Abschnitt 2) dieses Artikels. Im letzten Jahrzehnt begannen die Portugiesen für dies Ge-Bi ihrer Bastian, welches ohne jeden Zweifel kostbare Elemente für eine agrikulturelle Entwickelung in sich birgt, mehrfache, den Anforderungen der Gegenwart entsprechende Einrichtungen zu treffen: sie verband Lissabon mit den lusitanischen Inseln Afrikas durch eine Dampferlinie, welche einen regeimässigen Dienst zwischen San Paolo de Loando und England vermittelt; eine gleiche Linie zwischen Joando und Hamburg wird von Portugal subventioniert, eine dritte wurde zwischen Loando und Dembo (am Unterlaufe des Kuanza) errichtet; die portugiesische Regierung baute ferner eine Eisenbahn von Dembo nach Ambaca; sie gewährt den Pflanzern hohe Vorteile, ruft Kolonisten herbei, lässt das Land durch Gelehrte erforschen, errichtet Schulen in den verschiedenen Bezirken und hat in Loando ein Seminar begründet, um eingeborene Missionäre heranzubilden. Die Entdeckung und erste Erforschung der Kongo - Küste gehört den Portugiesen. Eine von Diego (oder Diogo) Caö befehligte Karavelle, auf welcher sich der Nürnberger Kosmograph Martin Behaim befand, der Verfasser des berühmten, in Nürnberg noch jetzt aufbewahrten Globus, erreichte gegen Ende 1434 ‚die Kongomündung, zwei Jahre vor der Entdeckung des Vorgebirges der Guten Hoffnung durch Bartolomeu Dias und drang 1485 bis zum Kay Negro vor. ‚Die ersten portugiesischen Missionäre trafen im Kongo-Gebiete im Jahre 1821 ein, und die von Zeit zu Zeit durch einige derselben veröffentlichten Berichte waren so ziemlich die einzigen Nachrichten, welche man über diese Gegenden besass. Die wichtigsten dieser Berichte sind diejenigen von Odoardo Lopez, welche Filippo Pigafetta 1591 veröffentlichte; von Angelo de Cattina und Carli de Piacenzi 1672, von Cavazzi 1657, von Zuchelli 1698 und diejenigen der französischen Missionäre von Loango, welche 1776 durch den Abbe Proyart herausgegeben wurden. In diesen Berichten findet man nützliche Hinweiseüber Sitten, Bräuche und Gewohnheiten der Kongo- Völker, nicht minder über die Natur und die Erzeugnisse des Bodens; man kan aus ihnen topographische Nachweise in Menge schöpfen, desgleichen zahlreiche Listen von Länder- und Völkernamen dieser Gegenden; aber man darf von diesen alten Aufzeichnungen der Missionäre keine wissenschaftliche Genauigkeit begehren. Im Verlaufe von nahezu drei Jahrhunderten hat kein einziger Reisender im eigentlichen Sinne dieses Wortes, noch weniger ein wissenschaftlicher ForschungsreisenderdasGebietder Kongoländer, sowie der ganzen westafrikanischen Besitzungen Portugals betreten. Die portugiesische Regierung selbst hat immer nur höchst unvollständige Berichte über diese weiten Gebiete, die ihrer Hoheit mehr oder weniger unterstanden, veröffentlicht, und d’Anville bedurfte all’ seines seltenen Scharfsinnes, um das spärliche Material für seine1l749 veröffentlichteKarteAfrika’s zusammenzufinden. Tuckey erforschte mit Smith den Unterlauf des Kongo im Jahre 1816 bis über Sundy Usanga hinaus; seine durch den Tod unterbrochene Arbeit wurde 1825 durch Vidal (der den Kongo hinaufzufahren versuchte), so- wie durch Kapitän Owen (der seine Mündung und einen Teil des Unterlaufes aufnahm), endlich wieder aufgenommen; 1828 hat Douville zahlreiche Nachweisungen veröffentlicht, die leider durch den betrügerischen Vorwand, dass er dieselben selbst am Ort und Stelle gesammelt, an Baron Walckenaer fasste in drei Bänden seiner unvollendeten „Histoire des Voyages* (XIL-—XV; 1828) die alten Missionsberichte über die Kongoländer zusammen. Die neueren Reisen im Kongo - Gebiet. Seit dem Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts würden ernstere Bestrei bungen zur Erforschung der Konsolinden gemacht, und mehrere gute terweisungen sind uns zu jenen alten Berichten hinzugekommen. Kapitän am Kongo. Wert und Ansehen verloren. Sicherere Nachweise wurden zuerst durch den deutschen Reisenden, den Arzt Tams (1841: „Die portugiesischen BesitzungeninSüdwest-Afrika“; herause. 1845) gebracht; 1843-46 durchzog der Portugiese Graca das alte Kongoland bis nach Benguella hinunter; 1848 befuhr der Ungar Ladislaus Magyar den Kongo bis zu den Katarakten von Faro Songo; 1852 durchzog der Portugiese Travasso Valdez das Küsten-Gebiet des Kongo; 1857 führte Ad. Bastian, der die alte Königsstadt am. Kongo, San-Salvador, besuchte, seine wichtige Reise aus, und 1858 durchzog der englische Bergmann J. J. Monteiro (bis 1573) welchem die beiden Portugiesen, Fra Cardozo und Franeisco Valdez, folgten, den alten Kongostaat in allen Richtungen. Auf Livingstone’s Entdeckung des Lualaba im April 1865 folgte Bastians neue Reise andie Kongoküste, und mit ihr begann dieBeteiligung Deutschlands an der Erschliessung des eigentlichen Zentralkernes von Afrika. Die deutsche Loango-Expedition unter Bastian und Güssfeldt (mit Falkenstein, Pechu&l-Loesche, Lang, v. Mechow, Lindner, Soyaux, Lux, Pogge, Homeyer, Schütt, Buchner) 1873—76 förderte die Kenntnis der Küstengebiete in hervorrag'nder Weise; 1875 wurden von Medlyeott und Flood an der Kongomündung Aufnahmen gemacht; 1874 (21. Febr.)—1875 (7. Noybr.) gab Cameron in nicht völliger Übereinstimmung mit Stanley die Nachricht, dass „der Luowa, der nur von den Arabern Lualaba genant werde, nach -Nordwesten, der wirkliche Lualaba aber westlich davon durch mehrere Seeen flösse, auch Kamorondo genannt werde, sich später mit dem Luowa vereinige und durch den Landje- in den Sankorra-See flüsse; 1876—78 folgte Brazza-Savorgnan’s Ogowe-Reise (die den kühnen Franzosen bis in das Gebiet derrechten Zuflüsse des Kongo führte), Stanley’s berühmte Kongofahrt von 1876 (27. Mai) bis 1877 (8. August), durch welche dargethan wurde, dass der Kongo, den Äquwator in seinem Mittellaufe überschreitend, bis fast 20 nördl. Br. reicht, viele grosse Nebenflüsse empfängt und durch eine grosse Zahl von reichen Ländern fliesst; durch welche ferner die ganze Länge .des Stromesfestgestellt wurde, so dass der bisher unbekannte Riesenlauf dieses äquatorialen Stromes in die Karten verzeichnet werden konnte; 13577 erforschte Capello mit Ivens die Wasserscheide zwischen Kongo und Sambesi (das Quioco-Plateau); 1878 hellte der deutsche Ingenieur Schütt die bisher unbekannte oder ungenügend gekannte Hydrographie der grossen Zuflüsse des Kongo, wie des Kassabi u. a, zum ersten male auf; an die zweite erosse Kongofahrt Stanley’s(1879 ff.) schloss sich Brazza's Reise (1880) mit Ballay vom Ogowe nach dem Kongo; Mac Call’s, des englischen Missionärs, Reise über die Yellala-Fälle hinaus, des französischen Missionärs Augouard Marsch von der Loangoküste nach Vivi, Hanssens’ Kongofahrten, Dr. Ballay’s Reise vom Ogowe nach dem Stanley-Pool, Mechow’s Kuango-Fahrt, Israels Kuilu-Fahrt, Wissmanns Erforschung des Kassai, die von Deutschland abgesandte Schulze-Bütiner-Kund’sche Expedition von Ambrisette nach Noki am untern Kongo und zum Kuango, etc, (man vergleiche hierüber aucl die den einzelnen Reisenden gewidmeten Artikel). Der gewaltige, durch Stanley’s zeitgenössische Entdeckungsfahrten der Wissenschaft endlich eıschlossene Strom führt, seitdem der von Stanley vorgeschlagene Name „Livingstone“ bei den Geographen keine Aufnahme gefunden hat, jetzt allgemein den Namen „Kongo‘. Für den Oberlauf ist neben diesem der Name „Lualaba“, für den Unterlauf der von den Portugiesen gewählte Name „Zaire‘ im Gebrauche. Die Eingeborenen nennen ihn kurzweg „Fluss“ (je nach den einzelnen Dialekten Nsari, Niadi, Njadi, Niari ete., in welcher Benennung wahrscheinlich die Urform zu dem portugiesischen „Zaire* zu suchen ist). Bis um die Mitte des 16. Jahrhunderts war der dem Flusse von seinern Entdecker Cäo (1459) nach einem an der Mündung errichteten ); Der Kongo ist der Abfluss des 5 Tanganjika-Sees gelegenen Moero-Sees ie und wurde als solcher bereits zu ir Anfang des Jahres 1868 entdeckt, je Er führt hier den Namen Luowa, rt fliesst in einer nordwestlichen Rich-Ein, tung, nimmt rechtsseitig (im Lande es Molua, ebenfalls rechtsseitig, die a Luvipila auf, bildet kurz daraut den 1ö- Lanji-See, dessen östliche Spitze vom eh 25. Längengrade durchschnitten wird, vi, nimmt hier vechtsseitig den als Ab-N fluss des Tanganjika’s geltenden Luy- | kupa auf und erhälthier auch mehrere I 0 aber noch unerforschte linksseitige ne | Zuflüsse. Nach dem Austritt aus dem hi Lanji-See führt er nur noch den Namen he „Lualaba* und bildet als solcher die De Westgrenze des grossen Manjema0, Landes. Hier nimmt er rechtsseitig ch die Luama auf, an deren Ufer Stan-SSL ley (auf seinem Marsche vom Tanit an der Luama gelegenen arabischen = lich gegenüber von dem grossen Orte uf: Njangwe (wo Stanley, nachdem er a den Lualaba schon am 18. Oktober on von einer Höhe des Luama-Thals ge1a sehen hatte, über das Dorf Kane-Kien rumbo, das er am 15. Novbr. erf reichte, am 19. Novbr. anlangte), en linksseitig einmündende Lufaba, der ch weit aus Süden herauf kommt. Die iM Lage Njangwe’s wurde von Stanley rn Ikondu, einem grossen Dörferkomplex ii (unter 2053‘ südl. Br.), wohin Stanor ley am 3. Dezember gelangte, ist der ch | bedeutendste Zufluss der linksseitig | ebenfalls aus Süden herströmende Ruiki, dessen Mündung etwa hundert Meter breit ist, während der Lualaba-Kongo hier bereits eine Breite von 1600 m erreicht; auch bildet der lIualaba-Kongo zwischen der Mündung des Ruiki und Ikondu die ersten Stromschnellen, die Stanley am 27. November erreichte. „Felseninseln lagen in der Mitte des Stromes, und dort brauste dieser, zahlreiche Wirbel bildend, dahin, aber zwischen dem linken Ufer und den Inseln befand sich ein schmaler Kanal ruhigen Fahrwassers, welchem Stanley etwa 2 Meilen abwärts folgte. Bei dem Dorfe der menschenfressenden Bakusu, Usako Neongo, mündet ein kleiner Nebenfluss; unterhalb desselben kommt der grosse Marktplatz Ukongeh, welcher von den Wahika besucht wird. Hier beginnt auf dem linken Ufer das Land des Watwa-Zwergvolkes. Unterhalb Ikondu’s mündet die von Osten her, aus dem Lande der Bakombe, kommende Liva, welche die Grenze zwischen dem Lande der Uwinsa und der Upwire bildet. Auf dem linken Ufer, in der gleichen Entfernung vom Lova, wie Ikondu, liest der grosse Ort Unya-N'singe (eine, nach Stanley’s Beschreibung, etwa 1 Meile lange Stadt), die von dem kriegerischen Stammes der Wansongora Mena (das Volk mit den spitzgefeilten Zähnen) bewohnt wird, mit denen Stanley bis zum 22. Dezbr. blutige Kämpfe zu bestehen hatte. Im Lande Vinya-Dschara, ziemlich weit unterhalb des gleichnamigen grossen Dorfes und etwa gegenüber von dem auf der rechten Seite gelegenen Kinsanga Sanga, mündet linksseitig der Kasuku. Die Breite des Kongo steigt hier auf 1650 m und er durchströmt nun den volkreichen Distrikt Luvala, um kurz darauf rechtsseitig den aus Südosten kommenden Urindi aufzunehmen, dessen Mündung eine Breite von 365 m hat, während die Ufer des Kongo hier eine Höhe von 21—24 m erreichen. Von Ost-Süd-Ost her tritt nun, mehr als 1000 m breit, der imposante Low-wa oder Row-wa (der sich im Lande der Turu mit dem von Ost-Nord-Ost kommenden Lulu vereinigt) in den Kongo. Alle hier hausenden Stämme, die Amu-Nyam, die Nwa Mtaba etc. sind Kannibalen, und Stanley hatte fortwährende Kämpfe zu Lande und Wasser mit ihnen zu bestehen. Linksseitig, die Babisa von den Wakuna trennend, mündet der mächtige, weit aus dem Süden, aus dem Lande der Bassonge, kommende, durch zahlreiche Nebenflüsse, Bungolai, Lukalla ete., verstärkte Lomami in den Kongo. Gegenüber, wenig unterhalb von ihm mündet 180 m breit der aus Nordosten kommende Kankora ein, welchem Stanley zu Ehren des Königs der Belgier den Namen „Leopold-Fluss* gab. Bald darauf verengert sich der Strom, um den ersten der sieben Katarakte der Stanley-Fälle zu bilden. Stanley schildert denselben als „einen kleinen, etwa 180 Meter breiten Wasserarm, der von dem eigentlichen Hauptstrom durch einen Seitendamm von Feuersteinfelsen getrennt wurde. Dieser Hauptstrom führte das Boot unversehrt ein paar Meilen mit sich fort. Darauf erschienen alsbald andere Dämme, einige nur als niedrige und schmale Felskämme, andere aber viel breiter, mit hohen Bäumen bestanden und von dem Baswa-Stamme bewohnt. Zwischen zahlreichen Inselchen stürzte sich der Strom zur Linken in Wasserfällen oder schiefen, schaumbedeckten Flächen über niedrige Terrassen mit einem Fall von 1 Fuss auf lV Fuss herab. Die auf diesen Eilanden hausenden Baswa sind ohne Zweifel erst vor kurzem auf diese Inselchen als sichere Zufluchtsörter vor irgend einem mächtigen, westlich vom Flusse im Binnenlande wohnenden Stamm geflohen. Der etwas über 800 m breite Hauptstrom lief mit Ungestüm nach Ost-Nord-Ost und stiess sich nach einer Meile voll Stromschnellen gegen einen DBergrücken, der von Nord nach Süd strich und dessen Kamm etwa 90 m über dem Strome lag. An diesem, seinem Laufe sich entgegenstellenden Bergrücken schien der Strom sich in einer Art Wasserbecken zu sammeln, aus dem er über einen Wall zu einer Szene voll unbeschreiblicher Wirrnis in schreckliche Strudel und einen ganz tollen Zusammerfluss brausender und sich über einander wälzender Giessbäche hinabstürzte.