Alkohol, der „reine Inbegriff“ (des Weines nämlich), ist jene farblose, lieblich duftende Flüssigkeit, die als Seele alles gegohrenen Getränkes „des Menschenleibes höchstes Labsal“ bildet. Völlig wasserfrei zwar erst im Jahre 1796 durch Tobias Lowitz dargestellt, wurde das Dasein des köstlichen Stoffes doch schon von den Alten geahnt, da Plinius ausdrücklich die Entzündlichkeit des Falerners hervorhebt — „solum vinorum flamma accenditur!“ — und schon den Arabern des 8. Jahrhunderts gelang es, ihn durch Destillation aus dem Weine auszuziehen. Durch sie wurde er dem Abendland bekannt und hier unter dem Namen Aqua vitae (Lebenswasser) als Allheilmittel, als das wahre „Lebenselixir“ berühmt. Die „große Panacee“ der Alchemisten des 13. und 14. Säculums war in der That nichts anderes als unser biederer Alkohol, „der die Kräfte hebt, den Puls belebt, das Gehirn säubert und den Greis zum Jüngling macht“, wie Arnold von Villanova (gest. 1312) sich begeistert ausdrückt. Der Glaube an die Heilkraft des Alkohols erhielt sich bis in's 17. Jahrhundert, wie z. B. bei dem braven Anatomen Jean Pecquet, der demselben mit solchem Eifer nachlebte, daß er darüber das Delirium tremens bekam und vor der Zeit ins Gras beißen mußte (1674). Die Neuzeit glaubt nicht mehr an das Lebenselixir, den Alkohol aber hält sie gleichwohl in Ehren, denn der predigt nach wie vor seine Macht und Herrlichkeit mit feurigen Zungen. Vgl. Branntwein.