* Nach mühseliger Umgehung dieses ersten Wasserfalles, etwa 150 m von ihm entfernt, verkündete donnerndes Brausen den zweiten Wasserfall. „Östlich von der srössern Insel Tscheandoah*, erzählt Stanley, „wurde der rechte Arm des Stromes wieder von einer Insel gabelförmig geteilt; seine ganze Obertläche war über alle Beschreibung wild und der Lärm seiner tobenden Wellen betäubend, während der westliche Arm —- so gross war seine Gewalt — eine Terrasse hinabrauschte und dann in einem ausgedehnten Becken, indem er an der äussern Rundung hinjaste, einen so gewaltigen Strudel bildete, dass das Wasser in der Mitte ganze 18 Zoll niedriger stand als an dem äussern Rande. Dicht an dem Ufer waren Winkel und beckenartige Formationen in den Trappfelsen, in welchen das Wasser dann und wann stark aufwirbelte, und nachdem es dann ungefähr einen Fuss tief gefallen war, pflegte es sich wieder mit gewaltigem Ungestüm und furchtbarem Rauschen zu heben.“ Nachdem- Stanley nach vier Tagen voll schrecklicher Anstrengungen unter: halb der Fälle wieder an den Fluss gelangt war, stiess er nach kurzer Fahrt auf ein neues Hindernis. „Am nördlichen Ende der Insel Ntunduru lief Tscheandoahh und den benachbarten nd Inseln herabfliessende Flussarme, und ‚ol ihre vereinigten Gewässer stürzen O sich in einen ungeheuern aufsprudelnich den und wallenden Kessel, aus dem bei bisweilen Wasserwälle sich emporu heben, um dann mehrere Fuss weit Beh mit entsetzlichem Lärm zusammenner zustürzen.* An die dicht beieinanaus der gelegenen 2. und 3. Katarakte, Be die Stanley soeben umgangen hatte, au veihte sich der 4. und 5., „eine der u wildesten Wasserszenen, die man sich nd nur denken kann“. ir Erst am 19. Januar setzte Stanley st seine Fahrt fort. Unterhalb der Insel les, Asama fand er den Strom über 1500 m I breit und 10—14m tief. Den Kanden | dschabe-Inseln gegenüber nahm auf der dem rechten Ufer das Land Aruko ihlt (ein Distrikt von Uregga) seinen Andes fang; auf dem linken Ufer liest hier bel- die Grenze von Wandeiwa. Unter che steten Kämpfen mit den Stämmen nd der Bakumu, Wawa-Rukura etc. erbe- zwang Stanley sich den Weg in das 2 Land Koruru auf dem rechten, und BE das Land Yambarri auf dem linken eul Ufer, und gelangte am 20. Januar em zum 6. Katarakt, welcher durch eine te, breite, grünliche Schieferfelsenmasse ete, hervorgebracht wird, die wallartig nze aus dem Fusse der steilen Ufer an en der linken Seite des Stromes hervor- ‚fer springt. Da dieser Thonschiefer aus or- vielen dünnen Schichten besteht, so rel- hat die Strömung allmählich zahlann reiche Spalten und Klüfte in denes selben hineingerissen, und eine dieser ge Felsspalten an der linken Seite, wo der die Strömung am gewaltigsten und ht | die Szene der tobenden Gewässer ch- am wildesten ist, hat eine bedeutende voll Breite und Tiefe. Näher nach dem ter: 1 rechten Ufer zu ähnelt der Katarakt uss in seinem Aussehen mehr einer Reihe zer wütender Stromschnellen, und ein Am f schmaler Arm hat sich zwischen den ru zahlreichen Wana-Ruknra-Inseln und dem rechten Ufer gebildet, welcher über 1 Dutzend Terrassenstufen von 6 Zoll bis 2 Fuss Höhe und in einer Reihe seichterStromschnellen 6 Meilen weit hinabfällt, wo er dann das Niveau des Hauptstromes unterhalb des 6. Katarakts erreicht.“ Am 23. Jan. hatte Stanley den Katarakt überwunden, am 25. überwand er den letzten der Stanley-Fälle, den siebenten und grossartigsten von allen, ebenfalls unter fortwährenden Kämpfen mit den an ihm in zahlreichen Dörfern, in Stärke von mindestens 60L0 Köpfen, wohnenden Wenya. „Man kann nicht sagen, dass der Strom in diesen letzten Katarakt der Stanley-Fälle herabfällt, schildert Stanley diesen Katarakt; er wird eine ganze Strecke hin heruntergestürzt. Die Ripon-Fälle am Ausflusse des. Viktoria-Sees erschienen nur matt und schwach im Vergleich mit diesem pfeilschnellen Herunterfliessen un einem Abhange und mit diesem ungestümen Vorwärtsstürzen. Der Viktoria-Nil bietet, während. er in seinem jäh abschüssigen Bett nach Unyoro zu herabeilt, ein sehr hübsches, malerisches und sogar ziemlich aufregendes Schauspiel dar, aber der Livingstone, dessen Wassermasse reichlich zehnmal so gross ist als die des Viktoria-Nil, bringt uns, obgleich das Strombett hier auch nicht breiter ist, in viel grossartigerer Weise den Charakter unwiderstehlicher ‚sewalt zur Anschauung und vereinigt eine gewaltige 'Tiefe mit einem wildlärmenden Hinabstürzen.*“ Unterhalb des Falles wendet sich der Strom, dessen Richtung oberhalb desselben eine nördliche war, nach West-Nord-West. An der Mündung des von Nordostherrechtsseitig einmündenden Mbura u. des tief ausdem Süden, aus der egend des 10. Breitengrades her strömenden, im Bassonge-Lande durch den Zusammenfluss mit dem Lubi entstandenen mächtigen Lubilasch (linksseitig) vorbei, unter fort- ‚währenden Kämpfen mit den Stämmen ‘der Ituka ete., erreichte Stanley am 1. Februar dieMündung des gewaltigen Aruwimi. Hier hatte Stanley eine förmliche Schlacht zu bestehen gegen 54 stark bemannte Neger-Kanoes. „Es ist eine mörderische Welt,* schildert der kühne Amerikanersein Vordringen in dieser Gegend des obern: Kongo, „und wir fühlen zum ersten male, dass wir solch schmutziges, gefrässiges Gesindel hassen, das sie bewohnt. Wir lichten ‚deshalb unsere Anker und verfolgen die Kannibalen stromaufwärts auf dem rechten Ufer entlane, bis wir, um eine Landspitze herumfahrend, ihre Dörfer zu Gesicht bekommen. Darauf fahren wir geradewegs auf das Gestade los und setzen das Gefecht in den Dorfstrassen mit denen, die gelandet sind, fort, verjagen sie in die Wälder und lassen erst dann zum Rückzug blasen, nachdem wir den verwegenen Kannibalen in etwas rauher Form einen Gegenbesuch abgestattet haben.“ In einem der Dörfer fand Stanley ein 4 Fuss hohes Götzenbild unter einem von 85 Elefantenzähnen getragenen kreisrunden Dache. Seine Leute bemächtigten sich dieser Zähne und brachten ausserdem noch 100 Stück Elfenbein in die Kanoes, darunter viele Stücke, die zu Kriegshörnern, Mörserkeulen, kleinen Hämmern, Armbändern u. s. w. verarbeitet waren. Eine Menge Gegenstände, welche auf eine nicht seringe . Kunstfertigkeit dieser raubeierigsen Kannibalen schliessen liessen, prächtige grosse Messer in mit Eisen besetzten Scheiden Massen von Speeren aller Grössen, Zangen, Hämmer, Pfrienen, Pfahblbrenner, Haaınadeln, Angeln, Arm- und Beinringe von Eisen und Kupfer, Eisenperlen und Bänder um das Handgelenk, eiserne: Glocken, Äxte, Kriegsbeile, Dechsel, Hacken, Hauen u. s. w. wurden in den Dörfern gefunden. Grosse und kleine, aus Holz geschnitzte Götzenbilder waren ebenfalls in Menge vorhanden, und in der Holzschnitzkunst schienen die Anıwimi bereits bedeutende Fortschritte gemacht zu haben, wie die vorge fundenen Flöten, Trommeln, Tröge, Schöpfkellen, Löffel, Ruder u. s. bewiesen. Sehr schön waren ihre irdenen Gefässe und ihre Pfeifen. Auf Schritt und Tritt begegnete man Anzeichen, dass hier ein wohlhabendes und in vielen Handfertigkeiten erfahrenes Volk lebe, und doch war dasselbe zweifellos noch dem Kamnibalismus ergeben. Unterhalb der Mündung des Aruwimi gewinnt der Strom eine unge. heure Breite und wird durch mehrere Reihen langer Inseln in 4—b Arme geteilt. Auf die Stämme der-kannibalischen Bemberri folgten unterhal) der Mündung (rechtsseitig) des von Nordost aus dem Georgios - Gebirge herströmenden Itimbiri die milder gesinnten Rabunga, bei denen Stanley zuerst wieder .auf Feuergewehre stiess: fürihn ein sicheres Anzeichen, dass er sich allmählich wieder zivilisierteren Gegenden näherte. Aus dem Lande der Rabunga gelangte Stanley in das Land Uvangi, dann unter heftigen Kämpfen mit dessen Bewohnern in das Land Mpakiwani. Die hier im Strome’ liegenden Inseln sind, wie Stanley erzählt, mit einer die Tierwelt ist durch die mannigfaltigsten Arten vertreten: Elefanten, kleine rote Büffel in Herden, Paviane, Makis und kleine langschwänzige Affen, Flusspferde, Krokodile und Warner sah Stanley in Menge. Am 14. Februar kam Stanley in das Land der Mangalla. An der Mündung des gleichnamigen, vou Nordosten her (aus dem Bulumba-See) strömenden Flusses wurde er von 63 Kanoes mit über 300 Gewehr trägern angegriffen. Am 17. Febr. kurz vor Sonnenuntergang bemerkte Stanley, dass der Strom sich allmählich nach Süden wandte An der Mändung des Lulemguund des Ikelembe (die beide ausSüdosten kommen) und der gewaltigen Mündung des tief aus dei Süden heranw ogenden Urruki oder Kassai vorbei passierte Stanley am 1%. Februar- um 7 Uhr morgens den Äquator, hatte also den grossen Bogen zurückgelegt, welchen der Strom "über dem Äguator beschreibt. Unterhalb des linksseitigen Irebu, welchem Dorfe gegenüber der mächtige, unter 21/, Grad n. Br. den Ngirri-See bildende Siboko (Ubangi) einmündet, wurde der Strom wieder breit wie ein See und war mit zahllosen Inseln bedeckt. „Es war Wasser genug vorhanden, um die riesigsten Dampfboote, welche den Mississippi befahren, flott zu erhalten. Hier und da schimmerten zwischen den im frischesten Grün prangenden Inseln breite Bänke weissen Sandes hervor, aber zu beiden Seiten strömte das Wasser mehrere hundert Meter breit und hatte in den Kanälen immer ö Faden Tiefe.“ Am Nachmittag des 26. Februar erblickte Stanley, aus den Inselgruppen herausfahrend, vor sich den ungeteilten Strom, der hier etwa 3:00 m breit war. Auf dem linken Ufer erhoben sich die steilen, aber doch bebauten Abhänge von Bolobo, und auf dem rechten Ufer befand sich ein Hochland. Die Abhänge von Bolobo waren mit vielen Dörfern bedeckt, deren Bewohner sich freundlich zeigten. Am 1. März landete Stanley, nachdem er seit dem 28. Februar der Gast des „Königs“ vom Tschumbirri gewesen war, 6 Meilen unterhalb der Einmündung des Flusses Ibari-Nkutu (Ostufer), gegenüber derjenigen des Lefini (Lawson), wo er das letzte Gefecht (das 32.) mit den Wilden zu bestehen hatte (14 seiner Leute wurden verwundet). Gegen Mittag des 12. März lag vor den Augen des kühnen Reisenden die jetzt unter der‘ Benennung „Stanley - Pool“ bekannte seeartige Erweiterung des Stromes, dessen Breite hier von 1300 auf 2500 m stieg. „Sandige Inseln erhoben sich und zur Rechten türmte Sich weissschimmernd eine lange Reihe von Klippen auf, welche denen von Dover so ähnlich sahen, dass Frank (ein von Stanley geworbener Engländer) sogleich ausrief, das sei ein Stückchen England.* Auf Franks Vorschlag erhielten die Klippen den Namen Doverklippen und die etwa 30 ODMeilen bedeckende seeartige Erweiterung, welche alle sofort als einen Pfuhl bezeichnet hatten und die sich ostwärts bis zu 4° 3° südl. Br., westwärts bis zu den Livingstone-Fällen erstreckt, wurde Stanley-Pool benannt. Die Ufer desselben sind dicht bevölkert; auf dem linken Ufer wohnen die Nschasa, Nkunda und Ntamo, auf dem rechten die Bateke, welche Menschenfresser sein sollen, aber Stanley freundlich entgegenkamen. Der erste Katarakt der Livingstone-Fälle befindet sich unmittelbar unterhalb des von Westen her einmündenden Dju& (oder Gordon-Bennett-River), und zwar 349,59 m über dem Ozean. Schäumend stürzt sich von da der Livingstoneauf einer von Felsenklippen eingefassten, fast 39 deutsche Meilen langen Strecke hinab in den breiten Kongo, welcher etwa 335 m unter dem ersten Katarakte liegt. Die Eingeborenen berichteten Stanley von 3 Katarakten, welche sie das „Kind“, die „Mutter“ und den „Vater“ nannten. Der gefährlichste.war der letzte. „Man nehme*, berichtet Stanley, „einen 4 Meilen langen und eine halbe Meile breiten Streifen des Ozeans und lasse einen Orkan aufihm wüten, und man wird von diesen hochaufspringenden Wogen einen ziemlich genauen Begriff erhalten. Einige der Wassertröge waren 1000 m lang, und von dem einen stürzte sich der rasende Strom in den andern. Zuerst rauschte das Wasser auf einer schiefen Ebene in den Grund eines ungeheuern Troges hinunter, und dann hob sich bloss durch die Wucht seines mechanischen Gewichtes das enorme Wasservolumen steil empor, bis es, zu einem förmlichen Bergrücken angesammelt, plötzlich sich a m hoch gerade emporschleuderte, bevores sich zum nächsten Troge hinabwälzte. Wenn ich auf dieses furchtbar wilde Naturspiel auf- und niederblickte, sah ich jeden Zwischenraum von 50—100 m momentan durch Wellentürme bezeichnet, ich sah sie in Schaum und Flugwasser zusammenstürzen, ich hörte das tolle Gerassel und Brausen der Hügel bildenden Fluten, der zurückrollenden Wasserfälle und der mit riesiger Gewalt sich emporhebenden Wogen; dabei war zu beiden Seiten der Uferrand, der aus einer langen Reihe zu Mauern aufgetürmter, riesiger Felsblöcke bestand, in dem wilden Aufruhr der ungestümen Brandung vergraben. Der Lärm war fürchterlich und betäubend. Ich kann ihn nur mit dem Donnern eines durch einen Felstunnel fahrenden Schnellzuges vergleichen. Wollte man mit seinem Nachbar sprechen, so musste man ihm ins Ohr schreien.“ Unter einer Reihe von Unfällen wurden die Katarakte passiert. Drei Boote wurden von der reissenden Strömung (beinahe 131/& m in der Sekunde). den sie an Seilen haltenden Männern aus den Händen gerissen, und nur zwei konnten noch gerettet werden; Stanley’s bestes, beinahe 23 m langes Canoe ging unter. Auf den von den Wellen glatt polierten Felsen stürzten mehrere Leute und verletzten sich nicht unerheblich, und Stanley selbst trug beim Sturz im eine Grube einige Quetschungen davon. Am 28. März geriet das „Krokodil“, in welchem sieh Stanley’s Lieblinge Kalulu, Mauredi und Feradschi nebst noch 5 Leuten befanden, unmittelbar oberhalb des nachher „Kalulu-Fall“ genannten Falles in die elankste Strömung und schoss in den Abgrund hinab. Ds Mannschaft eines eilen Kanoes, welches unmittelbar hinterher auf den E Fall zuschoss, kam wie durch ein Wunder über die Fälle linweg und konnte sich weiter unten an das linke Ufer retten, ein drittes Canoe jedoch, in welchem sich der brave junge Soudi befand, wurde von grossen Wogen ergriffen, ld herumgewirbelt al verschwand. Man hielt Sondı für tot und war daher freudig überrascht, als er sich am 1. April nebst zwei anderen, auch ans Ufer Verschlagenen wieder einfand. „Indem ich mich fest an mein Canoe klammerte“, erzählteSoudi, „trug mich der wildeStron immer weiter hinab, immer tiefer und tiefer, ohne Rast von Ort zu Ort, bisweilen dicht an einen Felsen, dann wieder ungefähr in seine Mitte, bis eine Stunde, nachdem’ es dunkel geworden war; da sah ich aber einen Felsen ganz in meiner Nähe, ich sprang Hinaus, und es gelang mir, mein Canoe zu erfassen und es an das Ufer zu ziehen.“ Im nächsten Augenblick wurde Soudi von Männern überkullem gefesselt und in ein Dorf gebracht. Dort sah ihn ein Mann, der ihn schon in Ntamo gesehen hatte. Er erkannte ihn wieder und bewirkte seine Freilassung. Man gab ihm sein Canoe zurück und Lebensmittel dazu, und trug ihm auf, seinem Herrn zu erzählen, dass er Freunde getroffen habe. Er traf später mit den beiden auf dasselbe Ufer Verschlagenen zusammen, und sie wagten en die Überfahrt, welche gelang. Noch immer war kein Ende der fürchterlichen Stromschnellen abzusehen, und auch die Verluste hatten kein Ende. Am 3. April verlor Stanley in den Stromschnellen ein Canoe, welches 50 Elefantenzähne und einen Sack Perlen trug. Bei den „Lady Alice - Stromschnellen* kam Stanley ‘selbst in Lebensgefahr. Die „Lady Alice“, in der er sich befand, war den Leuten entschlüpft, welche sie an einem Kabel vorsichtig über den Wasserfall hinablassen wollten, und schoss nun in dem tobenden Strom blitzschnell dahin, bald auf zischende Schaumkämme emporgehoben, bald wieder in Abgründe hinabtauchend. Zwei Meilen jagte sie so dahin, und Stanley’s Genossen hielten sich bereits für verloren. ‘ „Ein plötzliches, polterndes und raschelndes Geräusch, wie der abgeschwächte Ton eines Erdbebens, liess uns nach unten blicken‘, schreibt Stanley, ‚und wir sahen, wie sich der ganze Strom leibhaftig nach oben hob, wie wenn ein Vulkan eben begönne, ungeheure Wassermassen auszuspeien. Hinauf zu dem Gipfel dieses Wasserfalles wurden wir jetzt getrieben, und dann, im Vorgefühl dessen, was in den nächsten Augenblicken geschehen würde, schrie ich: „Rudert, Leute, es gilt Euer Leben!“ Einige rasende, energische Ruderschläge trieben uns nach der untern Seite des Walles vorwärts, und ehe sein Zusammensturz erfolgt war und ehe die Gewässer ihren verhängnisvollen Malstrom gebildet hatten. wurden wir über einen kleinen Wasserfall vorwärtsgejagt und schossen nun hinab der Einfahrt zu, in welche der Nkenke-Katarakt stürzte, unterhalb der tiefsten Linien der von den Lady-Alice-Stromschnellen erregten Brandung.“ Um die Canoes auf der Strecke, welche Stanley in etwa 15 Minuten zurückgelegt hatte, an Tauen herabzulassen, brauchte man 4 Tage. Am 20. April delinte sich der Strom wieder zu etwa 730. m Breite aus, und bald darauf berichteten Uferbewohner vom Stamm der Basesse, welche Lebensmittel brachten, dass nur noch ein Katarakt vorhanden sei, welcher aber von bedeutender Höhe herabfalle. Diese Fälle werden „Inkisi“ (der Zauber) genannt. „Sie bilden keinen bestimmt begrenzten Weasserfall, sondern der durch eine nur 450) m breite Kluft hindurchgezwängte Strom hat zu beiden Seiten grosse, sich kräuselnde Wellen von zerstörender Wut, welche sich in der Mitte treffen, übereinander wegspringen und gegen einander schlagen, während tief unten ein absolutes Chaos von tollaufgeregtem Wasser, hochaufspringenden Wogen, tiefen Mulden, mit einander kämpfendenWasserrücken entsteht und sich wie im wildesten Taumel 2 Meilen weit fortwälzt. Den Anfang dieses Schlundes bildet eine langgestreckte Insel, welche ein Stück oder gleichsam ein abgeschnittener Streifen des Tafellandes zu sein scheint, der von einer Höhe von 300 m platt auf den Boden heruntergestürzt ist.‘‘“ Eine Fahrt über diese Fälle war unmöglich, und Stanley beschloss, die Canoes über die Berge schleppen zu lassen. Bis zum Abend war mit Hilfe der vielen Äxte, über welche die Expedition verfügte, ein 1400 m langer Weg durch den Bergwald gebahnt, welcher mit abgehauenen Zweigen belest wurde. Am nächsten Morgen wurde das Boot und ein kleines Canoe glücklich auf die Höhe hinauf gebracht. Stanley befand sich jetztin dem von den Babwende, welche häufig die Küstenplätze zu besuchen pflegen und von denen einige auch Embomma (Boma) kannten, bewohnten -Mowa-Lande und gelangte nunmehr zu den Massassa-Fällen. „Bei Massassa endigt der verhältnismässig eng eingemauerte Kanal, durch welchen der Strom in grösster Unruhe von den Mowa-Fällen und dem tiefern Bassin (durch - die Massassa - Fälle) in das „Bolo-bolo-“ (ruhig, ruhig) Bassin hinabstürzt. Wegen der grossen Breite des Mowa-Beckens (1650 m) wälzt sich der Strom von oben eine Meile weit mit einem gewaltige Wogen auftürmendem Laufe durch den etwa 450 m breiten Spalt in den Felsendamm, scheint aber bei Massesse seine Geschwindigkeit zu vermindern. Hier wälzt der Strom, sich stauend, einen Teil seiner Wassermasse längs der Flanken nach oben zurück, und diese Gegenströmung streicht an dem Fusse der Mowa-Klippen vorbei und fliesst dann in die Mowa-Bucht hinein. Nachdem sie in die zungenähnliche Bucht wie eine Flutwelle hineingestürmt ist, lässt sie schnell nach, zieht sich längs des Fusses des Mowa-Felsdammes zurück und trifft nach einem 2 Meilen langen Kreislaufe mit den grossen Fällen und mächtige Wogen bilden- “den Stromschnellen zusammen, und nun entsteht ein wilder Kampf zwischen den beiden entgegengesetzten Strömungen. Von Massesse aus nimmt dann dr Strom seinen reissend schnellen, gleichmässigern Lauf wieder aut, nur dass sich an allen Vorsprüngen Wellen bilden, aber im allgemeinen mit einer. scheinbar ruhigen Oberfläche, wobei er freilich von dem eigentümlich gurgelnden Tone begleitete Strudel bildet. Wenn er sich dann der Massassa-Spitze nähert, eine Meile unterhalb Massesse, so rennt er gegen hervorragende Felsmauern und hebt sich auf beiden Seiten zu kräuselndenWellen, welche sich mitten. im Strome etwa 2L0 m weiter unten begegnen; ein Wogenkamm schlägt hier gegen den andern, eine Welle trifft die andere, sie schlagen übereinander hinweg und ringen miteinander, sinken dann scheinbar ermattet zusammen, um sich gleich wieder in tiefbraunen Wogenbergen mit lautklatschenden Gipfeln hoch emporzuheben. Eine halbe Meile weit wälzen sich wilde Gewässer dem Bolo-bolo-Bassin zu, wo sie sich auf diese Weise schliesslich in einem ruhigen Teiche sammeln, woher der Name stammt.“ Anderthalb Meilen unterhalb der Massassa-Fälle befinden sich die viel wilderen Zinga-Fälle. Am 5. Juni brach Stanley mit der „Lady Alice* auf, um das auf dem Wasserwege zwei Meilen näher als auf dem Landwege liegende Zinga zu erreichen. Etwa ?/, Meile ging die Fahrt ohne Unfall von statten, dann aber geriet die „Lady Alice“ in die Wirbel hinein und entrann nur durch verweifeltes Rudern einer Art Malstrom, der sich plötzlich vor ihr gebildet hatte. Stanley setzte infolge Leckwerdens seines Bootes die Reise zu Lande fort. Von dem ihm im Canoe „Jason“ über die Fälle nachfolgenden Gefährten kam sein letzter. weisser Gefährte, Frank Pocock, durch Ertrinken um. Erst am Abende des 25. Juni waren sämtliche Boote über die Fälle gebracht (20 Tage hatte Stanley gehraucht, um die 3 Meilen lange Strecke von den Mowa-Fällen bis unterhalb Zinga zu bewältigen). Die Ingulufi-Füälle erwiesen sich als blosse Stromschnellen, über welche die Boote leicht hinwegschossen. Auch die Mbelo-Fälle wurden glücklich zurückgelegt und dann die Landung am Strande von Kilanga bewirkt. Am 6b. Juli traf Stanley in Kinsore ein, von dort bis Mpakambendi bot der Strom keine Gefahren. Von Mpakambendi unterbrachen nur hier und da kleine . Stromschnellen die Fahrt. Hinter die Wanson-Fälle, die in einem Seitenkanal überwunden wurden, folgten die Ntombo-Mataka-Fälle (16. Juli). Am 2v. Juli wurde der Mata (rechtsseitig) erreicht. An den Dörfern Kibonda, Elwala (von den streitsüchtigen Basundi bewohnt) vorüber ging es zu den wütenden Itunsima - Fällen, die am 25. Juli erreicht wurden. Von hier an, am Distrikt Kilolo vorüber, floss der Strom bis zu den Isangila-Fällen (30. Juli) „so ruhig dahin, wie man ihn seit Monaten nicht gesehen hatte“. Von hier aus schlug Stanley den Landweg ein, da jeder Zweifel, -dass der von ihm „Livingstone“ genannte Fluss identisch mit dem Kongo sei, abgeschnitten war, und am 9. Ausg. Stanley hatte die ganze Länge des Riesenstromes festgestellt. Der gesamte Lauf desselben konnte in die Karte eingetragen werden. 630 Meilen beträgt derselbe! Von ihnen ist der 225 Meilen lange, oft seeartig erweiterte mittlere Teil für die grössten Schiffe befahrbar. Von hohem Interesse ist die nachstehend gegebene Charakteristik des Stromes, welche Stanley unter Vergleichung desselben mit den anderen grossen Strömen des Erdballs in seinem neuesten Werke entwirft, Als Stanley seine Reise antrat, war streng genommen nur das eigentliche Mündungsgebiet des Kongo bekannt. Der Kongo entsendet dort nach allen Seiten eine Menge kleiner Flussarme, Creeks genannt, als suche er in seiner Hast, das Meer zu erreichen, unablässig nach einem nähern Wege zu demselben, aber alle diese Creeks bilden nur Sackgassen, und ungeteilt wälzt sich die gewaltige Wassermasse in den Ozean. „Mit welchen Augen“, sagt Stanley, „würde man den Kongo betrachten, wenn man auf einem Dampfer stände, wie sie den Mississippi befahren, der mit einer Geschwindigkeit von 12 Knoten den Strom durchschneidet und ein von einem bewährten Sonnensesel geschütztes Promenadendeck besitzt, auf welchem man auf- und niederschreiten kann, während in üppigster Weise auch für Kost und Logis gesorgt ist. Ich glaube, man “würde dem Kongo den Vorzug vor allen anderen Flüssen geben. Unwillkürlich stellt man Vergleiche an. Der Rhein? Nun, der Rhein ist selbst an seinen malerischesten Stellen nur ein mikroskopisches Miniaturbild des untern Kongo; aber um diesen gehörig zu sehen und zu würdigen, muss man auch den Rheindampfer mit seinem Wein, seiner Tafel und bequemen Einrichtung haben. Der Mississippi? Der Kongo ist anderthalbmal länger und gewiss acht- und zehnmal so breit als der Mississippi; man kann wohl ein Dutzend Kanäle auswählen, an denen man eine hübschere Vegetation findet, als an dem amerikanischen Strom. Esfehlt diesem die Palme und der Calamus, während jener ein Dutzend Palmarten, Herden von Flusspferden, unzählige Krokodile, am Ufer des Festlandes und der Inseln lustig umherspringende Affen, wie Schwildwachen im Zwielicht des dunkeln Waldes stehende Elefanten, auf der reichen Grasebene weidende braune und schwarze Büffel, grosse Scharen von lbissen, schwarze, grüne und weisse Papageien und Perlhühner aufzuweisen hat. Der Mississippi ist ein ziemlich breiter Fluss von grauer Farbe, der zwischen niedrigen Ufern eingeengt wird und an dem hier und da Städte mit Holz- und Steinhäusern liegen; aber der Kongo ist auf seiner linken Hälfte theeartig und auf seiner rechten fast kreideweiss. Man hat die Wahl, Thee oder Milch, Bordeaux- oder Rheinwein. Und was die Städte anbetrifft, so hoffe ich, dass die auch noch entstehen werden, wenn die allgütige Vorsehung unser Werk segnet:; vorläufig ist an seinen geräumigen Ufern Raum genug für sie und das halbe Europa, und noch Platz übrig. Der Nil? Man frage die braven englischen Soldaten, welche sich über die Katarakte hinaufgearbeitet haben, wie sie über einen Festtagsausflug auf dem Nil denken. Die Donau? Sie kann hinsichtlich der Szenerie im Vergleich mit dem Kongo gar nicht genannt werden. Die Wolga? Noch weniger. Der Amazonenstrom? Auch nicht. Man muss den Amazonenstrom sehr weit hinauffahren, ehe man eine Landschaft findet, welche auchnurannähernd der Kongo-Szenerie sleichkommt.“ (Stanley, „Der Kongo‘, Leipzig 1885.) Gleich in der Mündung des Kongo liegt die alte holländische Niederlassung Banana, ein Platz, der (vergl. Roskoschny, : „Europa’s Kolonieen‘‘, Bd. IH, S. 111) berufen sein dürfte, in der fernern Entwickelung des Handels auf dem Kongo eine der wichtigsten Rollen zu spielen. An der Südseite des Stromes ragt dort die Landzunge Padräo ins Meer hinaus, auf welcher sich hinter einem Walle von Mangroven prächtiger Wald ausbreitet, und die Nordseite bildet eine kleine sandige Halbinsel, auf welcher die holländische Niederlassung liegt. Streng genommen ist Banana eine Insel, da es nur durch einen dichten (Gürtel von Manzroven mit dem Festlande zusammenhängt und dieses nur zu Wasser erreicht werden kann. Der Platz war, als die Holländer sich dort festsetzten, zu einer Niederlassung wenig einladend, aber andererseits gerade wie geschaffen für. ein Voik wie das holländische, welches den Boden seiner Heimat durch gewaltige Dammbauten dem Meere abserungen hat und den Kampf mit demselben gewöhnt ist. Auf der einen Seite benagt der Kongo die schmale Halbinsel, und von der andern stürmt die Brandung des Atlantie gegen dieselbe heran. Mit derselben unermüdlichen Ausdauer, die sie daheim bethätigt, haben die Holländer starke Pfähle in den Meeresboden getrieben, den so gebildeten Damm durch Aufschütten von Erde und grossen Steinen befestigt und erhöht, und dem lockern Boden der Halbinsel durch Anpflanzung zahlreicher Palmen mehr Halt und Zusammenhang zu geben versucht. So haben sie sich einen Posten an der vortrefflichen Fahrstrasse gesichert, welche an der Halbinsel vorbeiführt. Der Kongo ist bei Banana so tief, dass ihn die grössten Schiffe befahren können, und eine ganze Kriegsflotte findet dort noch einen hinreichend grossen, bequemen Ankerplatz. Das etwa 70 km weiter stromaufwärts gelegene Ponta da Lenha, der nächste bedeutende Handelsplatz am Kongo, bietet ein ähnliches Bild wie Banana. Auch dort hat der Mensch den zu seiner Niederlassung nötigen Boden dem Strome mühsam abringen müssen, und ohne die sorgsam unterhaltenen Dammbauten würde schon längst der Kongo seine Wellen über die Stelle wälzen, auf welcher die Station liegt, die von den Portugiesen den Namen Ponta da Lenha (Holzplatz) erhielt, weil dort die stromaufwärts gehenden Dampfer ihre Holzvorräte zu erneuern pflegen. Der Boden bei Ponta da Lenha liegt nur unmerklich höher als der Wasserspiegel, und so ist es dem Strom nicht schwer geworden, vor kurzem eine französische Faktorei, die gegen seine Minierarbeit nicht genügend geschützt war, völlig wegzuspülen. Wo sie einst stand, ist jetzt 6 m tiefes Wasser. Ponta da Lenha liegt bereits ausserhalb der Mangrovenregion, aber noch 70 km stromaufwärts, wo bei Boma vor Stanley’s Reise die Kenntnis des Kongo ihr Ende erreichte, ist das Klima ein höchst ungesundes. Grosse Sümpfe, welche unmittelbar hinter den Wohnungen der Europäer beginnen, machen Boma zu einem der gefährlichsten Plätze im Kongogebiete. Bösartige Fieber herrschen dort, Scharen grosser Muskitos, welche die Sümpfe ausbrüten, bilden eine der fürchterlichsten Landplagen, und zu alledem gesellt sich noch eine erdrückende Hitze, so dass noch kein Reisender länger als gerade unumgänglich nötig war, in Boma verweilt hat. Das Landschaftsbild, welches der Kongo bei Boma bietet, ist dagegen weit grossartiger als in Banana und Ponta da Lenha. Der mit vielen Inseln, welche Myriaden von Wasservögeln beleben, bedeckte Strom hat eine majestätische Breite. Eine üppige Vegetation bedeckt die Ufer, aber Unmassen gefrässiger Krokodile hausen im Wasser, denen schon manches Menschenleben zum Opfer gefallen ist und die, wie Johnston sagt, „geradezu die Pest des Landes bilden.“ Uber die gegenwärtigen Um- ‚äunungen der hiesigen Faktoreien hinaus herrscht eine Üppigkeit vegetablischen Wachstums, welche jeglicher Darstellung mit Feder oder Pinsel spottet. Die heisse Sonne ruft auf dem weichen Schlamm eine Vegetation ins Leben, deren schlanke Grossartigkeit und monströses Wachstum an die Wälder der Steinkohlenperiode erinnert und vor unseren Augen in unserer entarteten Zeit die Majestät desPflanzenreichs vergangener Epochen wieder hervorzaubert. An den sumpfigen Stellen in der Nähe des Stromufers finden sich Massen von glänzenden Orchideen (Lissochilus giganteus), einer Festlandsart, welche oft bis za sechs Fuss Höhe vom Boden aufschiesst und oben eine solche Menge rötlich lilafarbener Blüten mit goldigem Kelche trägt, dass kaum eine Blume der Welt ihr an. Schönheit und Zartheit der Formen gleichkommt. Diese Orchideen mit ihren hellgrünen lanzettförmigen Blättern und ihren langen herabhängenden Blütenstengeln wachsen in Gruppen von 4)—90 Exemplaren zusammen, oft sich widerspiegelnd in dem seichten Pfuhl der um ihre Wurzeln stagnierenden Gewässer und den Vordergrund des tiefdunkelgrünen Waldes mit zarter pfirsichfarbener Luft erfüllend, so dass nach meiner Meinung kein Europäer es ohne Bewegung anschauen könnte. Die portugiesischen Kaufleute freilich, welche inmitten dieser lieblichen Natur wohnen, beachten sie kaum und lachen über den Eifer, mit welchen ich dieses „Capim“, dies gemeine Gras oder Rohr, wie Sie es nennen, sammelte und zeichnete. Gruppen einer Art Zwergpalıne, Phönix spinosa, welche eine halbwegs essbare trockene Dattel trägt, schützen diese herrlichen Orchideen vor der Wegführung durch den Strom und erscheinen als eine Art Wassermarke, welche die Flut selten übersteigt; aber das Wasser dringt doch oft durch diese schlammige und vegetabilische Schranke und bildet innerhalb des Zauns von Zergpalmen viele kleine stille Lagunen, die nicht gerade ungesund zu nennen sind, weil ihr .Wasserinhalt von der Meeresflut ergänzt und bewegt wird. In diesen von hohen Orchideengebüschen mit ihren langen spatelförmigen Blättern und den weissglänzenden Deckblättern ihrer Blütenkelehe, von Schraukenbäumen, wedelnden Ölpalmen und auf ihren vielen Wurzeln sich wiegenden, ihre Blätter gegen den glänzenden Himmel wie gotische Bogenfenster ausbreitenden Mangrovebäumen umstandenen Lagunen und ihren Flächen stillen Wassers hausen und leben Myri- .aden tierischer Wesen.“ (H. H. Johnston, Der Kongo, Reise von seiner Mündung bis Bolobo nebst einer Schilderung der klimatischen, naturgeschichtlichen und ethnographischen Verhältnisse des westlichen Kongogebietes. Leipzig 1854, Seite 28). Das neue Staatswesen am Kongo (vergl. H. Wichmann, „Petermanns Mitth.“ IV, S. 137 #£.), welches den bestehenden Staaten Europas und Amerikas vollkommen ebenbürtig zur Seite steht, muss seinen Ursprung zurückführen auf die Gründung der Association Internationale Africaine, welche am 15. September 1876 erfolgt war, nachdem auf Einladung des Königs Leopold II. hervorragende Reisende, Geographen und Staatsmänner in Brüssel zusammengetreten waren, um die Erforschung und Erschliessung Zentralafrikas für Handel und Verkehr energischer zu betreiben, als bisher durch die Zersplitterung der Kräfte möglich gewesen war, zugleich aber die Err ungenschaften durch Gründung von Stationen, welche sich zu Stützpunkten für Forschungsunternehmungen, zu Kristallisationspunkten von Ansiedelungen entwickeln sollten, zu sichern. Nach dem Stande der damaligen Kenntnis wurde Ost-Äquatorialafrika als Ausgangspunkt gewählt. Bevor aber noch die ersten Expeditionen ausgegangen waren, um auf der grossen Karawanenstrasse von. Sansibar ins Seeengebiet vorzudringen, erfolgte Stanleys Entdeckung des Kongo-Laufes, ein Ereignis, welches ganz neue Bahnen der geographischen Forschung eröffnete und um so mehr die Entschliessungen der neugegründeten Association beeinflussen musste, als der Fortgang der Expeditionen in Ostafrika nicht den gehegten Erwartungen entsprach. "König Leopold II. war der erste, welcher sein Augenmerk auf die günstigeren Aussichten richtete, welche der Kongo selbst für die Förderung seiner philanthropischen Pläne bieten konnte. Nach Rücksprache mit dem kühnen Forscher gründete der König der Belgier, da er eingesehen hatte, dass die am Kongo zu bewältigenden technischen Schwierigkeiten grössere Mittel erheischen würden, als der Association zu Gebote standen, am 25. November 1878 in Brüssel das Comit& d’etudes du Haut-Congo. „Zum Führer des grossartigen Unternehmens, welches mit einem Schlage die fruchtbaren Gefilde am Mittellaufe des Kongo zugänglich machen, aber auch zugleich vor den Auswüchsen der Zivilisation schützen sollte, wurde Stanley selbst gewonnen, welcher im August 1579 wieder an dem Schauplatze seiner einstmaligen glorreichen Thätigkeit erschien, nachdem er sich von Sansibar die erforderlichen Hilfskräfte, welche er unter den Eingeborenen der Westküste nicht erwarten konnte, zur Ausführung seiner Pläne mitgebracht hatte. Ohne Säumen ging der rührige Amerikaner an die Ausführung seiner schöpferischen Pläne. Als Ausgangs- und Stützpunkt seines Vordringens bedurfte er einer vom Meere leicht und stets zu erreichenden Niederlage, wo die zur Unterstützung seiner Leute erforderlichen Vorräte, Utensilien, Waffen, Werkzeuge etc. aufgespeichert werden konnten. Zu diesem Zwecke gründete Stanley in Vivi, dem äussersten, zu Schiff zu erreichenden Punkte am untern Kongo, 1854 km von der Mündung des Stromes entfernt, die erste Station, welche ‘im Januar 1880 so weit unter Dach war, dass er vorwärts eilen konnte. „Die nächste Aufgabe war eine bedeutend schwierigere, denn es galt jetzt die durch Stromschnellen und Fälle versperrte und somit nicht benutzbare Strecke des Flusses zu umgehen, sämtliche Vorräte auf dem Landwege nach Osten zu schaffen, bis der Fluss wieder eine Schiffahrtsstrasse darbot. Namentlich der erste Teil dieses Landweges, auf welchem die Yellala-Fälle umgangen werden mussten, bot kolossale Terrainschwierigkeiten, da diese Strecke ein von tiefen, steil abfallenden Schluchten zerrissenes Hügelland bildet, welches zudem keine Subsistenzmittel für die grosse Karawane darbot. Um das umfangreiche Material, welches auch die einzelnen Stücke der zerlegbaren, für den Mittellauf des Kongo bestimmten Dampfboote enthielt, vorwärts zu schaffen, bedurfte es erst der Entfernung der grössten Hindernisse in dem Terrain; im Wegestehende Felsmassen mussten entfernt, die jähen Abstürze und schroffen Anstiege in die Schluchten und wieder aus diesen heraus mussten erleichtert werden, und somit kam es, dass die Bewältigung der nur 83 km betragenden Strecke von Vivi bis Isangila, welche ein einzelner Reisender ohne bedeutendes Gepäck in 5—6 Tagen zurücklegen konnte, 11 Monate in Anspruch nahm. Erst im Dezember 1880 wurde bei Isangila der Kongo wieder erreicht und hier eine zweite Station errichtet, welche als Niederlage erforderlich war, da von hier aus für die nächsten 118 km wieder die allerdings durch kleinere Stromschnellen gefährliche Wasserstrasse des Kongo nutzbar gemacht werden konnte. Im Mai 1881 eilte Stanley seiner Karawane voraus und kam im Juli 1881 am Stanley-Pool an, von wo aus der Mittellauf des Kongo eine ca. 1700 km lange, bis zu den Stanley-Fällen, mitten in das Herz des Kontinentes hinein, darbietet. Hier am Stanley-Pool stiess Stanley auf unerwartete Schwierigkeiten. Während er selbst sich der Mühe unterzogen hatte, durch mögliehste Beseitigung der Terrainschwierigkeiten für die Dauer die Erreichung des schiffbaren Mittellaufes zu erwurde die dritte Station in Manianga, dem Endpünkte dieser schiffbaren Strecke, gegründet. Von hier aus musste wieder zu Lande der Transport besorgt werden, da bis zum Stanley-Pool der Fluss wiederum durch eine Reihe von Stromschnellen, welche nur auf ganz kurzen und daher keine Erleichterung gewährenden Strecken die Benutzung des Wasserweges gestatteten, versperrt wurde. „Obwohl kaum von einem zweimonatlichen Krankenlager erstanden, am Kongo. leichtern, durch die Gründung von Stationen, Anlage von Kulturen und Hereinziehung der Eingeborenen zur Arbeit die zivilisatorischen Pläne des Königs auszuführen, hatten dieselben durch den französischen Marineleutnant Savorgnan de Brazza eine Störung erlitten, welcher, mit einer kleinen Karawane vom Ogowe aufbrechend, glücklich den Mittellauf des Kongo erreichte und, wohl ohne Kenntnis von den idealen Bestrebungen König Leopolds zu haben, hier im Oktober 1879 den Häuptling des mächtigen Bateke - Stammes, den Makoko, bewogen hatte, sich dem Protektorate der: französischen Republik zu unterwerfen. Dieses Ereignis drohte für die: Unternehmung Stanley’s verhängnisvoll zu werden; denn es war zu befürchten, dass die Eifersucht der von verschiedenen Beweggründen geleiteten Nebenbuhler schliesslich von Intrigen und Aufhetzungen zu offnen Feindseligkeiten übergehen würde, wodurch natürlich die Erschliessung des Gebietes einen empfindlichen Stoss erlitten haben würde. Einstweilen fand Stanley das Feld frei und offen, da Savorgnan wieder am Ogowe weilte und nur einige senegalesische Soldaten mit einem Unteroffizier in dem neu erworbenen Gebiete zurückgelassen hatte. Diesen Vorsprung wusste Stanley trefflich auszunutzen. „Da das rechte Ufer des Stanley-Pool kraft des Vertrages mit dem Makoko von Frankreich beansprucht wurde, verleste Stanley, schnell entschlossen, seine ÖOperationsbasis auf das linke Ufer, wo er, nachdem nach Überwindung bedeutender Schwierigkeiten seine ganze Karawane beisammen war, die Station Leopoldville bei dem Dorfe Ntamo anleste, welche im Februar 1882 vollendet war.. Schon vorher im Dezember 1881 war das erste Dampfschiff, der „En avant“, am Stanley-Pool zusammengesetzt worden, und sofort hatte der kühne Forscher die erste Fahrt stromaufwärts angetreten; er bewies seine Umsicht dadurch, dass er von dem linken Ufer des Kongo Besitz ergriff, indem er die Station Msuata, den Besitzungen des Makoko gegenüber, gründete, indem er dadurch verhinderte, dass beide Ufer des schiffbaren Stromes in die Hand Frankreichs fielen und der Kongo dadurch zu einem französischen Flusse wurde, Weiter stromaufwärts lenkte Stanley in den Kuango hinein, den er ebenfalls schiffbar fand, und setzte die Fahrt auf dem Hauptarme bis in den See Leopeld II. fort. „Nachdem Stanley nach kurzem Aufenthalte in Europa Ende 1882 zum Kongo zurückgekehrt war, entsandte er mehrere Expeditionen in das Grebiet nördlich seines Unterlaufes, um dasselbe, wo in dem Thale des Kuilu (Niadi) Savorgnan de Brazza 1881 eine leichtere Zugangsstrasse nach dem Stanley-Pool entdeckt zu haben glaubte, für die Zwecke des Comite d’etudes du Haut-Congo zu sichern. Das Unternehmen glückte vollkommen; bevor Savorgnan de Brazza an die Loango-Küste zurückkehrte, hatten Stanley’s Emissäre in verschiedenen Richtungen das Land durchkreuzt, überall Erwerbungen von Grund und Boden gemacht und eine Reihe von Stationen gegründet, welche in den Jahren 1883 und 1834 noch bedeutend vermehrt und nördlich bis Sette Camaausgedehnt wurden. Gleichzeitig hatten auch Vertreter der französischen Republik von einzelnen Küstenpunkten Besitz ergriffen und versuchten ebenfalls im Innern festen Fuss zu fassen. So drohteauch hier das kaum entdeckte Gebiet ein Zankapfel zwischen beiden Rivalen zu werden, „Am untern und mittlern Kongo waren während Stanley’s Abwesenheit bedeutende Fortschritte gemacht worden. An beiden Ufern des Stromes waren neue Stationen errichtet worden, um die Verbindung des Binnenlandes mit dem Meere zu sichern und Stützpunkte für die Erschliessung der stromaufwärts gelegenen Gebiete zugewinnen. Die Ende 1883 mit drei Dampfern ausgeführte Fahrt auf der ganzen Ausdehnung des schifibaren Mittellaufes bis zu den Stanley-Fällen, wo auf der Insel Wana Rusani die fernste Station gegründet wurde, ergab die gewünschten Resultate; durch die Anknüpfung vonVerhandlungen mit verschiedenen Völkerschaften, durch welche 6 Jahre früher mit Waffengewalt der Durchzug hatte erzwungen werden müssen, waren die Wege für die Ausdehnung der Besitzungen geebnet worden, und schon auf der nächsten Fahrt vermochte Kapitän Hanssens an den wichtigsten Punkten, bei den Bangala, bei den Basoko an der Mündung des Ubingi (Aruwimi), festen Fuss zu fassen und Stationen zu gründen, an anderen solche vorzubereiten. „Inzwischen hatte das Öomite d’etudes selbst eine Wandlung durchgemacht. Die Leiter desselben hatten erkannt, dass die Zeit des Studiums vorüber sei, dass es sich jetzt darum handele, den erschlossenen Gebieten, den schon zu beträchtlichem Umfans gelangten Erwerbungen eine endgültige und dauernde Organisation zu seben, welche denselben Lebensfähigkeit als selbstständiges Gemeinwesen verlieh. Es war keine Aussicht vorhanden, dass die belgische Kammer jemals ihre Zustimmung zu einer Verbindung dieser Erwerbungen mit dem Königreich Belgien, sei es als Kolonialbesitz, sei es als Schutzstaat, geben würde, und so traf man, um die Gebiete des Kongo nicht in die Hände eines anderen Staates fallen zu lassen, welcher für seine eignen Unterthanen Handel und Verkehr monopolisieren möchte, den Ausweg, ein neues Staatswesen zu schaffen, welches einstweilen von Brüssel aus verwaltet wurde. Das Comite d’etudes du Haut-Congo nahm daher 1882 in aller Stille den Namen Association Internationale du Congo an, und während in Afrika die geographische Forschung sowohl, wie die Besetzung der Landstrecken vorwärts ging, begannen in Europa die diplomatischen Verhandlungen, um die Anerkennung des Freistaates durchzusetzen und den Besitzstand desselben durch endgültige Verträge zu Sichern. „Bine Regelung der Verhältnisse wurde immer dringender, da einesteils Portugal mit seinen alten, von allen Mächten bisher bestrittenen und ignorierten Ansprüchen auf den Besitz des Unterlaufes des Kongo und der ganzen Küste bis 5% 12° s. Br. wieder hervortrat, andernteils Savorgnan de Brazza nicht damit zufrieden war, einen bedeutenden Teil des rechten Kongo-Ufers Stanley weggeschnappt zu haben, sondern jetzt noch das linke Ufer von der Kuango-Mündung bis zum Stanley-Pool für Frankreich in Anspruch nahm. .Er stützte sein Verlangen auf eine angebliche Oberhoheit des Makoko über die diesen Teil des linken Ufers bewohnenden Bateke, was scheinbar Bestätigung fand durch die Unterzeichnung seines mit Makoko abgeschlossenen Vertrages durch den Häuptling Ngalieme von Ntamo, am linken Ufer des Stanley-Pool. Diese Ansprüche konnte die Association nicht anerkennen, wenn der Kongo-Staat jemals in Kraft treten sollte, denn der Kongo wäre, da der Stanley-Pool damit in ausschliesslich französischen Besitz gelangen würde, völlig in die Gewalt der französischen Regierung geraten und ‘der Verkehr »wischen dem Mittellaufe und dem Meere von ihrem und ihres Vertreters guten Willen abhängig geworden. Ein Versuch, die französischen Ansprüche herabzustimmen durch die Zusicherung des Vorkaufsrechtes für den Fall, dass die Association einst gezwungen sein sollte, ihre Stationen und Besitzungen zu veräussern, hatte nicht den erwarteten Erfolg, wenn auch zeitweilig ein günstigeres Verhältnis zwischen den beiderseitigen Pionieren am Kongo sich anzubahnen schien. So gestalteten sich die Aussichten für die Verwirklichung der philanthropischen Pläne des Königs der Belgier im allgemeinen recht trübe, als es den Leitern der Association gelang, die am Handel im Kongo-Gebiete beteiligten Kreise für die Idee der Schöpfung eines neuen Staates zu gewinnen und zwar hauptsächlich durch die Entscheidung, dass an dem gegenwärtigen Zustande der zollfreien Einfuhr der Waren keine Änderung eintreten sollte. Fielen die Mündungen des Kongo in portugiesischen Besitz, wurde das andere Einfallthor zum Mittellaufe, das Kuilu-Niadi-Gebiet, und der Mittellauf selbst französisches Eigentum, so war sicher vorauszusehen, dass es mit der Gleichberechtigung des Handels aller Nationen, welche bisher an den thatsächlich herrenlosen Ufern geherrscht hatte, vorbei sein würde; beide Nationen würden keinen Anstand nehmen, die üblichen Zölle und Abgaben zu erheben, um einesteils wirklich pekuniären Vorteil aus diesen Erwerbungen zu ziehen, andernteils durch Begünstigung der eignen Unterthanen die Konkurrenz anderer Handlungshäuser zu erdrücken und die schon bestehenden einem allmählichen aber sichern Untergang entgegenzuführen. Diese Erwägungen veranlassten zuerst die Vereinigten Staaten von Nordamerika, sich auf Seite der bedrängten ’Association zu stellen und bereits am 22. April 1884 die Anerkennung der Gesellschaft und der von ihr gegründeten oder noch zu errichtenden Gemeinwesen als einer befreundeten Macht zu vollziehen, wogegen die Association Internationale du Congo sich verpflichtete, keine Einfuhrzölle oder besondere Abgaben für den zur Umgehung der Kongo-Fi älle gebahnten Wee zu erheben. Die Staaten Europa’s mochten Anstand nehmen, dem von den Vereinigten Staaten gegebenen Beispiele zu folgen, indem sie durch Anerkennung des Freistaates auch die von ihm als Besitztum beanspruchten Landesteile den anderen Bewerbern abgesprochen hätten, und so fand die vom Deutschen Reiche ausgehende Einladung, in gemeinsamen Beratungen der Mächte die künftige Gestaltung der Länder am Kongo festzustellen, allseitige Zustimmung. „Die Konferenz trat am 15. November 1884 in Berlin zusammen; die Verhandlungen über die territoriale Abgrenzung der streitigen Gebiete, welche nicht den Gegenstand der Beratungen bildeten, deren Erfolg aber Vorbedingung für die Anerkennung der Association sein musste, zogen sich bedeutend in die Länge, und es bedurfte erst eines starken Druckes seitens der anderen Mächte, um eine schliessbche Einigung zu erzielen. Vor allem handelte es sich bei den Verhandlungen darum, dass der Association der ungehinderte Zugang zu ihren Besitzungen am Mittellaufe des Kongo gesichert wurde ; dazu bedurfte sie des Besitzes einer Küstenstrecke, sowie mindestens eines Ufers des Unterlaufes, auch durften an keiner Stelle‘ beide. Ufer in die Hände eines Staates fallen, welcher dadurch in Stand gesetzt werden konnte, gelegentlich den Fluss für den Verkehr zu sperren. „Zuerst erfolgte eine Einigung mit der Französischen Republik, welche durch den am 5. Februar 1885 in Paris abgeschlossenen Vertrag die Association als befreundete Macht anerkannte. Die Grenzen der beiderseitigen Besitzungen wurden im Artikel 3 folgendermassen festgesetzt: Der Fluss Tschiloango vom Ozean bis zu seiner nördlichsten Quelle; die Wasserscheide des Niadi-Kuilu und des Kongo bis zum Meridian von Manianga; eine noch festzustellende Linie, welche soweit als möglich einer natürlichen Scheide folgen und zwischen der Station Manianga und dem Ntombo Mataka-Katarakte an einem an der schiffbaren Strecke des Flusses gelegenen Punkte münden soll; der Kongo bis zum Stanley-Pool; die Mittellinie des Stanley-Pool; der Kongo bis zu einem noch festzustellenden Punkte oberhalb des Licona-Nkundja; eine noch festzustellende Linie von diesem Punkte bis 170 ö. L. v. Gr., welche soweit als möglich der Wasserscheide des Licona-Nkundja-Bekkens, das zum französischen Gebiete gehört, folgen soll; „Die Association hatte also das Opfer gebracht, ihren Besitz im Kuilu-Niadi-Gebiet, am rechten Kongo-Ufer von Manianga bis zum Stanley-Pool und die ganze Küste von Sette Cama bis zum T'schiloango aufzugeben und von den hier errichteten 18 Stationen — nur Mukumbi, unweit Manianga, bleibt im Besitze der Association — 17 ohne irgend welche Entschädigung an Frankreich zu überliefern, welches nur den Ansprüchen auf das linke Ufer vom Stanley-Pool bis zur Kuango-Mündung entsagte. „Schwieriger war es, mit Portugal, welches auf das Recht der Entdeckung und der ersten vor 400 Jahren erfolgten Besitzergreifung fussend, von seinen historischen Ansprüchen auf Besitz der ganzen Küste von 5°12° bis 18° s. Br. nieht ablassen wollte, zu einer Einigung zu gelangen. Erst die Aussicht, dass infolgedessen die Berliner Konferenz resultatlos auseinander gehen würde, dass dann aber die Grossmächte, welche die Rechtmässigkeit der portugiesischen Ansprüche niemals anerkannt und nur den Besitz der Küste von 8° (Ambriz) bis 15° s. Br. zugestanden hatten, die thatsächliche Besitzergreifung beider Kongo-Ufer durch . die Association begünstigen würden, vermochte dieses einst mächtige Kolonialreich von seinen Forderungen abzulassen. Endlich kam auch mit diesem Staate der am 14, Februar in Berlin unterzeichnete Vertrag zu Stande, welcher die Anerkennung des Kongo-Staates aussprach und zugleich im Artikel 3 die Grenzen der beiderseitigen Besitzungen folgendermassen festsetzte: Im Norden des Kongo- (Zaire-) Flusses das rechte Ufer der Mündung des Flusses, welcher südlich von der Kabinda - Bucht, nalıe bei Ponta Vermelha, bei Capo-Lombo, in den Atlantischen Ozean sich ergiesst; der Parallelgrad dieses Punktes fortgesetzt, bis er den Meridian des Zusammenflusses des Culacalla mit dem Luculla triftt; der so bestimmte Meridian bis zum Zusammentreffen mit dem Flusse Luculla; der Lauf des Luculla bis zu seiner Mündung in den Tschiloango (Loango Luz); der Lauf des Kongo (Zaire) von seiner Mündung bis zur Einmündung des kleinen Flusses Wango-Wango; der Meridian, welcher durch die Mündung des kleinen Flusses Wango-Wango zwischen der holländischen und portueiesischen Faktoreihindurchläuft, in der Weise, dass die letztere auf portugiesisches Territorium zu Jiegen kommt, bis dieser Meridian mit dem Parallelgrade von Noqui (Noki oder Nokki) zusammentrifft; der Parallelgrad von Noqui bis zum Schnittpunkte mit dem Kuango- (Cuango-) Flusse; von diesem Punkte an in südlicher Richtung derLaufdesKuango (Ouango). „Wenn auch die Association in den an Portugal überlassenen Küstendistrikten, der Enklave von Kabinda, nördlich vom Kongo, und dem Südufer des mächtigen Stromes, sowie dem südlichen Küstenstriche bis nach Ambriz hin, bisher keine Oberhoheit ausgeübt, keine Stationen errichtet hatte, so muss ihre Zustimmung zu dieser Ausdehnung der portugiesischen Herrschaft doch als ein Opfer betrachtet werden, da sie sich damit eine für die Entwickelung des Kongo-Staates wichtige Küstenstrecke entzog. Der neue Staat besitzt jetzt an der Küste nur eine Strecke von 57 km Ausdehnung, d. h. von Banana am Nordufer der Kongo-Mündung bis Capo Lombo, südlich von Kabinda; einen Ersatz bietet allerdings der Besitz des Nordufers des Kongolaufes, welcher bis Noqui von den grössten Seeschiffen befahren werden kann, während kleinere Fahrzeuge noch bis Vivi stromaufwärts gelangen. „Bevor aber die Existenz des Kongo-Staates durch die Verträge mit den angrenzenden Kolonialmächten gesichert war, hatte die Konferenz die 'Grundbedingungen festgestellt, durch welche sämtliche Staaten ihre Unterthanen vor Benachteiligung zu schützen suchten, gleichsam als Entschädigung ‚dafür, dass sie keinen Versuch gemacht hatten, selbst auf diese bisher herrenlosen, für die Zukunft vielversprechenden Gebiete Hand zu legen. Dies war erreicht worden durch die Festsetzung, dass für alle Nationalitäten Handel und Schiffahrt frei sein solle. Die Konferenz beenüste sich auch nicht damit, nur für den Kongo-Staat die Handelsfreiheit auszusprechen, sondern, in der Voraussicht, dass ein bedeutender Teil des dort aufblühenden Verkehrs andern Zugangsstrassen zum Kongo-Becken sich ‘zuwenden würde, da die schmale, dem jungen Staate zugefallene Ausgangspforte an der Mündung des Stromes zur Bewältigung des Verkehrs schwerlich ausreichen könnte, ferner unter der Berücksichtigung der Interessen derjenigen Nationen, deren Angehörige auf der ganzen Küste zwischen der französischen Kolonie Gabun und der portugiesischen Kolonie Angola von 2—8" südl. Br. zahlreiche blühende Faktoreien errichtet und bisher zoll- und abgabenfrei europäische Waren eingeführt hatten, war ein grosser Tejl der an Frankreich und Portugal angrenzenden Gebiete in die Zone des Freilandes eingeschlossen worden. Ebenso hatte man nach Osten hin diese Zone bis zur Küste hin ausgedehnt, da die Gegenden desnoch zum Kongo-Becken gehörenden Tanganjika naturgemäss auf die Ostküste, auf Sansibar und, sobald die von den englischen Missionen begonnene Verbindung zwischen Tanganjıka und Nyassa beendet und gesichert ist, auf die portugiesischen Kolonieen der Ostküste, Mozambik und Quilimane, für den Bezug europäischer Handelsartikelangewiesen sein werden. Allerdings war der Vorbehalt gemacht worden, dass die auf der Konferenz nicht vertretenen Mächte, welche an der Ostküste von Afrika Besitzungen haben, erst ihre Zustimmung zu diesen Beschlüssen zu geben hätten. Da es sichnur um Sansibar, welchesden Wünschen der Konferenzmächte sch werlich Widerstand leisten kann, handelt — denn Portugal, welches ausser diesem Inselstaate allein Kolonialbesitz an der -Ostküste hat, gehörte zur Konferenz —, so ist nicht mehr daran zu zweifeln, dass künftig auch an’ der ganzen Ostküste sämtliche Waren frei eingeführt werden dürfen. „Die Bestimmungen über die Abgrenzung des Freihandelsgebietes in Äquatorialafrika lauten im ersten Artikel des I. Abschnittes: Der Handel aller Nationen soll vollständige Freiheit geniessen: 1) In allen Gebieten, welche zum Becken des Kongo und seiner Zuflüsse gehören. Dieses Becken wird begrenzt durch die Gebirgsrücken gegen die angrenzenden Stromgebiete, d. k.namentlich aufgeführt, die Becken des Niari, Ogowe, Schari und Nil im ‚Norden; durch die Wasserscheide der östl. Tanganjika-Zuflüsse im Osten; durch die Gebirgsrücken gegen die Gebiete des Sambesi und Loge nach Süden. Es umfasst demnach alle Ländereien, welche vom Kongo und seinen Zuflüssen unter Einschluss des Tanganjika-Dees. und seiner östlichen Zuflüsse entwässert werden, 2) In dem Küstenstriche, welcher sich am Atlantischen Ozean von dem Parallelgrade unter 20 30’ südl. Br. bis zur Mündung des Loge erstreckt. Die Nordgrenze soll dem Parallelgrade unter 29 30* südl. Br. von der Küste bis zu einem Punkte folsen, wo er mit dem geographischen Becken des Kongo zusammentrifit, jedoch mit Umgehung des Ogowe-Stromgebietes, auf welches die Bestimmungen dieses Vertrages keine Anwendung finden, Die Südgrenze soll dem Laufe des Loge bis zur Quelle dieses Flusses folgen und dann sich nach Osten bis zum Zusammentreffen mit dem geographischen Becken des Kongo fortsetzen. 3) In dem Landstriche, welcher sich östlich vom Becken des Kongo, wie es oben festgestellt ist, bis zum Indischen Ozean erstreckt, von 5° nördl. Br. bis zur Mündung des Sambesi im Süden; von diesem Punkte soll die Grenzlinie dem Sambesi folgen, bis 5 Meilen (eine engl. sea mile = 1855,11 m (60 = 1°) oberhalb der Schire-Mündung, und sich auf der Wasserscheide fortsetzen, welche die dem Nyassa zuströmenden Gewässer von den Sambesi-Tributären scheidet, um endlich die Wasserscheide zwischen den Gewässern des Sambesi und Kongo zu erreichen. Ausdrücklich wird bemerkt, dass bei Ausdehnung des Freihandelsprinzipes auf diesen östlichen Landstrich die auf der Konferenz vertretenen Mächte nur für sich selbst eine Verpfliehtungübernehmen, und dass dieses Prinzip auf Gebiete, welche gegenwärtig einem unabhängigen Staate oder Fürsten angehören, keine Anwendung finden »soll, bis dass dieser seine Einwilligung“ dazu giebt. Die Mächte verabreden, ihre-guten Dienste bei denjenigen Regierungen, welche an. der afrikanischen Küste des Indischen Ozeans bestehen, zur Geltung zu .bringen, um diese Zustimmung zu erlangen und jedenfalls dem Transit aller Nationen die günstigsten Bedingungen zu sichern. In dem so begrenzten Gebiete sollen die Schiffe aller Nationen freien Zugang sowohl zu den Küsten- als Flusshäfen haben und mit völliger Gleichberechtigung zum Transport von Waren bei Küsten- ni Flussschiffahrt benutzt werden können. Waren, einerlei woher sie stammen, unter welcher Flagge, ob zu Lande oder zu Wasser sie eingeführt werden, unterliegen nur billigen Abgaben, welche als Ausgleich für Aufwendungen zum Schutze und zur Erleichterung des Verkehrs betrachtet werden. Einfuhr- und Transitzölle dürfen nicht erhoben werden. Die Mächte behalten sich das Recht vor, nach Ablauf von 20 Jahren zu entscheiden, ob die unumschränkte Befreiung der Binfuhr von Zöllen aufrecht erhalten werden soll oder nicht. Irgend welche Vorrechte oder Monopole zur Ausbeutung eines Handelsartikels dürfen nicht erteilt werden. „Eine für die künftige Gestaltung des Kongo-Staates einschneidende Bestimmung ist die in Artikel II ausgesprochene Aufhebung und mit allen Mitteln durchzuführende Unterdrückung des Sklavenhandels. Es ist von vornherein anzunehmen, dass die Ausführung dieser Bestimmung zum grossen Teil ein toter Buchstabe bleiben wird. Die härtesten Massregeln, welche Gordon-Pascha während seiner Verwaltung des ägyptischen Sudan ergreifen liess, vermochten dem Handel, welcher tief in alle afrikanischen Völkerschaften eingewurzelt ist, nur Steine in den Weg zu legen. Ebensowenig konnte Englands Ser Überwachung der Sansibar- und Mozambik-Küste das schändliche Gewerbe im Indischen Ozeane völlig ausrotten; denn trotz der Abnahme der Ausfuhr, welche: infolge des beständigen Aufenthaltes englischer Kriegsschiffe: an der ostafrikanischen Küste eintrat, Westgrenze ist der Bedarf an Sklaven ein sehr traf derselb grosser gewesen, dass die arabischen stromaufwö Sklavenhändler aus Sansibar Veran- bereits unt lassunghatten,ihreRaubzügeweitnach in der Ge Westen auszudehnen. Während noch rechten Ko zur Zeit von Stanley’s Aufenthalt in seiner Rüc Nyangwe, 1876, dieser Punkt die Mukenge mit dem plündernden und die frucht- Ausdehnun; baren Gebiete entvölkernden Gesindel gefunden. zusammen; mithin hatte, seitdem Stan- halb des Be leys Zug in Begleitung von Tippu Stämme ha Tib der Furcht der Araber vor den terdrückun; wilden Völkerschaften in Westen und Amerika d Norden von Nyangwe ein Ende ge- fang und macht hatte, eine ganz bedeutende und viel vo ‚e Forscher auf seiner Fahrt ärts 1883 die Raubhorden jerhalb der Stanley - Fälle egend von Mawembe am ongo-Ufer; Pogge traf auf ;kkehr von Nyangwe zum 1882 am Flusse Lomani Sg dieser Kaubzüge statt-An der Westküste ausserat allerdings seit der Ung der Sklavenausfuhr nach ler Sklavenhandel an Um-Bedeutung abgenommen »n seinen früheren Schrecknissen verloren, wenn er auch noch nicht gänzlich unterdrückt ist, und poch immer ein Austausch zwischen den verschiedenen Völkerschaften stattfindet. So lange es nicht möglich ist, der weitern Ausbreitung des Mohammedanismus ein Ziel zu setzen, mit welcher das . Vordringen des und zwar in seiner schrecklichsten Form, stets gleichen Schritt gehalten hat, um den Bedarf in Ägypten, Arabien und den türkischen Gebieten zu befriedigen, wird seine Unterdrückung ein frommer Wunsch bleiben. Der Beschluss der Könferenz, dass die christlichen Missionäre besondern Schutzes und Förderung geniessen sollen, wird schwerlich im stande sein, bessere Zustände herbeizuführen, „Für die Entwickelung des Kongo-Staates von hervorragender Bedeutung ist die-in Kapitel 3, Art. 10 u. 11, ausgesprochene Bestimmung, dass derselbe den Schutz völliger Neutralität geniessen soll. Die Vorteile dieser Sicherheit vor Kriegsgefahren sollen feıner dem ganzen Becken zu gute kommen, in welchem der Freihandel zur Geltung kommt. Durch solche Bestimmungen ist in der That dem neuen Staatswesen die Möglichkeit geboten, seine ganze Kraft ausschliesslich für .das Ziel einzusetzen, welches vom deutschen Reichskanzler als das treibende Motiv für den Zusammentritt der Konferenz bezeichnet wurde: die Eingebornen Afrika’s an der Ziyilisation teilnehmen zu lassen. Der Staat bedarf keiner grossen Aufwendungen zum Schutze seines Gebietes, er braucht keine Flotten und Heere zu halten, für die nächsten Jahrzehnte dürfen voraussichtlich die bereits auf dem mittlern Kongo entstandene und jedenfalls schnell sich mehrende Dampferflöttille, wie auch die in den Faktoreien beschäftigten Arbeiter genügen, um mit Hilfe der modernen Feuerwaffen etwaige Anoriffe der einheimischen Stämme abzuwehren.. Bedeutenderen Aufwand wird die Herstellung von Kommunikationen zur Umgehung der nicht schiffbaren Strecke des Kongo erfordern. Wenn auch zum Bau der hierfür nötig gehaltenen Eisenbahn eine Aktiengesellschaft die Geldmittel herseben sollte, so wird zweifelsohne der Staat einen bedeutenden Zuschuss oder eine Zinsgarantie übernehmen müssen; auch sonst werden die Ausgaben für Hafenanlagen, Besoldungen, Fahrzeuge ete. solche Dimensionen annehmen, dass das neue Reich wohl einem schweren Kampfe ums Dasein entgegengehen wird, um so mehr als durch die Konferenzbeschlüsse die bequemsten Einnahmequellen, welche in sämtlichen europäischen Kolonieen in Afrika die Haupterträge liefern, die Einfuhrzölle, abgeschnitten worden sind. „Auffallend muss es erscheinen, dass bei der besondern Betonung des Interesses für Einführung der Zivilisation in Zentralafrika, die Anregung der italienischen Regierung: die grössten Feinde der Zivilisation, die Einfuhr von Feuerwasser und Feuerwaffen nebst Zubehör, einer scharfen Kontrolle zu unterziehen und möglichst zu verhindern, keine Berücksichtigung in dem endgiltigen Vertrage gefunden hat. Es ist dies ein Beweis dafür, dass das Handelsinteresse für die Eingebornen überwiegt; nicht um die Neger der Zivilisation zuzuführen handelte es sich, sondern um neue Absatzgebiete für die Produkte der Industrie und Gewerbe zu schaffen; und da gerade diese Artikel sicherer und beständiger Abnehmer gewiss sind, musste es unthunlich erscheinen, gerade den Handel mit diesen ertragreichen Waren zu erschweren. Aufgabe der Regierung des Kongo-Staates und der benachbarten Kolonieen wird es jetzt sein, die Eingebornen vor diesem schädlichen Einflusse zu bewahren. Ob sich aber ein gemeinsames Vorgehen in dieser Frage herbeiführen lässt, muss billig bezweifelt werden. „Welche Staatsform die Regierung des Kongo-Staates annehmen, ob eine Verbindung mit einer europäischen Macht, wie Belgieu, dessen Beherrscher derselbe seine Entstehung zu danken hat, geschaffen werden wird, ist zur Zeit noch nicht entschieden. Welche Wendung die hierüber schwebenden Verhandlungen noch nehmen werden, jedenfalls liegt der künftigen Regierung die Pflicht ob, alle Kräfte einzusetzen für die Herbeiführung solcher Zustände, in denen Handel und Verkehr sich stetig entwickeln und zunehmen können. Nachdem jetzt aber die Existenz des Staates völlig gesichert ist, wird auch wohl die Erforschung der wunberührten weiten Strecken im Norden und Süden des Stromes, der Gebiete bis zum Benue, Schari und Nil im Norden und Nordosten, der Landflächen bis zum Albert Nyanza, Muta Nzige und Tanganjika im Osten, der Verbindung der südlichen Kongo-Zuflüsse mit dem Hauptstrome im Süden beschleunigt werden; denn es muss der Staatsverwaltung daran liegen, bald die Hilfsquellen ihres weiten Gebietes kennen zu lernen und möglichst schnell die Bewohner desselben als Abnehmer europäischer und amerikanischer Produkte heranzuziehen. Die Grenzen des seiner räumlichen Ausdehnung nach zu den grössten Staaten der Erde zählenden Kongostaates stellen sich hiernach wie folet: Von der Mündung des Kongo geht die Grenze aufwärts mitten im Strom bis Noki, von dort auf dem Parallelkreise dieses Ortes (annähernd 50 40' südl. Br.) bis zum Kuangv, diesem Strome folgend bis zum 60. südl. Br. und auf letzterem entlang zum 24. Längengrade, dann südlich zur Grenze der Freihandels - Zone und längs dieser zum Bangweolo- und Moero- See, alsdann weiter zum Westufer des Tanganjika, dieses entlang zum Nordostende des Nzige-Sees, von dort parallel mit dem 30. Längen. grade bis zum 4. Breitengrade, auf diesen bis zum 17. Längengrade, auf diesem südwärts bis 00 20° nördl. Br., von dort zum rechten Kongo-Ufer gegenüber der Mündung des Ruki. Nun liest die Grenze wieder mitten im Strom bis zu den Katarakten von Ntombo: Makata, wendet sich dann nordwestwärts und folgt der Wasserscheide zwischen Kongo und Kuilu Niadi bis zum Tschiloango, zieht sich längs dieses Flusses westwärts, worauf sie bis etwa 50 38% nach Süden zurückweicht und dort dem Breitengrade parallel zur Meeresküste läuft. Das ganze Gebiet um-: fasst etwa 2400000 [] Kilometer und ist (Schätzung Stanley’s) von 33 bis 40 Millionen Menschen (Negern) bewohnt. Die Association zählte in dem ihr überlassenen Gebiete 1884: neunundzwanzig Stationen und zwar fünf am Unterlaufe des Kongo, Bona, Ikungula u. daszum Sitze der Verwaltungsbehörden dieses Distriktes bestimmte Vivi am Nordufer; Nokkiund Nuam Mpozo am Südufer; 13 am Mittellaufe, von welchen Isangila und Manianga am Nordufer, Mukumbi landeinwärts nahe der Quelle des nördlichen Zuflusses Kenga liegen, während Ruby Town, Voonda, Lukunga, Ngombi, Lutete und Ngoma am Südufer der durch Stromschnellen unschiffbaren Flussstrecke, Leopoldville, die künftige Hauptstadt und Sitz des Generalgouverneurs, Kintschasa und Kimpoko am Südufer des Stanley-Pool, Msuata, Kwamouth, Bolobo, Lukolela und Ngondo am linken Ufer des Mittellaufes, und Mbushie am Kuango unterhalb seiner Vereinigung mit dem Nkutu liegen; am Oberlaufe, nördlich vom Äquator, befinden sich 6 Stationen, die Äquatorstation am linken Ufer, Liboko (Bangala), Upoto und Aruwimi am rechten Ufer, Fallstation auf der Insel Wana Rusani und Mpala am Westufer des Tanganika. Die Verbindung zwischen diesen beiden Stationen muss erst hergestelltwerden. Die Bevölkerung des Kongo-Gebietes gehört zum weitaus grössten Teile der grossen Bantu-Familie an, welche sich wie ein breiter Keil zwischen die Niederlassungen der Hottentotten und Buschmänner im Süden und der verschiedenen Negerstimme im Norden einschiebt und das ganze Gebiet vom Tanganjika und Ukerewe bis zur Kongomündung und hinab bis zum Sambesi bevölkert. Nur vereinzelt trifft man am Kongo zwischen den Bantustämmen andere Rassen. Der Flussmündung zunächst wohnen die Kakongo und Mussi- oder Basikongo, ein entarteter, wahrscheinlich mit einer vor dem Eindringen der Banturasse hier ansissigen Negerbevölkerung vermischter Zweig, der von Banana bis zum Stanley-Pool ansässigen Bakongo, welche dieselbe Sprache (das „Fiote“) sprechen. Auf die Basikongo folgen die Basundi, Babwende, Wabuno. Die am obern Kongo wohnenden Völker repräsentieren wahrscheinlich die unverfälschte Banturasse mit schokoladenähnlicher Hautfarbe. Westlich vom Stanley-Pool bis zum Gordon -Bennet-Fluss und über diesen hinaus wohnen am Nordufer die Bateke, deren Wohnsitze sich bei Kintamo auch auf das südliche Ufer erstrecken. Weiterhin folgen die Wabumba und Bajansi, „Von Charakter sind die Rassen des oberen Kongo gutmütig, leichten Sinnes und sehr empfänglich für Schönheit. Sie sind Verehrer von Farben und Musik und lieben den Tanz, den sie graziös und mit Verständnis ausführen. Sie haben entschieden verliebte Anlagen, aber es liegt eine gewisse Poesie in ihren Gefühlen, welche ihre Liebe veredelt und über die rein geschlechtliche Sinnlichkeit des Negers erhebt.“ (Johnston, „Der Kongo“, Leipzig 1884.) Eine Religion besitzen sie nicht, nur eine verschwommene Vorstellung eines göttlichen Wesens (die Bezeichnung für dasselbe wird auch für „Himmel“ und „Luft“ gebraucht); auch glauben sie an ein Leben nach dem Tode, weshalb am Grabe eines Häuptlines Sklaven geschlachtet werden, die demselben auf seiner Reise ins Jenseits als Begleiter dienen sollen. Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Bantu-Stämmen ist im Laufe der Zeit zerrissen worden, und nirgends am oberen Kongo trifft man auf grosse Staatenbildungen. Die Häuptlinge herrschen immer nur über wenige Tausend Unterthanen, und gewöhnlich bildet jedes Dorf einen Staat für sich, ohne alle Verbindung mit den benachbarten Dörfern. Missionsthätigkeit am Kongo. Hierüber giebt das schon obenzitierte Werk (,‚Europas Kolonieen“, II. Bd., 8. 206 ete.) des Dr. Hermann Roskoschny (Leipzig 1885) die folgende Schilderung: Drei Missionen sind im Kongo-Gehiet thätig: die Livingstone-, die Baptisten- und die römisch-katholis--he Mission. Bevor nun Stanley am Pool festen Fuss gefasst hatte, und während ihm von den Eingeborenen, um ihn zu vertreiben, dieLieferung von Lebensmitteln verweigert wurde, traf dort schon ein französischer Missionär ein, P. Augouard, welcher 27 Tage ge braucht hatte, um von Vivi zum Pool zu gelangen. König Makoko, der den Vertrag mit Brazza unterzeichnet hatte, nahm den Missionär zwar freundlich auf, wollte ihm aber doch vor der Rückkehr Brazza’s, welche vor 6 Monaten nicht zu erwarten war, nicht gestatten, irgend welche Thätigkeit zu beginnen. Auch das Geeehönl: eines roten, goldverzierten Maäntels, der ihm grosse Freude bereitete, eringehte: daran nichts zu ändern, doch versprach er P. Augouard, wenn er später wiederkomme, ihm die Niederlassung in seinem Gebiet zu gestatten. Der Missionär trat auf dem Dampfer „Royal“, den Stanley ihm zur Verfügung stellte, den Rückweg an. Seitdem haben sich die Missionen am Kongo rasch vermehrt. In Boma befindet sich eine blühende katholische Mission. Weiter flussaufwärts hat sich in Underhill die Mission der Baptisten niedergelassen. Als Johnston im Jahre 1882 den Kongo hinauf fuhr, war das kleine Missionshaus noch im Bau. Das Material, das zum Bau desselben, wie überhaupt fast aller Gebäude am untern Kongo verwendet wurde, nennen die Portugiesen „Bordäo‘“, die Engländer „Bambu“, „Es ist nichts anderes als die starken Rippen der vollausgewachsenen Wedel von Phoenix spinosa, einer Art Zwergpalme, die in Überfluss auf den morschigen Strichen und flachen Schlammufern wächst, welche den untern sich weitenden Stromlauf bis zum Meere einfassen. Das Gerippe des Hauses wird zuerst durch ein Gerüst starker Pfähle. gebildet, wozu die jungen Bäumedes benachbarten Waldes dienen müssen, und zwischen diesen werden die Bambusstäbe verflochten, welche dann eine ausgezeichnete mil starke Scheidewand Bilden, durchderen Ritzen die Luft frei durchstreichen kann.“ Weiter vorgeschritten war damals bereits die Livingstone - Binnenland-Mission in Pallaballa, unweit Vivi. Johnston spricht zwar der Bevölkerung von Pallaballa alle Veranlagung ab, das Christentum zu in das ändert aber doch nichts an der Thatsache, dass es dem Missionär gelungen war, eine stattliche Gemeinde, welcher auch der König Mpaka angehörte, um sich zu versammeln. Einer religiösen Vertiefung scheint der Neger auf seiner jetzigen Kulturstufe nieht fähig zu sein, und Johnston verlangt wohl zu el von den Neubekehrten, wenn er hervorhebt, dass ‚der König während der Predigt stets verstohlene Blicke auf seine vor dem Hause arbeitenden Weiber warf, um ihre Thätigkeit zu kontrollieren. Der Gottesdienst würde entweder in dem von der Mission errichteten Schulhause, oder im: Hause des Königs abgehalten, Der Missionär hielt zunächst eine Predigt in Fiote, der Landessprache, wobei der König stets „das Ende einer jeden Periode auffasste und es mit patronisierendem Interesse nach dem Missionär wiederholte, um damit seine Aufmerksamkeit kundzugeben“, während die übrigen Anwesenden stumm und unbeweglich dasassen; dann folgte ein Gesang in Fiote, und ein kurzes Gebet beschloss den Gottesdienst, worauf noch eine Zeremonie folgte, auf welche die Eingeborenen nicht verzichten wollen: einer nach dem andern trat an den Missionär und die anderen anwesenden Weissen heran und reichte ihnen mit einem „Gw Nacht, Herr“ die Hand. Sie haben diese Begrüssung von den Missionären gelernt und auf seiner Wanderung durch das Dorf wurde Johnston überall mit ‚G@’ Morgen!‘‘ begrüsst. Am Stanley-Pool hatten sich schon im Jahre 1882 zwei englische Missionen niedergelassen, beide auf Grund und Boden, der ihnen von der Association abgetreten wurde, die eine rechts, die andere links von der durch Stanley errichteten Station. „Die eine liegt auf dem Leopold-Berg und nennt sich die Arthington-Mission der Baptistenkirche; die andere führt keinen besonderen Namen und gehört der Livingstone-Inland-Kongo- -Mission an. Die erstere stand unter Aufsicht des Herrn T. J. Comber, die zweite wurde von Dr. Sims geleitet; beide Herren haben ein warmes Herz für ihre Anstalt, sind ausserordentlich energisch und zeichnen sich durch grossen Eifer bei Wahrung derihnen anvertrauten wichtigen Interessen aus. Es war ein scharfer Wettkampf um ein grosses Ziel; die Baptisten gewannen am Stanley-Pool den Sieg; Dr. Sims war der erste, welcher die Gewässer des obern Kongo befuhr. Die Baptisten kamen den Konkurrenten mit der Anlage einer Station oberhalb des Stanley - Pool zuvor, doch hatten diese dafür sich bald darauf auf einer Station am Äquator festgesetzt. Die Baptisten besassen den ersten Dampfer auf dem Kongo, aber auch die Livingstone-Missionäre bauten sich einen solchen in Leopoldville, als jener vom Stapel lief. Es war ein seltsamer religiöser Zweikampf, welchen diese beiden Missionen ‘der protestantischen Kirche miteinander ausfochten; die Chefs von beiden hatten abwechselnd einer dem andern den Rang abgelaufen und ausserordentliches individuelles Geschick bewiesen. Wann und wo dieser eigenartige Wettstreit aufhören wird, weiss niemand. Solange die Missionen durch die jährlichen Beiträge ihrer gläubigen und getreuen Anhänger unterstützt werden, wird derselbe zweifelsohne fortoesetzt, bis das Kongobecken überwunden, moralisch besiegt und dem christlichen Glauben gewonnen ist.“ Die Baptisten sind auch noch weiter vorgedrungen und haben in Lukolela eine Station errichtet, und kaum dass sie dort festen Fuss gefasst hatten, rüsteten sie sich zu einer grossen Expedition, zu welcher Mr. Arthington 40000 Mark zur Verfügung stellte: sie wollten versuchen, vom obern Kongo zum Ukerewe und nach Muta Nzige vorzudringen. Jedenfalls können sie mit ihren bisherigen Erfolgen zufrieden sein, denn seit der Gründung ihrer ersten Station in San Salvador, welche 1878 durch die Missionäre Comber und Grenfell errichtet wurde, haben sie es bis auf ein halbes Dutzend Stationen am Kongo gebracht: San Salvador,Underhill,Bayneston, Wathen (Manyanga gegenüber), Arthington am Stanley-Pool bei Leopoldville und Lukolela. Sie haben am Stanley-Pool einen eigenen Missionsdampfer „Peace“ erbaut, mit welchem zunächst eine RekognoszierungsfahrtaufdemKuango unternommen wurde, wobei man 5 Tagen bis oberhalb des Zusammenflusses von Kuango und Wabuma vordrang. Für die fernere Ausbreitung des Wirkungskreises der rührigen Mission wird dieser Dampfer gewiss noch von grosser Wichtigkeit nalen, Die englische Mission hat ihre Rrfolge nicht leicht errungen. Es galt hartnäckigen Widerstand der Einpeborenen zu besiegen, und die ersten Errungenschaften ‚der Missionäre waren mit Blut -erkauft. Die Missionäre Comber und Hartland liessen sich durch die unfreundliche Haltung der Eingeborenen nicht abschrecken und drangen bis zum Kiloa, einem Zufluss des Kongo vor. Dort änderte sich die Szene. Die Eingeborenen flohen nicht mehr vor ihnen wie bisher, sondern nahmen eine drohende Haltung ‘an. „Nie“, schreibt Combers Begleiter, „werde ich den Empfang vergessen, der uns zuteil wurde. Wir treten in das Dorf und fragen die Einwohner nach seinem Namen. Man antwortetuns nicht. Die Eingeborenen ziehen sich ein wenig zurück; dann schreit ein Mann: „Udabonga nkeli; vaunda mundele!“ (Holet die Gewehre! Tötet die weissen Männer!) Sie stürzen fort, kommen aber bald wieder, bewaffnet mit langen Stöcken, mit grossen Steinen, mit Messern und Gewehren. Ohne sich in eine Unterhandlung einzulassen, beginnen sie um uns herum zu tanzen und zu springen und ihre Waffen zu schwingen. Herr Comber setzt sich vor ein Haus, ‘und ich will soeben dasselbe thun, als unsere Angreifer schreien: „Auf! Auf!“ Nie habe ich so grausame, so wilde, so teuflische Gesichter gesehen. Wir erheben uns; wir ann ihnen zu, einzuhalten, und. sagen, dass wir Schon gehen. Alles vergebens! Steine fliegen hinter uns her, man schwingt Stöcke und Messer uns, Wir sehen ein, dass diese Beute entschlossen sind, rt) nur uns aus ibrem Dorfe zu vertreiben, sondern uns zu ermorden. Unsere einzige Hoffnung auf Rettung beruht in der Flucht, aber unsere m erscheint verzweifelt. Wir sind alle verwundet, aber es gelingt uns, einen Hügel zu Grreiehen Da hören wir mitten in dem Geheul hinter uns einen Schuss und sehen Herrn Comber, der uns voraneilte, fallen. Ich stürze auf ihn zu und will ihn beim Aufstehen unterstützen, aberersagt: „Nein, John, es ist unnülz ... . ich bin verwundet . rettet euch!“ — Zum Glück war Herr Comber nur leicht verwundet und vermochte den Fliehenden zu folgen. Man erreichte das nächste Dort und durchzog dasselbe, trotzdem man jeden Augenblick Eintreffen der Verfolger fürchten musste, in langsamem Zug, um keinen Verdacht zu erregen. Die Einwobner hatten den Schuss gehört und kamen bewaffnet aus ihre Häusern, waren aber unschlüssig, was sie hin sollten, und dan die Flüchtlinge ungehindert vorbeiziehen. Bald kanien aber einige hinter ihnen her und verfolgten sie mit Steinwürfen noch mehrere Stunden weit, bis die Ermüdung sie bewog, die Verfolgung aufzugeben. Obwohl Herr Comber sehr entkräftet war, wurde die Flucht doch noch bei Nacht fortgesetzt, bis man endlich Tr: äger fand, we ehe den Verwundeten in 2 Tagen zum Kongo brachten, wo die Kugel aus der Wunde gezogen wurde. Um dieselbe Zeit drangen 2 andere Missionäre, Herr Crudgineton und Herr Bentley, ins Innere vor. Sie beabsichtigten den Stanley-Pool auf dem Nordufer des Kongo zu erreichen, Am 17. Februar verliessen sie Vivi und erreichten nach einem Marsch von 21 Tagen Niamo. Am Gordon: Bennett wurden sie zwar von einem Häuptlinge freundlich aufgenommen, der ihnen erzählte, dass Weisse in der Nähe seien, aber als sie am fo]- genden Tage den Stanley-Pool erreichten, sahen sie sich plötzlich von 150 bis 200 Schwarzen umringt, welche drohend ihre Speere schwangen. Brazza’s Vertreter, der Sergeant Malamine, stellte sich bald darauf ein, aber er vermochte nicht zu helfen, sondern riet, sobald als möglich die Gegend zu verlassen. Die Missionäre befolgten den Rat, aber beim Dorfe Nshasa fanden sie sich wieder einem bewaffneten Haufen gegenüber. Alle Beteuerungen, dass sie Freunde der Franzosen seien, nützten nichts: die Neger erklärten, da sie nicht Franzo-en seien, müsste man sie als Feinde betrachten, und es blieb ihnen schliesslich keine andere Wahl als die Umkehr, Diese Expedition der beiden. Missionäre versetzte die Baptisten am Kongo in die grösste Aufregung. Sie begannen eine fieberhafte Thätigkeit zu entwickeln. Stanley hatte ihnen den Weg gewiesen, den sie einzuschlagen hatten, um mit Aussicht auf Erfolg ins Innere vorzudringen. Er riet ihnen, dem Landweg von Vivi bis Isanglıila zu folgen und dann ein gutes eisernes Schiff ins Wasser zu lassen, auf dem sie leicht bis Manyanga gelangen könnten. Die Baptisten boten sofort alle ihre Kräfte auf, um dieses Ziel zu erreichen. Ein Geschenk von 8SOOUOM., das ihnen um diese Zeit zufiel, setzte sie in den Stand, ihre Pläne in grossem Massstabe auszuführen. Von dieserSumme bestimmten sie20000M. für den Bau eines Dampfers, welcher nach Stanley’s Angaben in Limehouse erbaut wurde und den Namen „Plymouth* erhielt. Als im Juli 1881 einer der beiden Missionäre, welche den Stanley-Pool erreicht hatten, nach London kam und dort eifrig für die Kongo-Mission zu wirken begann, waren bald 40000 Mark gesammelt. Die Missionäre wanderten abermals zum Stanley-Pool hinauf, wo die Mission ein kleines Gebiet erworben hatte. Sie gründeten zunächst eine Station in Manyanga, wo sich rasch auf einem Hügel auf dem rechten Ufer ein freundliches Häuschen erhob, dann eine zweite in Isanghila. Nun lag die schiffbare_Flussa vor ihnen, kein Hindernis stand mehr ihrem Vordringen entgegen. Heute besitzen die Missionäre zwei Dampfer auf dem Strom, „Plymouth“ und „Peace‘, und in Underhill,denıfrühern Wanga-Wanga, wohin sie bald ihr Zentral-Depot von Mussuko verlegten, eine feste Basis am Unterlauf des Flusses, von wo aus alle tiefer landeinwärts gelegenen Stationen leicht mit allem Nötigen versehen werden können. Vergleiche „Lualaba* und „Zaire“.

Strasse am Kongo.
Strasse am Kongo.
Eingeborene von Vivi (Kongo).
Eingeborene von Vivi (Kongo).
Der zerlegbare Dampfer Stanley auf dem Kongo.
Der zerlegbare Dampfer Stanley auf dem Kongo.
Station Vivi am Kongo.
Station Vivi am Kongo.
Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 727Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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